Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Anleihe = Kredit an Staat oder Unternehmen
- Ertrag Fester Zinscoupon + Rückzahlung zum Nennwert
- Typische Rendite (Staatsanleihen, EUR) 2–4 % p.a.
- Risiko Niedriger als Aktien, abhängig vom Rating
- Im Altersvorsorgedepot Sicherheitsbaustein im Lifecycle-ModellWas ist Lifecycle-Modell?Automatische Umschichtung: Je näher die Rente rückt, desto mehr wird von Aktien in sichere Anleihen umgeschichtet. Reduziert das Risiko vor der Auszahlung.
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Wie funktioniert eine Anleihe?
Eine Anleihe (auch: Bond, Schuldverschreibung, Rentenpapier) ist im Grunde ein Darlehen. Du gibst einem Herausgeber (Emittenten) Geld, und er verpflichtet sich:
1. Dir regelmäßig Zinsen zu zahlen (den sogenannten Coupon).
2. Dir am Ende der Laufzeit den Nennwert (meist 100 %) zurückzuzahlen.
Beispiel: Du kaufst eine 10-jährige Bundesanleihe mit 2,5 % Coupon und einem Nennwert von 1.000 EUR. Jedes Jahr erhältst du 25 EUR Zinsen. Nach 10 Jahren bekommst du deine 1.000 EUR zurück.
Arten von Anleihen
| Art | Herausgeber | Risiko | Typische Rendite |
|---|---|---|---|
| Staatsanleihen (AAA) | Deutschland, USA, Schweiz | Sehr niedrig | 2–3 % |
| Staatsanleihen (BBB–A) | Italien, Spanien, Portugal | Niedrig bis mittel | 3–4 % |
| Unternehmensanleihen (Investment Grade) | Große Konzerne (Siemens, BMW etc.) | Mittel | 3–5 % |
| Hochzinsanleihen (High Yield) | Kleinere/riskantere Unternehmen | Hoch | 5–8 % |
| Schwellenländer-Anleihen | Brasilien, Türkei, Südafrika etc. | Mittel bis hoch | 5–10 % |
Was bedeutet das Rating?
Rating-Agenturen wie Moody's, S&P und Fitch bewerten die Kreditwürdigkeit von Herausgebern. Auch die BaFin informiert über die Bedeutung von Ratings für Privatanleger. Die Skala reicht von AAA (höchste Qualität, geringstes Ausfallrisiko) bis D (Zahlungsausfall). Für das Altersvorsorgedepot sind in der Regel nur Anleihen mit Investment-Grade-Rating relevant — also BBB- oder besser.
Faustformel: Je besser das Rating, desto niedriger die Rendite — weil das Risiko geringer ist. Deutsche Bundesanleihen (AAA) bieten weniger Zinsen als griechische Staatsanleihen (BBB-), dafür ist das Ausfallrisiko nahe Null.
Anleihen vs. Aktien — der große Unterschied
| Merkmal | Aktien | Anleihen |
|---|---|---|
| Was du bist | Miteigentümer | Gläubiger (Kreditgeber) |
| Ertrag | Kursgewinn + Dividende (variabel) | Fester Zinscoupon |
| Risiko | Höher (Kursschwankungen) | Niedriger (bei gutem Rating) |
| Langfrist-Rendite | ca. 7–8 % p.a. | ca. 2–4 % p.a. |
| Bei Insolvenz | Totalverlust möglich | Vorrangige Bedienung vor Aktionären |
Kursrisiko bei Anleihen — warum steigen und fallen sie?
Auch Anleihen haben einen Kurs, der schwanken kann. Der wichtigste Einflussfaktor ist das allgemeine Zinsniveau:
Steigende Zinsen = fallende Anleihekurse. Wenn die EZB (Informationen zur Geldpolitik bietet die Deutsche Bundesbank) die Zinsen erhöht, werden neue Anleihen mit höherem Coupon ausgegeben. Ältere Anleihen mit niedrigerem Coupon verlieren an Attraktivität — ihr Kurs fällt.
Fallende Zinsen = steigende Anleihekurse. Umgekehrt werden alte Anleihen mit hohem Coupon wertvoller, wenn neue Anleihen weniger Zinsen bieten.
Wer eine Anleihe bis zum Laufzeitende hält, bekommt unabhängig vom Kurs den vollen Nennwert zurück. Das Kursrisiko betrifft nur den vorzeitigen Verkauf.
Anleihen-ETFs — die einfache Alternative
Statt einzelne Anleihen zu kaufen, kannst du in Anleihen-ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →s investieren. Diese bündeln hunderte Anleihen in einem einzigen Produkt — ähnlich wie ein Aktien-ETF viele Aktien bündelt. Typische Beispiele:
Euro Government Bond ETF: Staatsanleihen aus der Eurozone mit verschiedenen Laufzeiten.
Global Aggregate Bond ETF: Staats- und Unternehmensanleihen weltweit. Einen Vergleich aktüller Anleihen-ETFs findest du bei justETF.
Achtung: Anleihen-ETFs haben keinen festen Fälligkeitstermin wie einzelne Anleihen. Stattdessen werden auslaufende Anleihen ständig durch neue ersetzt. Das bedeutet: Bei steigenden Zinsen kann ein Anleihen-ETF längere Zeit Kursverluste verzeichnen, auch wenn die einzelnen Anleihen am Ende ihren Nennwert zurückzahlen würden.
Warum ist das für dein Altersvorsorgedepot relevant?
Im Altersvorsorgedepot spielen Anleihen eine zentrale Rolle als Sicherheitsbaustein. Das Lifecycle-ModellWas ist Lifecycle-Modell?Automatische Umschichtung: Je näher die Rente rückt, desto mehr wird von Aktien in sichere Anleihen umgeschichtet. Reduziert das Risiko vor der Auszahlung.
Mehr erfahren →, das als Standardoption vorgesehen ist, verschiebt dein Portfolio im Laufe der Zeit automatisch von Aktien-ETFs zu Anleihen-ETFs:
In jungen Jahren investierst du überwiegend in Aktien (hohe Renditechance). Je näher du dem Rentenalter kommst, desto höher wird der Anleihenanteil (mehr Stabilität). So werden Kursschwankungen kurz vor der Auszahlung abgefedert.
Im Altersvorsorgedepot sind Erträge aus Anleihen — genau wie bei Aktien — während der Ansparphase steuerfrei. Die Nachgelagerte BesteuerungWas ist Nachgelagerte Besteuerung?Steuerprinzip bei der Altersvorsorge: In der Ansparphase steuerfrei, erst bei der Auszahlung im Ruhestand wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.
Mehr erfahren → greift erst bei der Auszahlung.
Die Zinswende 2022 — eine Lektion für Anleihen-Anleger
Das Jahr 2022 zeigte eindrucksvoll, dass auch Anleihen keine risikofreie Anlage sind. Als die EZB und die US-Notenbank Fed die Zinsen in Rekordgeschwindigkeit erhöhten, verloren langfristige Anleihen-ETFs teils über 20 % an Wert — das schlimmste Anleihen-Jahr seit Jahrzehnten. Wer einen Global Aggregate Bond ETF im Depot hatte, sah plötzlich rote Zahlen. Der Grund: Die bestehenden niedrig verzinsten Anleihen wurden durch die neuen hochverzinsten unattraktiv. Langfristig gleicht sich das aus (neue Anleihen bringen höhere Zinsen), aber kurzfristig war es für viele Anleger ein Schock. Für das Altersvorsorgedepot bedeutet das: Anleihen stabilisieren, aber sie sind kein Sparbuch.
Wusstest du? Die älteste noch laufende Staatsanleihe der Welt wurde 1648 von der niederländischen Wasserbehörde Lekdijk Bovendams ausgegeben. Sie zahlt bis heute Zinsen — über 375 Jahre ununterbrochen. Das Original befindet sich im Archiv der Yale University und ist ein Beweis dafür, dass Anleihen tatsächlich sehr langfristige Instrumente sein können.
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