Bärenmarkt: Was tun wenn die Börse fällt?
Die Börse fällt, die Nachrichten berichten von Krise, dein Depot steht im Minus. Was jetzt? Dieser Ratgeber erklärt, was ein Bärenmarkt ist, wie lange er typischerweise dauert — und warum die beste Reaktion für langfristige Anleger fast immer dieselbe ist: Nichts tun.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Definition Bärenmarkt Rückgang von mehr als 20% vom letzten Höchststand
- Durchschnittliche Dauer ca. 9–14 Monate
- Durchschnittlicher Rückgang ca. 35% beim MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne.
Mehr erfahren → - Erholungszeit historisch 1–5 Jahre bis zum neuen Höchststand
- Richtige Reaktion Sparplan laufen lassen, nicht verkaufen
- Langfrist-Anleger mit 30-Jahres-Horizont Bärenmärkte sind statistisch irrelevant
Was ist ein Bärenmarkt?
Der Begriff "Bärenmarkt" bezeichnet einen anhaltenden Rückgang der Börsenkurse um mehr als 20% vom zuletzt erreichten Höchststand. Die 20%-Schwelle ist eine Konvention — keine physikalische Grenze — aber sie hat sich als nützliche Abgrenzung etabliert, weil sie kurzfristige Kursschwankungen von echten, strukturellen Abwärtsbewegungen trennt.
Der Begriff stammt aus dem angloamerikanischen Raum: Ein Bär schlägt mit der Tatze nach unten — Kurse fallen. Ein Bulle stößt seine Hörner nach oben — Kurse steigen. Daher spricht man auch von "bullischen" Märkten bei starken Kursanstiegen.
Wichtig: Ein Bärenmarkt ist keine Prognose, kein Dauerzustand und keine Garantie für weitere Verluste. Er beschreibt nur die vergangene Kursentwicklung vom letzten Höchststand aus. Wann der Tiefpunkt erreicht ist, weiß niemand im Voraus — das ist eine der zentralen Erkenntnisse aus jahrzehntelanger Finanzmarktforschung.
Unterschied: Korrektur, Bärenmarkt und Crash
Diese drei Begriffe werden oft durcheinandergeworfen — dabei beschreiben sie unterschiedlich schwere Ereignisse:
| Begriff | Definition | Häufigkeit | Typische Dauer |
|---|---|---|---|
| Korrektur | -10% bis -20% | Ca. alle 1–2 Jahre | Wochen bis wenige Monate |
| Bärenmarkt | Mehr als -20% | Ca. alle 5–10 Jahre | Monate bis 2 Jahre |
| Crash | Sehr schneller Einbruch (Tage/Wochen) | Selten | Sehr kurz — Erholung oft schnell |
Eine Korrektur um 10–15% ist absolut normal und kommt statistisch gesehen fast jedes Jahr vor. Sie fühlt sich unangenehm an, ist aber kein Alarmsignal. Ein Bärenmarkt ist schmerzhafter, weil er länger andauert und stärkere Verluste bringt. Ein Crash ist ein plötzlicher, dramatischer Einbruch — der aber historisch betrachtet eine der besten Kaufgelegenheiten darstellt, weil die Erholung oft ebenso schnell kommt.
Historische Bärenmärkte: Was wirklich passiert ist
Bärenmärkte sind keine Ausnahme — sie sind ein regelmäßiger Bestandteil der Börsengeschichte. Wer langfristig investiert, wird mehrere davon erleben. Die gute Nachricht: Kein einziger hat dauerhaft angehalten.
| Bärenmarkt | Auslöser | Rückgang (S&P 500) | Dauer | Erholung |
|---|---|---|---|---|
| Dotcom-Blase (2000–2002) | Tech-Überbewertung, 9/11 | ca. -49% | ca. 30 Monate | ca. 5 Jahre |
| Finanzkrise (2007–2009) | US-Immobilienmarkt, Bankenkrise | ca. -57% | ca. 17 Monate | ca. 4 Jahre |
| Corona-Crash (2020) | Globale Pandemie | ca. -34% | ca. 1 Monat | ca. 5 Monate |
| Zins-Bärenmarkt (2022) | Inflation, Zinserhöhungen, Ukraine-Krieg | ca. -25% | ca. 9 Monate | ca. 12 Monate |
Besonders aufschlussreich ist der Corona-Crash von 2020: Innerhalb weniger Wochen fiel der MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne.
Mehr erfahren → um über 30%. Wer in dieser Phase verkaufte, realisierte einen massiven Verlust. Wer blieb, hatte den Verlust nach wenigen Monaten vollständig aufgeholt. Wer nachgekauft hat, hat deutlich profitiert. Das Muster ist typisch für Bärenmärkte.
Wie lange dauert ein Bärenmarkt?
Die durchschnittliche Dauer eines Bärenmarkts liegt je nach Studie zwischen 9 und 14 Monaten. Zum Vergleich: Bullenmärkte — also Phasen steigender Kurse — dauern im Schnitt 3 bis 5 Jahre. Das heißt: Anleger verbringen die meiste Zeit in steigenden Märkten, nicht in fallenden.
Die Erholungszeit bis zum neuen Höchststand ist allerdings länger als viele denken. Nach der Dotcom-Blase dauerte es beim S&P 500 bis 2007, um die alten Höchststände wieder zu erreichen — also rund 5 Jahre. Beim MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne.
Mehr erfahren → war die Erholung in den meisten Fällen etwas schneller, weil er breiter diversifiziert ist und nicht so stark von einer einzelnen Branche abhängt.
Entscheidend ist: Wer einen Anlagehorizont von 20 oder 30 Jahren hat, dem sind die genauen Zeitpunkte von Bärenmärkten weitgehend egal. Auf Sicht von 20+ Jahren haben historisch alle globalen Aktienindizes positive Rendite erzielt — auch wenn dazwischen mehrere Bärenmärkte lagen.
Psychologische Fallen: Warum Anleger immer wieder falsch reagieren
Das größte Problem bei Bärenmärkten ist nicht der Markt selbst — es ist die menschliche Psychologie. Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, kurzfristig zu denken und Verluste stärker zu gewichten als Gewinne (Verlustaversion). Das war in der Evolution hilfreich. An der Börse ist es ein Fehler.
Die häufigsten psychologischen Fallen:
- Panikverkauf: Die Kurse fallen, die Angst steigt, du verkaufst — und realisierst damit den Verlust dauerhaft. Die anschließende Erholung profitiert dein Depot dann nicht mehr.
- Wiedereinstieg verpassen: Du wartest nach dem Verkauf, bis "sich die Lage beruhigt". Bis dahin sind die Kurse oft schon stark gestiegen. Du kaufst teurer wieder ein als du verkauft hast.
- Sparplan pausieren: Genau in Bärenmärkten kauft dein Sparplan günstig Anteile nach. Wer ihn pausiert, verpasst die günstigsten Einstiegskurse der kommenden Jahre.
- Markt-Timing: Der Versuch, den Tiefpunkt zu erwischen, scheitert statistisch gesehen fast immer. Die besten und schlechtesten Börsentage liegen dicht beieinander. Wer auch nur die 10 besten Handelstage eines Jahres verpasst, halbiert langfristig seine Rendite. Mehr dazu im Ratgeber Market Timing funktioniert nicht.
Was Anleger in einem Bärenmarkt tun sollten
Die Antwort ist kurz und für viele Menschen unbefriedigend, weil sie keine aktive Handlung verlangt: Nichts tun. Den Sparplan laufen lassen. Das Depot nicht täglich kontrollieren. Die Nachrichten reduzieren. Und wenn die finanzielle Lage es erlaubt: Sogar mehr investieren — denn in einem Bärenmarkt kaufst du günstig.
Konkret bedeutet das:
- Sparplan nicht pausieren: Ein laufender Sparplan kauft automatisch mehr Anteile, wenn die Kurse niedrig sind. Das ist der Cost-Average-Effekt — und er wirkt am stärksten in fallenden Märkten.
- Nicht verkaufen: Realisierte Verluste sind permanent. Nicht realisierte Verluste sind vorübergehend — wenn man den Markt nicht verlässt.
- Wenn möglich: nachkaufen: Wer noch nicht investiertes Kapital hat (z.B. aus dem Notgroschen-Überschuss), kann in einem Bärenmarkt einmalig mehr investieren. Das ist keine Spekulation, sondern rationales Handeln auf Basis historischer Muster.
- Rebalancing nicht vergessen: Wenn Aktien stark gefallen sind, kann dein Aktienanteil unter die gewünschte Allokation gesunken sein. Ein RebalancingWas ist Rebalancing?Regelmäßige Umschichtung der Anlagen, um die ursprüngliche Gewichtung wiederherzustellen. Im Altersvorsorgedepot steuerfrei möglich.
Mehr erfahren → — also das Wiederherstellen der ursprünglichen Verteilung — kauft automatisch nach. Im normalen Depot fällt dabei AbgeltungsteuerWas ist Abgeltungsteuer?Pauschale Steuer von 26,375% (inkl. Soli) auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Gilt für normale Depots, NICHT für das Altersvorsorgedepot in der Ansparphase.
Mehr erfahren → an. Im AltersvorsorgedepotWas ist Altersvorsorgedepot?Neues staatlich gefördertes ETF-Depot für die Altersvorsorge ab 2026/2027. Ersetzt die Riester-Rente. Mit Grundzulage (max. 540 EUR/Jahr), Sonderausgabenabzug (bis 1.800 EUR/Jahr) und Pfändungsschutz.
Mehr erfahren → ist RebalancingWas ist Rebalancing?Regelmäßige Umschichtung der Anlagen, um die ursprüngliche Gewichtung wiederherzustellen. Im Altersvorsorgedepot steuerfrei möglich.
Mehr erfahren → steuerfrei.
Warum Bärenmärkte langfristig Kaufgelegenheiten sind
Das klingt wie eine leere Beruhigungsformel — aber die historischen Daten stützen diese Aussage eindeutig. Jeder Bärenmarkt der vergangenen 100 Jahre endete mit einer Erholung, die die vorherigen Verluste vollständig egalisierte. Wer in den schlimmsten Monaten der Finanzkrise 2009 investiert hat, hat in den darauffolgenden 10 Jahren eine Rendite von über 300% auf diese Investition erzielt.
Der Grund ist simpel: Wenn Kurse fallen, kaufst du für denselben Betrag mehr Anteile. Wenn der Markt sich erholt — und historisch hat er das immer getan — profitierst du überproportional von diesen günstig erworbenen Anteilen. Der Sparplan macht das automatisch, ohne dass du irgendetwas entscheiden musst.
Studien zeigen: Anleger, die in Bärenmärkten ihren Sparplan nicht verändern, schneiden langfristig besser ab als solche, die versuchen, den Markt zu timen. Das gilt unabhängig von Intelligenz, Finanzkenntnissen oder Erfahrung. Der entscheidende Faktor ist emotionale Disziplin — die Fähigkeit, kurzfristige Schmerzen zu tolerieren, um langfristig zu profitieren.
Das Statistische Bundesamt und die Deutsche Bundesbank dokumentieren historische Wirtschafts- und Marktdaten. Eine verlässliche Übersicht historischer Börsenphasen bietet auch die Wikipedia-Seite zum Bärenmarkt.
Bärenmarkt und das Altersvorsorgedepot: 30+ Jahre Horizont
Wer heute 30 oder 40 Jahre alt ist und in einem AltersvorsorgedepotWas ist Altersvorsorgedepot?Neues staatlich gefördertes ETF-Depot für die Altersvorsorge ab 2026/2027. Ersetzt die Riester-Rente. Mit Grundzulage (max. 540 EUR/Jahr), Sonderausgabenabzug (bis 1.800 EUR/Jahr) und Pfändungsschutz.
Mehr erfahren → für die Rente spart, hat einen Anlagehorizont von 25 bis 35 Jahren. In diesem Zeitraum werden mit hoher Wahrscheinlichkeit 3 bis 5 weitere Bärenmärkte auftreten — manche kurz und heftig wie 2020, manche lang und zermürbend wie 2000 bis 2002.
Keiner dieser Bärenmärkte wird dein langfristiges Ergebnis zerstören — vorausgesetzt, du bleibst investiert. Die historische Rendite des MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne.
Mehr erfahren → von rund 7% pro Jahr berücksichtigt bereits alle vergangenen Bärenmärkte, Krisen und Crashs. Diese Rendite ist nicht trotz der Bärenmärkte entstanden — sie ist mitsamt der Bärenmärkte entstanden, weil Anleger für das Aushalten von Volatilität mit höheren Renditen vergütet werden.
Im AltersvorsorgedepotWas ist Altersvorsorgedepot?Neues staatlich gefördertes ETF-Depot für die Altersvorsorge ab 2026/2027. Ersetzt die Riester-Rente. Mit Grundzulage (max. 540 EUR/Jahr), Sonderausgabenabzug (bis 1.800 EUR/Jahr) und Pfändungsschutz.
Mehr erfahren → kommt ein weiterer Vorteil hinzu: Weil die Ansparphase komplett steuerfrei ist, entfällt auch der Anreiz zum "Verluste realisieren für steuerliche Vorteile" (Tax-Loss-Harvesting), der manchmal zu unüberlegtem Verkaufen verleitet. Du hast einen klaren, langen Horizont — und keinen steuerlichen Grund, in einem Bärenmarkt zu verkaufen. Die Strategie Buy and Hold entfaltet im AltersvorsorgedepotWas ist Altersvorsorgedepot?Neues staatlich gefördertes ETF-Depot für die Altersvorsorge ab 2026/2027. Ersetzt die Riester-Rente. Mit Grundzulage (max. 540 EUR/Jahr), Sonderausgabenabzug (bis 1.800 EUR/Jahr) und Pfändungsschutz.
Mehr erfahren → ihre volle Wirkung.
Was du konkret vorbereiten kannst
Du kannst dich auf Bärenmärkte vorbereiten — nicht indem du sie vorhersagst, sondern indem du dein Depot so aufbaust, dass du sie emotional und finanziell aushalten kannst:
- Notgroschen sichern: Wenn du Rücklagen für 3–6 Monate hast, bist du nicht gezwungen, in einem Bärenmarkt zu verkaufen, weil du das Geld brauchst.
- Risikoprofil realistisch wählen: Investiere nur so viel in Aktien, wie du mental aushalten kannst. Ein Depot, das du in der Krise verkaufst, hilft dir nicht.
- Regeln vorher festlegen: Entscheide jetzt, dass du in einem Bärenmarkt nicht verkaufst — und schreib es dir auf. Entscheidungen, die man im Voraus trifft, sind besser als solche, die man unter Stress trifft.
- Nachrichten reduzieren: Tägliche Marktberichte erhöhen die Nervosität, ohne deine langfristige Rendite zu verbessern. Kontrolliere dein Depot maximal einmal im Monat.
Wer die historischen Renditedaten kennen möchte, die belegen, warum Ausharren langfristig funktioniert, findet sie im Renditedreieck erklärt. Für risikoaverse Anleger, die nach Alternativen oder Ergänzungen zu Aktien suchen, ist Geld anlegen ohne Risiko ein sinnvoller nächster Schritt. Die übergeordneten Prinzipien für den Umgang mit Marktschwankungen fasst Goldene Regeln der Geldanlage zusammen.
Wie entwickelt sich dein Depot über Bärenmärkte hinweg?
Berechne, wie viel du mit einem Sparplan im AltersvorsorgedepotWas ist Altersvorsorgedepot?Neues staatlich gefördertes ETF-Depot für die Altersvorsorge ab 2026/2027. Ersetzt die Riester-Rente. Mit Grundzulage (max. 540 EUR/Jahr), Sonderausgabenabzug (bis 1.800 EUR/Jahr) und Pfändungsschutz.
Mehr erfahren → über 20, 25 oder 30 Jahre aufbaust — trotz und wegen der unvermeidlichen Kursrückgänge auf dem Weg dorthin.
Weiterführende Ratgeber
Was passiert bei einem Börsencrash?
Unterschied Crash vs. Bärenmarkt, und was das für dein Depot bedeutet.
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1929, 2000, 2008, 2020 — was passierte und wie lange dauerte die Erholung?
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Der neue staatlich geförderte Rahmen für langfristige Aktienanlage ab 2027.
Häufige Fragen
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge. Es ersetzt und verbessert die Riester-Rente: statt teueren Rentenversicherungen können günstige ETFs bespart werden. Förderung: Grundzulage 540 EUR/Jahr + Sonderausgabenabzug.
Was ist der Unterschied zum normalen ETF-Depot?
Normales Depot: keine staatliche Förderung, Abgeltungsteuer auf Gewinne sofort. Altersvorsorgedepot: staatliche Zulage, Steuerstundung in der Ansparphase (kein Zugriff des Fiskus), günstigere Besteuerung im Rentenalter. Dafür: Kapital erst ab Rentenalter verfügbar.
Wie eröffne ich ein Altersvorsorgedepot?
Schritt 1: Anbieter wählen (Trade Republic, ING, DKB etc.). Schritt 2: Depot online eröffnen (Legitimation per Video-Ident oder Post-Ident). Schritt 3: ETF-Sparplan einrichten. Schritt 4: Zulagenantrag beim BZSt stellen (meistens automatisch durch Anbieter).
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