Altersarmut bei Selbständigen — Zahlen, Ursachen, Auswege
Ein Drittel aller ehemals Selbständigen lebt mit einer Rente unter 700 EUR. Während Angestellte zumindest eine Basisabsicherung über die gesetzliche Rente haben, fallen Selbständige oft durch jedes Raster. Hier erfährst du, wie es so weit kommt — und was du dagegen tun kannst.
Key-Facts: Altersarmut bei Selbständigen
- Ex-Selbständige mit Rente unter 700 EUR 33 %
- Grundsicherung im Alter (2026) ca. 563 EUR + Miete
- Solo-Selbständige ohne Vorsorge über 50 %
- Durchschnittliches Solo-Netto ca. 1.200 EUR
- Gender Pension Gap 36,9 %
Was bedeutet Altersarmut konkret?
Altersarmut beginnt dort, wo die eigenen Einkünfte im Ruhestand nicht ausreichen, um den Lebensunterhalt zu decken. In Deutschland gilt als armutsgefährdet, wer weniger als 60 % des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Für Selbständige ohne gesetzliche Rente und ohne private Vorsorge bedeutet das: Grundsicherung beantragen, Vermögen aufbrauchen, Lebensstandard drastisch senken.
Besonders bitter: Die AbgeltungsteuerWas ist Abgeltungsteuer?Pauschale Steuer von 26,375% (inkl. Soli) auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Gilt für normale Depots, NICHT für das Altersvorsorgedepot in der Ansparphase.
Mehr erfahren → auf Kapitalerträge eines normalen Depots fällt auch in der Auszahlungsphase an. Beim AltersvorsorgedepotWas ist Altersvorsorgedepot?Neues staatlich gefördertes ETF-Depot für die Altersvorsorge ab 2026/2027. Ersetzt die Riester-Rente. Mit Grundzulage (max. 540 EUR/Jahr), Sonderausgabenabzug (bis 1.800 EUR/Jahr) und Pfändungsschutz.
Mehr erfahren → greift stattdessen die Nachgelagerte BesteuerungWas ist Nachgelagerte Besteuerung?Steuerprinzip bei der Altersvorsorge: In der Ansparphase steuerfrei, erst bei der Auszahlung im Ruhestand wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.
Mehr erfahren → — oft günstiger, weil der EinkommensteuersatzWas ist Einkommensteuersatz?Der persönliche Steuersatz auf dein Einkommen. Steigt progressiv von 14% bis 45%. Im Ruhestand typischerweise 15-30%, da das Einkommen niedriger ist als im Berufsleben.
Mehr erfahren → im Alter niedriger liegt.
Die Zahlen im Detail
| Gruppe | Rente unter 700 EUR | Ohne jede Vorsorge | Durchschnitts-Einkommen |
|---|---|---|---|
| Alle Selbständigen | 33 % | 26 % | stark variierend |
| Solo-Selbständige | ca. 40 % | über 50 % | ca. 1.200 EUR netto |
| Selbständige Frauen | ca. 45 % | ca. 55 % | ca. 1.400 EUR brutto |
| Selbständige Männer | ca. 25 % | ca. 20 % | ca. 2.300 EUR brutto |
| Angestellte (Vergleich) | ca. 15 % | 0 % (Pflichtversicherung) | gesetzl. Rente + ggf. bAV |
Ursachen der Altersarmut bei Selbständigen
Die Gründe sind vielschichtig. Viele Selbständige starten mit der Idee, dass ihr Geschäft die Altersvorsorge ist — und stehen am Ende mit leeren Händen da, weil das Geschäft nicht so lief wie geplant. Andere verdrängen das Thema über Jahrzehnte. Und wieder andere haben schlicht zu wenig Einkommen, um neben Krankenversicherung, Miete und Lebenshaltung noch etwas zurückzulegen.
Die häufigsten Ursachen im Überblick:
- Kein Zwang: Selbständige sind nicht PflichtversichertWas ist Pflichtversichert?Wer Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlt — die Grundvoraussetzung für die Förderung beim Altersvorsorgedepot.
Mehr erfahren → — wer nicht aktiv wird, sorgt nicht vor - Einkommensschwankungen: Schwankende Einnahmen machen regelmäßige Beiträge schwer
- Fehlinvestition ins Geschäft: Alles in die Firma stecken statt in die persönliche Vorsorge
- Unkenntnis: Viele wissen nicht, welche Optionen sie haben
- Teure Produkte: Klassische Versicherungen fressen Rendite durch hohe Kosten (TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten.
Mehr erfahren → bei ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →s dagegen oft unter 0,3 %)
Warum trifft es Selbständige härter als Angestellte?
Angestellte sind automatisch in der gesetzlichen Rentenversicherung. Selbständige nicht — es sei denn, sie sind über ein Versorgungswerk oder die KSK abgesichert. Das bedeutet: Kein Arbeitgeberzuschuss, keine automatischen Rentenpunkte, kein Grundrente-Anspruch ohne Eigeninitiative.
Achtung: Grundsicherung im Alter ist kein komfortables Auffangnetz. Sie deckt das absolute Minimum — und setzt voraus, dass du vorher dein gesamtes Vermögen aufgebraucht hast. Ein normales Depot wird dabei angerechnet. Ein Altersvorsorgedepot hingegen genießt Pfändungs- und Insolvenzschutz und wird nicht auf die Grundsicherung angerechnet.
Besonders gefährdete Gruppen
Selbständige Frauen stehen vor einem doppelten Problem: Der allgemeine Gender Pension Gap von 36,9 % wird durch fehlende gesetzliche Rentenansprüche noch verschärft. Durchschnittlich 1.400 EUR brutto bei Frauen gegenüber 2.300 EUR bei Männern — das ist eine Lücke, die sich über Jahrzehnte zu einer enormen Rentendifferenz aufbaut.
Gründer verschieben die Vorsorge oft auf „wenn das Geschäft läuft". Aber das Geschäft läuft bei vielen nie so gut, dass genug übrig bleibt. Und Scheinselbständige haben zusätzlich das Problem, dass ihr Status unklar ist und im Nachhinein Beiträge nachgefordert werden können.
Auswege: Was du heute tun kannst
Der wichtigste Schritt ist, überhaupt anzufangen. Das AltersvorsorgedepotWas ist Altersvorsorgedepot?Neues staatlich gefördertes ETF-Depot für die Altersvorsorge ab 2026/2027. Ersetzt die Riester-Rente. Mit Grundzulage (max. 540 EUR/Jahr), Sonderausgabenabzug (bis 1.800 EUR/Jahr) und Pfändungsschutz.
Mehr erfahren → bietet Selbständigen erstmals einen staatlich geförderten, flexiblen Weg in ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-basierte Altersvorsorge. Die GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
Mehr erfahren → von bis zu 540 EUR pro Jahr und der SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren → machen es auch bei kleinem Budget attraktiv.
Für GmbH-Geschäftsführer gibt es zusätzlich die Option der bAV-Pensionszusage. Und wer im Versorgungswerk ist, hat bereits eine Basis und kann mit dem Depot aufstocken. Nutze den Depot-Rechner, um deinen individuellen Plan zu berechnen.
Vorteile
- Altersvorsorgedepot schließt die Versorgungslücke
- Staatliche Förderung auch für Selbständige
- Pfändungsschutz — Grundsicherung rechnet Depot nicht an
- Flexible Beiträge bei schwankendem Einkommen
- Nachgelagerte BesteuerungWas ist Nachgelagerte Besteuerung?Steuerprinzip bei der Altersvorsorge: In der Ansparphase steuerfrei, erst bei der Auszahlung im Ruhestand wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.
Mehr erfahren → oft günstiger im Alter
Nachteile / Risiken
- Wer heute 60+ ist, hat nur wenige Jahre Ansparzeit
- Bei sehr geringem Einkommen bleibt kaum Spielraum
- Marktrisiko — ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Depots schwanken kurzfristig - FörderschädlichWas ist Förderschädlich?Wenn du das Geld vor dem Rentenalter entnimmst, musst du alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Die Kursgewinne darfst du behalten.
Mehr erfahren →e Entnahme kostet Zulagen zurück - Politische Rahmenbedingungen können sich ändern
Selbständige und das Altersvorsorgedepot
Der komplette Überblick zur Förderung für Selbständige.
Warum 50 % nichts tun
Die Gründe, warum so viele Selbständige nicht vorsorgen.
Selbständige Frauen
Der doppelte Gender Pension Gap bei Selbständigkeit.
Vorsorge in der Gründungsphase
So findest du die Balance zwischen Liquidität und Vorsorge.
Kommt die Pflichtversicherung?
Was die Politik für Selbständige plant.
Häufige Fragen
Warum sind Selbständige besonders von Altersarmut bedroht?
Drei strukturelle Ursachen: 1) Keine GRV-Pflicht (außer wenige Berufe): Kein automatischer Rentenaufbau. 2) Keine betriebliche Altersvorsorge (kein Arbeitgeber): bAV entfällt. 3) Unbeständiges Einkommen: In schlechten Jahren keine Vorsorge möglich — in guten Jahren wird Gewinn reinvestiert statt gespart. Statistik: Selbständige haben im Ruhestand im Schnitt 40 % weniger Vermögen als vergleichbare Angestellte (Studie DIW 2022). Das AVD löst Problem 1 nicht direkt (kein GRV-Anspruch) — aber kombiniert mit freiwilliger GRV oder Rürup ist es das Grundgerüst für Selbständige-Altersvorsorge.
Wie gefährdet die Selbständigkeit die spätere Rente konkret?
Rechenbeispiel: Angestellter und Selbständiger, beide 30 Jahre arbeitend, beide 45.000 EUR/Jahr verdienend. Angestellter: 30 × 1,0 GRV-Punkte = 30 Punkte = 1.128 EUR/Monat GRV. Selbständiger ohne GRV: 0 Punkte = 0 EUR GRV. Altersunterschied Grundsicherung 2040 (prognostiziert ca. 1.000 EUR/Monat): Selbständiger erhält Grundsicherung — bedarfsgeprüft, Vermögen wird angerechnet. Lösung: Selbständige brauchen entweder Rürup + freies Depot ODER freiwillige GRV + AVD. Beides parallel ist optimal.
Was ist der beste erste Schritt gegen Altersarmut für Selbständige?
Prioritäten-Reihenfolge: 1) Notgroschen (6 Monate Betriebskosten + 3 Monate persönliche Ausgaben): Das Business hat keine HR-Absicherung. 2) Krankenversicherung absichern (PKV oder GKV): Altersvorsorge ist sinnlos ohne Gesundheitsschutz. 3) Rürup-Rente: Steueroptimiert, auch bei variablem Einkommen flexibel einzahlbar (Mindest 0 EUR/Monat möglich). 4) Freies ETF-Depot: Für flexible Liquidität. 5) Freiwillige GRV (optional): Wenn AVD-Anspruch gewünscht oder GRV-Punkte sinnvoll. Das AVD direkt: nur sinnvoll wenn freiwillige GRV-Beiträge ohnehin gezahlt werden.
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