Zum Inhalt springen
×

Ab 2027 gibt es staatlich geförderte ETF-Depots zur Altersvorsorge — die Aktienrente. Hier erfährst du alles dazu.

Depot-Vergleich
Scalable, DKB, Trade Republic & mehr
Was ist das? Einfach erklärt Rechner Was bekomme ich? Förderungs-Check Bin ich dabei? Anbieter Wer bietet es an? Demo-Depot Virtuell investieren Muster-Depot ETF-Empfehlungen
Kostenlos anmelden
Sprache:
4-Prozent-Regel — sichere Entnahme aus dem ETF-Depot im Ruhestand

Key Facts: 4-Prozent-Regel

  • Herkunft: William Bengen (1994) + Trinity-Studie (1998), basierend auf US-Daten 1926–1995
  • Regel: Jährlich 4% des Startdepots entnehmen, danach inflationsbereinigt anpassen
  • Erfolgsrate: 95%+ in 30-jährigen historischen Szenarien (Aktien + Anleihen, USA)
  • Für Deutschland: Eher 3,3–3,5% empfohlen (internationale Studien seit 2020)
  • x25-Formel: Jahresbedarf × 25 = benötigtes Startkapital

Was besagt die 4-Prozent-Regel?

Im Jahr 1994 untersuchte der Finanzplaner William Bengen erstmals systematisch, wie viel ein Rentner aus seinem Depot entnehmen kann, ohne es in 30 Jahren aufzubrauchen. Sein Ergebnis: Bei einem Portfolio aus Aktien und Anleihen war eine jährliche Entnahme von 4% des Startkapitals in historisch fast allen Szenarien nachhaltig.

Die Regel funktioniert so: Im ersten Jahr nimmst du exakt 4% heraus. In den Folgejahren passt du den absoluten Betrag um die Inflation an — du berechnest die 4% nicht jedes Jahr neu vom aktuellen Depotwert. Das ist der entscheidende Punkt: Du entnimmst weniger, wenn der Markt fällt, und lässt mehr im Depot stehen, wenn er steigt.

Startdepot4% jährlichMonatlichHaltbarkeit (historisch)
200.000 EUR8.000 EUR667 EUR30 Jahre: ~95% Erfolg
300.000 EUR12.000 EUR1.000 EUR30 Jahre: ~95% Erfolg
500.000 EUR20.000 EUR1.667 EUR30 Jahre: ~95% Erfolg
750.000 EUR30.000 EUR2.500 EUR30 Jahre: ~95% Erfolg
1.000.000 EUR40.000 EUR3.333 EUR30 Jahre: ~95% Erfolg

Die Trinity-Studie — Was die Forschung zeigt

1998 veröffentlichten drei Professoren der Trinity University die nach ihr benannte Studie. Sie testeten verschiedene Portfolio-Zusammensetzungen (100% Aktien, 75/25, 50/50, 25/75 Aktien/Anleihen) über alle rollierenden 30-Jahres-Zeiträume von 1926 bis 1995.

Zentrale Ergebnisse:

  • Bei 4% Entnahmerate und mind. 50% Aktienanteil: Erfolgsrate von 95–100% über alle getesteten Perioden
  • Bei 5% Entnahmerate: Erfolgsrate fällt auf 80% — in 1 von 5 Fällen war das Geld nach 30 Jahren weg
  • Reine Anleihen-Portfolios schnitten schlechter ab als Aktien-Portfolios — trotz geringerer Schwankungen
  • Nur der Start direkt vor der Weltwirtschaftskrise 1929 stellte die 4%-Regel vor ernsthafte Probleme
Rentnerpaar plant Entnahme aus dem Altersvorsorgedepot — 4-Prozent-Regel

Die x25-Formel: Wie viel Depot brauchst du?

Die 4%-Regel lässt sich umdrehen: Wenn du 4% entnehmen kannst, brauchst du das 25-fache deines jährlichen Entnahmebedarfs als Startkapital. Das ist die "x25-Formel", die besonders in der FIRE-Bewegung beliebt ist.

x25-Formel: Jahresbedarf aus dem Depot × 25 = benötigtes Startkapital
Beispiel: Du brauchst 1.500 EUR/Monat aus dem Depot → 18.000 EUR/Jahr × 25 = 450.000 EUR

Hast du eine gesetzliche Rente als Basis, verringert sich der nötige Depot-Anteil entsprechend (mehr dazu weiter unten).

Das größte Risiko: Sequence of Returns

Das gefährlichste Szenario für die 4%-Regel ist ein massiver Markteinbruch in den ersten 5–10 Jahren der Entnahme. Warum ist der Zeitpunkt so wichtig?

Konkretes Beispiel: Anna geht 2000 mit 500.000 EUR in Rente und entnimmt jährlich 20.000 EUR (4%). Der Dotcom-Crash halbiert ihr Depot fast, die Finanzkrise 2008 trifft sie erneut — und gleichzeitig verkauft sie jedes Jahr Anteile. Ihr Depot schrumpft nicht nur durch Kursverluste, sondern auch durch die Entnahmen. Die spätere Erholung ab 2009 wirkt auf eine viel kleinere Basis.

Peter hingegen geht 2003 mit denselben 500.000 EUR in Rente — direkt nach dem Tiefpunkt. Er profitiert von der Erholung und hat nach 30 Jahren noch mehr Kapital als zu Beginn.

Schutzstrategien gegen Sequence Risk:

  • 2–3-Jahres-Puffer: Halte 40.000–60.000 EUR auf Tagesgeld — in Crashphasen lebst du davon, ohne Aktien zu verkaufen
  • Flexible Entnahme: In Jahren mit >20% Kursrückgang nur 2–3% entnehmen, aus dem Puffer ergänzen
  • Bucket-Strategie: Drei Töpfe (Sicher / Mittel / Wachstum) für verschiedene Zeithorizonte — ausführlich erklärt in Bucket-Strategie für die Rente
Wichtig: Wer in den ersten Jahren der Entnahme einen Crash erlebt und starr 4% entnimmt, kann das Depot langfristig gefährden. Flexibilität ist der beste Schutz.

Gilt die 4-Prozent-Regel für Deutschland? (3,5%-Empfehlung)

Die Trinity-Studie basiert auf US-Marktdaten — und der US-Aktienmarkt hatte historisch überdurchschnittliche Renditen. Neuere internationale Studien zeigen:

  • Morningstar-Studie 2021: Für globale Portfolios empfiehlt sich 3,3–3,5% als "sicherer" Wert für 30 Jahre
  • Bei 40+ Jahren Planungshorizont (früher Renteneintritt, hohes Alter): Eher 3,0–3,5%
  • Wer flexible Entnahmen praktiziert (in schlechten Jahren weniger), kann auch mit 4% gut arbeiten
  • Steuern nicht vergessen: Im deutschen Altersvorsorgedepot wird die Entnahme mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert — das senkt die effektive Entnahme

Mehr zur vollständigen Entnahmephase im Depot — inklusive Auszahlungsplan, Bucket-Strategie und Steuern.

Flexible Entnahme: Die "Guardrails"-Methode

Statt starr 4% zu entnehmen, reagierst du auf Marktentwicklungen:

MarktlageEntnahmeBegründung
Normales Jahr (±10%)4,0 % des StartwertesBasisplan
Gutes Jahr (+20% oder mehr)4,5–5,0 %Puffer aufbauen, mehr genießen
Schlechtes Jahr (−20% oder mehr)2,5–3,0 %Aus Tagesgeld-Puffer ergänzen
Crash-Jahr (−40% oder mehr)Nur aus Puffer lebenKeine Aktien verkaufen

Diese Methode erhöht die historische Erfolgsrate deutlich und ermöglicht im Durchschnitt sogar höhere Lebensstandards als die starre 4%-Regel.

4%-Regel kombiniert mit gesetzlicher Rente

Die meisten deutschen Anleger haben eine gesetzliche Rente als Basis. Das verändert die Rechnung erheblich — und macht das benötigte Depotvermögen deutlich erreichbarer:

Rechenbeispiel Klaus (67 Jahre):
Monatlicher Bedarf: 2.200 EUR
Gesetzliche Rente: 1.400 EUR
Bedarf aus dem Depot: 800 EUR/Monat = 9.600 EUR/Jahr
Benötigtes Depot (x25): 240.000 EUR — kein Millionenvermögen nötig

Wer frühzeitig mit dem Berechnen der Rentenlücke beginnt, kann gezielt auf das nötige Depotvermögen sparen — im Depot-Rechner sofort berechnen.

Wie viel Depot brauchst du für deine Rente?

Gib deine Sparrate ein und sieh, welches Kapital du in 20, 30 oder 40 Jahren erreichst — mit staatlicher Förderung und Zinseszins.

Jetzt berechnen

Entnahmephase erklärt

Auszahlungsplan, Bucket-Strategie und Steuern bei der Depot-Entnahme im Detail.

Weiterlesen

Bucket-Strategie

Drei Töpfe für die Rente: sicher, mittel, Wachstum — so schützt du dich vor Crashs.

Weiterlesen

Rentenlücke berechnen

Wie viel fehlt zwischen gesetzlicher Rente und deinem Bedarf — und wie du sie schließt.

Weiterlesen

FIRE-Bewegung

Wie Menschen mit 40 oder 50 in Rente gehen — und was die x25-Formel damit zu tun hat.

Weiterlesen

Depot-Strategie nach Alter

Wie du dein Portfolio in der Entnahmephase schrittweise umschichtest.

Weiterlesen

Crashs und Depot-Strategie

Was du in Wirtschaftskrisen tun solltest — und was auf keinen Fall.

Weiterlesen

Häufige Fragen zur 4-Prozent-Regel

Was ist die 4-Prozent-Regel einfach erklärt?

Du nimmst jährlich 4% deines Startdepots heraus — und passt diesen Betrag jedes Jahr nur an die Inflation an, nicht neu an den aktuellen Depotwert. Bei 500.000 EUR Startdepot = 20.000 EUR/Jahr = 1.667 EUR/Monat. Die Trinity-Studie (1998) hat gezeigt: Dieses Schema hielt in über 95% aller historischen 30-Jahres-Szenarien, ohne dass das Depot auf null fiel.

Gilt die 4-Prozent-Regel auch für Deutschland?

Eingeschränkt. Die Trinity-Studie basiert auf US-Marktdaten, die historisch überdurchschnittlich gut waren. Neuere Studien (Morningstar 2021, Kitces Research) empfehlen für europäische Anleger mit globalem Portfolio eher 3,3–3,5% als sicheren Wert. Wer 40+ Jahre plant statt 30, sollte ebenfalls auf 3,5% gehen. Wer flexibel in schlechten Jahren weniger entnimmt, kann bei 4% bleiben.

Was ist das Sequence-of-Returns-Risiko?

Das größte Risiko der 4%-Regel: Ein schwerer Börsencrash in den ersten 5–10 Jahren der Entnahme. Wer 2000 mit 500.000 EUR in Rente gegangen ist und jährlich 20.000 EUR entnommen hat, musste die Dotcom-Krise (-40%) und Finanzkrise 2008 (-50%) mit schrumpfender Basis durchstehen. Strategie dagegen: 2–3 Jahresausgaben in Tagesgeld als Puffer halten, sodass du in Crashphasen keine Aktien verkaufen musst.

Wie viel Depot brauche ich für die 4-Prozent-Regel?

Formel: Jahresbedarf aus dem Depot × 25 = benötigtes Startkapital (das ist das Inverse der 4%-Regel). Brauchst du 1.000 EUR/Monat (12.000 EUR/Jahr) aus dem Depot, brauchst du 300.000 EUR. Bei 2.000 EUR/Monat sind es 600.000 EUR. Hast du eine gesetzliche Rente von 1.400 EUR und brauchst 2.200 EUR, reichen nur 800 EUR × 12 × 25 = 240.000 EUR Depot.

Mehr zum Thema

Die 4-Prozent-Regel

Die 4-Prozent-Regel erklärt: Trinity Study, 25x-Formel, Sequence-of-Returns-Risk, Anpassung für Deutschland und dynamische Entnahmestrategien im Überblick.

Generationenkapital

Generationenkapital erklärt: Wie der deutsche Staatsfonds funktioniert, warum er nicht das.

Liquidität im Ruhestand

Im Ruhestand zählt nicht nur das Depot-Volumen. Wie viel Liquidität man parallel hält, wie die.

Wie groß muss mein Depot sein?

Wie viel Kapital brauche ich für die Rente? 4-Prozent-Regel, Kapitalverzehr vs. ewige Rente, und realistische Zielgrößen für verschiedene Rentenlücken.

Das könnte dich auch interessieren

Was ist das Altersvorsorgedepot? 3-Säulen-Modell der Altersvorsorge Wie viel sollte ich einzahlen? Altersvorsorgedepot-Rechner

Kostenloser Rechner:
Endkapital berechnen

Jetzt berechnen