Das Wichtigste in Kürze
- Ab 1. Januar 2027 gibt es das neue Altersvorsorgedepot — ein staatlich gefördertes ETF-Depot mit bis zu 540 EUR Grundzulage pro Jahr.
- Neue Riester-Verträge sind ab 2027 nicht mehr möglich, bestehende können steuerfrei ins neue System übertragen werden.
- Selbständige und Freiberufler sind erstmals förderberechtigt — rund 4 Millionen Menschen erhalten Zugang zur geförderten Vorsorge.
- Das staatliche Standarddepot bietet eine günstige Default-Option mit ca. 0,2 % Kosten und automatischem Lifecycle-Modell.
Die wichtigsten Neuerungen ab 2027
- Neues Produkt Altersvorsorgedepot
- GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
Mehr erfahren → 540 EUR/Jahr (statt 175 EUR) - Förderfähiger Höchstbetrag 1.800 EUR/Jahr (statt 2.100 EUR)
- Neue Riester-Verträge nicht mehr möglich
- Selbständige erstmals förderberechtigt
- Staatliches Standarddepot ab Start verfügbar
Der Zeitplan: Wie kam es zur Altersvorsorge-Reform?
Die Altersvorsorge-Reform hat einen langen Weg hinter sich. Was als Expertendiskussion begann, ist heute geltendes Recht -- verabschiedet vom Deutschen Bundestag und betrifft Millionen Menschen in Deutschland. Das Bundesfinanzministerium hat den Gesetzentwurf federführend erarbeitet:
| Datum | Meilenstein |
|---|---|
| 2022 | Fokusgruppe Altersvorsorge nimmt Arbeit auf |
| Juli 2023 | Abschlussbericht der Fokusgruppe mit Empfehlungen |
| 2024 | Gesetzentwurf scheitert an Ampel-Koalitionsbruch |
| 2025 | Neuauflage des Gesetzentwurfs durch neue Bundesregierung |
| 27. März 2026 | Bundestag beschließt Altersvorsorgereformgesetz |
| Voraussichtlich April/Mai 2026 | Zustimmung des Bundesrats |
| 1. Januar 2027 | Inkrafttreten — neue Produkte verfügbar |
Der lange Weg zeigt: Die Reform ist keine Schnellschuss-Entscheidung. Über vier Jahre Expertendiskussionen, ein gescheiterter Versuch und ein Regierungswechsel liegen dahinter. Wer die Grundlagen der Aktienrente verstehen will, sollte dort einsteigen.
Die 8 zentralen Änderungen ab 2027 im Detail
1. Das neue Altersvorsorgedepot kommt
Kernstück der Reform: Ein neues, staatlich gefördertes Wertpapierdepot. Du investierst in ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →s, Fonds oder Anleihen — gefördert durch Zulagen und SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren →. In der Ansparphase fällt keine AbgeltungsteuerWas ist Abgeltungsteuer?Pauschale Steuer von 26,375% (inkl. Soli) auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Gilt für normale Depots, NICHT für das Altersvorsorgedepot in der Ansparphase.
Mehr erfahren → auf Kursgewinne und Dividenden an.
Patrick (29, Softwareentwickler, 62.000 EUR brutto) sagt dazu: "Endlich ein Vorsorgeprodukt, das sich anfühlt wie ein normales Depot — nur mit Steuervorteilen obendrauf." Patrick plant, ab Januar 2027 den Höchstbetrag von 1.800 EUR einzuzahlen und die Variante ohne Garantie zu wählen. Bei 38 Jahren bis zur Rente und 6 % Rendite ergibt das rechnerisch rund 380.000 EUR Endkapital. Die detaillierten Rechenbeispiele zeigen weitere Profile.
2. Dreifache Grundzulage für alle Sparer
Die GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
Mehr erfahren → steigt von 175 EUR auf 540 EUR pro Jahr. Die KinderzulageWas ist Kinderzulage?Zusätzliche staatliche Zulage von bis zu 300 EUR pro kindergeldberechtigtem Kind pro Jahr. Wird als 1:1-Matching des Eigenbeitrags gewährt.
Mehr erfahren → bleibt bei 300 EUR pro Kind. Eine Familie mit zwei Kindern kann damit bis zu 1.140 EUR Zulagen pro Jahr erhalten — ohne einen Cent Steuervorteil mitgerechnet.
3. Foerderbetrag: 1.800 EUR mit neuem Zulagenmodell
Der foerderfaehige Hoechstbetrag liegt bei 1.800 EUR pro Jahr. Obwohl das nominell weniger ist als die alten 2.100 EUR bei Riester, wird das durch die deutlich hoehere Grundzulage (540 statt 175 EUR) und niedrigere Produktkosten mehr als ausgeglichen. Die 1.800 EUR koennen vollstaendig als SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren → geltend gemacht werden. Das Finanzamt prueft per Guenstigerpruefung, ob Zulagen oder Steuerabzug vorteilhafter sind.
4. Garantie wird frei wählbar
Die 100-%-Beitragsgarantie-Pflicht der Riester-RenteWas ist Riester-Rente?Staatlich geförderte Altersvorsorge seit 2002. Gescheitert wegen zu hoher Kosten, Garantiepflicht und niedriger Rendite. Wird ab 2027 durch das Altersvorsorgedepot ersetzt.
Mehr erfahren → fällt weg. Stattdessen wählst du zwischen drei Varianten:
- Ohne Garantie: Maximale Renditechance, empfohlen bei 15+ Jahren bis Rente
- 80 % Garantie: Mittlerer Schutz bei etwas geringerer Rendite
- 100 % Garantie: Voller Schutz, aber niedrigste Renditeerwartung
Die Finanzexperten empfehlen bei langem Anlagezeitraum die Variante ohne Garantie — der MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne.
Mehr erfahren → hat über 15+ Jahre historisch nie Verlust gemacht.
5. Selbständige werden erstmals förderberechtigt
Rund 4 Millionen Selbständige und Freiberufler erhalten erstmals Zugang zur geförderten Altersvorsorge — mit denselben Zulagen und Steuervorteilen wie Angestellte. Bisher mussten sie auf teurere Alternativen wie Rürup ausweichen.
Für Elena (36, selbständige Physiotherapeutin, 55.000 EUR Gewinn) ändert sich alles: Statt 0 EUR Zulagen bekommt sie ab 2027 die volle Grundzulage von 540 EUR. Plus SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren → von 1.800 EUR bei einem GrenzsteuersatzWas ist Grenzsteuersatz?Der Steuersatz, der auf den letzten verdienten Euro anfällt. Liegt je nach Einkommen zwischen 14% und 45%. Entscheidend für die Berechnung der Steuerersparnis.
Mehr erfahren → von 38 % — das sind zusaetzlich rund 684 EUR Steuerersparnis pro Jahr.
6. Das staatliche Standarddepot als Referenzprodukt
Ein öffentlich-rechtlich verwaltetes Depot, das automatisch in global gestreute ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →s investiert. Mit einem Lifecycle-ModellWas ist Lifecycle-Modell?Automatische Umschichtung: Je näher die Rente rückt, desto mehr wird von Aktien in sichere Anleihen umgeschichtet. Reduziert das Risiko vor der Auszahlung.
Mehr erfahren →, das den Aktienanteil altersabhängig steuert. Kosten: ca. 0,2 % p.a. Das Standarddepot ist die Antwort auf die Frage "Welches Produkt soll ich nehmen?" — besonders für Einsteiger.
7. Flexible Auszahlung statt Verrentungspflicht
Statt der Riester-Pflicht zur Verrentung ab 85 kannst du wählen:
- Auszahlungsplan (monatliche Entnahme aus dem Depot)
- Klassische lebenslange Rente
- Teilkapitalauszahlung bei Rentenbeginn
Die Nachgelagerte BesteuerungWas ist Nachgelagerte Besteuerung?Steuerprinzip bei der Altersvorsorge: In der Ansparphase steuerfrei, erst bei der Auszahlung im Ruhestand wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.
Mehr erfahren → bleibt: Auszahlungen werden mit dem persönlichen EinkommensteuersatzWas ist Einkommensteuersatz?Der persönliche Steuersatz auf dein Einkommen. Steigt progressiv von 14% bis 45%. Im Ruhestand typischerweise 15-30%, da das Einkommen niedriger ist als im Berufsleben.
Mehr erfahren → im Alter versteuert.
8. Keine neuen Riester-Verträge mehr ab 2027
Ab dem 1. Januar 2027 können keine neuen Riester-RenteWas ist Riester-Rente?Staatlich geförderte Altersvorsorge seit 2002. Gescheitert wegen zu hoher Kosten, Garantiepflicht und niedriger Rendite. Wird ab 2027 durch das Altersvorsorgedepot ersetzt.
Mehr erfahren →-Verträge mehr abgeschlossen werden. Bestehende Verträge laufen weiter, profitieren aber von den neuen, höheren Zulagen. Alternativ können sie steuerfrei in ein Altersvorsorgedepot übertragen werden. Alle Optionen unter Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?
Zeitlich planen: Die ersten zertifizierten Anbieter werden voraussichtlich im Herbst 2026 ihre Produkte vorstellen. Ab dem 1. Januar 2027 kannst du dann ein Depot eröffnen. Wer vorbereitet sein will, kann sich schon jetzt über die ETF-Auswahl und die Kostenstruktur informieren.
Was musst du jetzt für 2027 vorbereiten?
- Bestehenden Riester-Vertrag prüfen Wie hoch sind die Kosten? Wie hoch ist das Guthaben? Entscheiden, ob Weitersparen, Umschichten oder Ruhen lassen sinnvoll ist. Der Vergleich Aktienrente vs. Riester hilft bei der Einschätzung.
- Förderberechtigung klären Bist du PflichtversichertWas ist Pflichtversichert?Wer Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlt — die Grundvoraussetzung für die Förderung beim Altersvorsorgedepot.
Mehr erfahren →, selbständig, verbeamtet? Die Förderberechtigung bestimmt deine Zulagenhöhe. Details unter Wer ist förderberechtigt? - Budget festlegen Wie viel kannst du monatlich einzahlen? Für die maximale Förderung brauchst du 1.800 EUR/Jahr (150 EUR/Monat).
- Anbieter vergleichen Ab Herbst 2026 werden die ersten Anbieter ihre Konditionen veröffentlichen. Unser Vergleich unter Wo kann ich die Aktienrente eröffnen? hilft dir bei der Auswahl.
- Anlage AVWas ist Anlage AV?Das Formular in der Steuererklärung für die Altersvorsorge. Hier trägst du deine Beiträge zum Altersvorsorgedepot ein. Wird größtenteils vom Anbieter vorausgefüllt.
Mehr erfahren → vorbereiten Ab der Steuererklärung für 2027 gibt es die neue Anlage AV. Den SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren → nicht vergessen.
Mehr erfahren → kündigt, muss alle Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Warte auf die steuerfreie Übertragungsoption ab 2027. Details unter Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?
Gewinner und Verlierer der Reform
Nicht jeder profitiert gleich stark von den Änderungen ab 2027. Eine Einordnung:
| Gruppe | Auswirkung | Warum? |
|---|---|---|
| Familien mit Kindern | Großer Gewinner | Höhere Zulagen, Kinderzulage unverändert, Förderquote steigt deutlich |
| Selbständige | Großer Gewinner | Erstmals förderberechtigt, voller Zugang zu Zulagen und Steuervorteilen |
| Berufseinsteiger (unter 25) | Großer Gewinner | Berufseinsteigerbonus, maximaler Zinseszinseffekt, günstige ETFs |
| Gutverdiener | Gewinner | Hoehere Grundzulage (540 statt 175 EUR), niedrigere Produktkosten, ETF-basiert |
| Bestehende Riester-Sparer | Gewinner | Höhere Zulagen auch im Altvertrag, steuerfreie Wechseloption |
| Versicherungsbranche | Verlierer | Weniger Provisionen, Kostendeckel, Verlust des Riester-Geschäfts |
| Aktive Fondsmanager | Verlierer | ETFs und Standarddepot als günstige Alternative dominieren |
Häufige Fragen zu den Änderungen ab 2027
Muss ich bis 2027 warten oder kann ich schon vorher etwas tun?
Das Altersvorsorgedepot gibt es erst ab Januar 2027. Bis dahin kannst du dich vorbereiten: Riester-Vertrag prüfen, Budget festlegen, Wissen aufbauen. Ein normales ETF-Depot (ohne Förderung) kannst du natürlich jederzeit eröffnen — das ersetzt die Aktienrente aber nicht, weil es keine Zulagen und keinen Sonderausgabenabzug gibt.
Kann die Reform noch gekippt werden?
Das Gesetz wurde am 27. März 2026 vom Bundestag beschlossen. Die Zustimmung des Bundesrats steht noch aus (erwartet April/Mai 2026). Eine Blockade wäre politisch sehr unwahrscheinlich, da die Reform breite parteiübergreifende Unterstützung hat. Selbst die Opposition hat nur Details kritisiert, nicht das Grundkonzept.
Was passiert, wenn ich 2027 nichts tue?
Dann ändert sich für dich nichts. Ein bestehendes Riester-Vertrag läuft weiter (mit den neuen, höheren Zulagen). Wer keinen Vertrag hat, verpasst die Förderung — aber es gibt keinen Zwang. Die Aktienrente ist freiwillig. Allerdings: Je früher du startest, desto mehr profitiert dein Depot vom Zinseszinseffekt.
Gibt es eine Übergangsfrist oder starten alle gleichzeitig?
Der Start ist der 1. Januar 2027 für alle. Es gibt keine gestaffelte Einführung. Bestehende Riester-Verträge können ab diesem Datum steuerfrei übertragen werden. Neue Altersvorsorgedepots können eröffnet werden. Die Anbieter werden ihre Produkte voraussichtlich ab Herbst 2026 vorstellen.
Weiterführende Ratgeber zur Reform 2027
Was ist die Aktienrente?
Der komplette Einstieg in das neue System.
Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?
Alle Optionen für bestehende Verträge.
Was ist das Standarddepot?
Das staatliche Referenzprodukt erklärt.
Berufseinsteigerbonus — 200 EUR geschenkt
200 EUR geschenkt für alle unter 25 — alle Details.
Aktienrente Checkliste 2027
Schritt für Schritt vorbereitet ins neue Jahr starten.
Wie hoch ist die Förderung?
Zulagen und Steuerersparnis im Detail berechnet.
Aktienrente vs. Riester im Vergleich
Die 10 größten Unterschiede auf einen Blick.