Key-Facts: Sozialversicherung für Selbständige
- Krankenversicherung Pflicht (GKV oder PKV)
- Pflegeversicherung Pflicht (gekoppelt an KV)
- Rentenversicherung Nur bestimmte Gruppen pflichtversichert
- Unfallversicherung Freiwillig (Ausnahme: bestimmte Branchen)
- Arbeitslosenversicherung Freiwillig (Antragspflichtversicherung)
- Altersvorsorgedepot Freiwillig, staatlich gefördert (ab 2027)
Krankenversicherung: GKV oder PKV
Jeder Selbständige in Deutschland muss krankenversichert sein. Du hast die Wahl zwischen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) als freiwilliges Mitglied und der privaten Krankenversicherung (PKV). Die Entscheidung hat weitreichende Folgen — auch für deine Rente.
| Kriterium | GKV (freiwillig) | PKV |
|---|---|---|
| Beitragsberechnung | Einkommensabhängig (14,6 % + Zusatz) | Risikoabhängig (Alter, Gesundheit) |
| Mindestbeitrag (2026) | ca. 210 € / Monat | ab ca. 300 € / Monat (jung, gesund) |
| Höchstbeitrag (2026) | ca. 950 € / Monat | unbegrenzt (steigt mit Alter) |
| Familienversicherung | Ja (Ehepartner + Kinder kostenlos) | Nein (jeder einzeln versichert) |
| KVdR im Alter | Ja (günstige Beiträge auf Rente) | Nein (PKV-Beitrag bleibt) |
| Beiträge auf Depot-Auszahlung | Ja (voller KV-Beitrag) | Nein (Beitrag einkommensunabhängig) |
Detaillierte Informationen zu den Auswirkungen auf deine Rente findest du im Ratgeber Krankenversicherung und Rente.
Pflegeversicherung: Automatisch gekoppelt
Die Pflegeversicherung ist an die Krankenversicherung gekoppelt. Bist du in der GKV, zahlst du den Pflegebeitrag dort. Bist du in der PKV, musst du eine private Pflegepflichtversicherung abschließen. Der Beitragssatz liegt 2026 bei 3,4 % (mit Kindern) bzw. 4,0 % (kinderlos).
Rentenversicherung: Wer ist pflichtversichert?
Die meisten Selbständigen sind nicht rentenversicherungspflichtig. Es gibt jedoch wichtige Ausnahmen:
PflichtversichertWas ist Pflichtversichert?Wer Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlt — die Grundvoraussetzung für die Förderung beim Altersvorsorgedepot.
Mehr erfahren → sind:
- Handwerker mit zulassungspflichtigem Gewerk (18 Jahre)
- Selbständige Pflegekräfte in der ambulanten Pflege
- Künstler und Publizisten (über KSK)
- Hebammen und Entbindungspfleger
- Lehrer und Erzieher (unter bestimmten Bedingungen)
- Küstenschiffer und Küstenfischer
- Landwirte (über LAK, eigenes System)
- Arbeitnehmerähnliche Selbständige (nur 1 Auftraggeber, keine Mitarbeiter)
Nicht pflichtversichert sind u.a.: Gastronomen, Einzelhändler, Spediteure, Bauunternehmer (GmbH-GF), IT-Freelancer, Berater, Coaches und die meisten freien Berufe.
Wichtig für die Förderung: Die Förderberechtigung für das Altersvorsorgedepot hängt davon ab, ob du pflichtversichert bist. Nicht-pflichtversicherte Selbständige können jedoch durch freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung die Förderberechtigung erlangen. Prüfe deinen Status genau.
Unfallversicherung: Freiwillig, aber sinnvoll
Die gesetzliche Unfallversicherung ist für die meisten Selbständigen freiwillig. Du kannst dich über die zuständige Berufsgenossenschaft versichern. Die Beiträge richten sich nach Branche und Versicherungssumme.
Besonders sinnvoll ist die Unfallversicherung in Branchen mit hohem körperlichem Risiko: Bau, Handwerk, Landwirtschaft. Ein schwerer Arbeitsunfall kann ohne Absicherung existenzbedrohend sein.
Arbeitslosenversicherung: Die unterschätzte Option
Selbständige können sich innerhalb der ersten 3 Monate nach Gründung freiwillig in der Arbeitslosenversicherung (Antragspflichtversicherung) versichern. Der Beitrag ist überschaubar (2026: ca. 90 € / Monat), und im Fall einer Geschäftsaufgabe erhältst du ALG I.
Achtung Frist: Du musst den Antrag innerhalb von 3 Monaten nach Aufnahme der selbständigen Tätigkeit stellen. Verpasst du die Frist, ist der Zug abgefahren — du kannst dich nicht nachträglich versichern.
Das Altersvorsorgedepot im Sozialversicherungs-Kontext
Das Altersvorsorgedepot ab 2027 ist kein Sozialversicherungszweig, sondern ein staatlich gefördertes Sparprodukt. Es ersetzt keine Pflichtversicherung, ergänzt sie aber ideal. Investiert in ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →s mit niedriger TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten.
Mehr erfahren → — zum Beispiel den MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne.
Mehr erfahren → — baust du dir ein Vermögen auf, das dir im Alter maximale Flexibilität gibt.
Die Nachgelagerte BesteuerungWas ist Nachgelagerte Besteuerung?Steuerprinzip bei der Altersvorsorge: In der Ansparphase steuerfrei, erst bei der Auszahlung im Ruhestand wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.
Mehr erfahren → bedeutet: Während der Ansparphase fallen keine Steuern an (keine AbgeltungsteuerWas ist Abgeltungsteuer?Pauschale Steuer von 26,375% (inkl. Soli) auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Gilt für normale Depots, NICHT für das Altersvorsorgedepot in der Ansparphase.
Mehr erfahren →, keine VorabpauschaleWas ist Vorabpauschale?Jährliche Mini-Steuer auf Fondsgewinne in normalen Depots. Im Altersvorsorgedepot fällt sie NICHT an — ein Vorteil gegenüber dem freien ETF-Depot.
Mehr erfahren →). Erst bei Auszahlung zahlst du deinen EinkommensteuersatzWas ist Einkommensteuersatz?Der persönliche Steuersatz auf dein Einkommen. Steigt progressiv von 14% bis 45%. Im Ruhestand typischerweise 15-30%, da das Einkommen niedriger ist als im Berufsleben.
Mehr erfahren →. In der Steuererklärung trägst du die Beiträge in der Anlage AVWas ist Anlage AV?Das Formular in der Steuererklärung für die Altersvorsorge. Hier trägst du deine Beiträge zum Altersvorsorgedepot ein. Wird größtenteils vom Anbieter vorausgefüllt.
Mehr erfahren → ein.
Gesamtkosten: Was du als Selbständiger monatlich zahlst
| Versicherungszweig | Monatlicher Beitrag (Beispiel: 40.000 € Gewinn) | Pflicht? |
|---|---|---|
| Krankenversicherung (GKV) | ca. 560 € | Ja |
| Pflegeversicherung | ca. 115 € | Ja |
| Rentenversicherung (wenn pflichtversichert) | ca. 620 € | Je nach Beruf |
| Unfallversicherung (BG) | ca. 50–150 € | Freiwillig |
| Arbeitslosenversicherung | ca. 90 € | Freiwillig |
| Altersvorsorgedepot | bis 290 € (max. gefördert) | Freiwillig |
Weitere Steuertipps zeigen dir, wie du die Gesamtbelastung durch kluge Kombination von Depot und SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren → reduzierst.
Chancen für Selbständige
- Volle Wahlfreiheit bei KV (GKV oder PKV)
- Altersvorsorgedepot als flexibler Baustein
- Steuervorteile durch SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren → - Freiwillige ALV als Sicherheitsnetz
Risiken
- Volle Beitragslast ohne Arbeitgeber-Zuschuss
- Keine automatische Rentenversicherung (bei vielen)
- PKV-Beiträge steigen im Alter
- Lücke im Sozialschutz bei fehlendem Eigenengagement
Altersvorsorge für Selbständige
Der komplette Vorsorge-Überblick.
Krankenversicherung und Rente
GKV vs PKV und die Auswirkung auf dein Depot.
7 Steuertipps zur Altersvorsorge
Depot und Rürup steuerlich optimal nutzen.
Depot in der Steuererklärung
Anlage AV und EÜR richtig ausfüllen.
Handwerk — Pflichtversicherung
18 Jahre Pflicht, danach freiwillig.