Die Renteninformation zeigt drei Szenarien — alle basieren auf unveraendertem Berufsverlauf. Die Realitaet sieht anders aus: Elternzeiten, Teilzeitphasen, Jobwechsel, Gehaltssprunge. Wie sich diese Ereignisse auf die spaetere Rente auswirken, zeigt dieser Artikel mit konkreten Berechnungen.
Grundmechanik: Wie Lebensereignisse Entgeltpunkte beeinflussen
Die gesetzliche Rente basiert auf Entgeltpunkten (EP). Ein EP pro Jahr bekommt wer den Durchschnittsverdienst aller Versicherten verdient (2026: ca. 45.358 EUR brutto/Jahr). Wer mehr verdient, bekommt mehr EP; wer weniger verdient, weniger.
Wichtige Regelungen:
- Kindererziehungszeit: Pro Kind 3 Jahre mit 1 EP/Jahr gutgeschrieben (bei Kindern bis 1992: 2,5 EP). Das entspricht dem Durchschnittslohn ohne Beitrag.
- Minijob: Beitraege werden geleistet, aber auf Basis von 520 EUR — ergibt ca. 0,14 EP/Jahr. Sehr wenig.
- Erwerbslosigkeit (ALG I): Beitraege laufen weiter, aber auf Basis des ALG I (ca. 60 % des Nettolohns).
- Elterngeld: Zaehlt als Pflichtbeitragszeit, ELterngeld-Betrag wird als Bemessungsgrundlage gerechnet.
Szenario 1: Vollzeit durchgehend
Max, 35 Jahre, Bruttolohn 55.000 EUR/Jahr (1,21 EP/Jahr). Seit 10 Jahren berufstaetig, 32 Jahre bis Rente (67).
Bisherige EP: 10 x 1,21 = 12,1 EP.
Kuenftige EP (32 Jahre gleicher Lohn): 32 x 1,21 = 38,72 EP.
Gesamt: 50,82 EP.
Rente: 50,82 x 42,00 EUR = 2.134 EUR brutto/Monat.
Szenario 2: 3 Jahre Elternzeit (keine Berufstaetigkeit)
Gleiche Person — aber 3 Jahre Vollzeit-Elternzeit waehrend des Berufslebens.
Kindererziehungszeiten: 3 x 1,0 EP = 3 EP (automatisch gutgeschrieben).
Kuenftige Berufsjahre: 32 - 3 = 29 Jahre x 1,21 = 35,09 EP.
Gesamt: 12,1 + 3,0 + 35,09 = 50,19 EP.
Rente: 50,19 x 42 = 2.108 EUR brutto/Monat.
Differenz zu Vollzeit: ca. 26 EUR/Monat weniger. Das ist weniger dramatisch als oft gedacht — weil die 3 Kindererziehungsjahre auf Durchschnittsverdienst-Niveau gutgeschrieben werden.
Szenario 3: 10 Jahre Teilzeit (50 %)
Gleiche Person — aber 10 Jahre Teilzeit mit 50 % der normalen Arbeitszeit (Gehalt: 27.500 EUR, 0,61 EP/Jahr).
Vollzeitjahre: 22 x 1,21 = 26,62 EP.
Teilzeitjahre: 10 x 0,61 = 6,10 EP.
Bisherige EP: 12,1 EP.
Gesamt: 12,1 + 26,62 + 6,10 = 44,82 EP.
Rente: 44,82 x 42 = 1.882 EUR brutto/Monat.
Differenz zu Vollzeit: 252 EUR/Monat weniger. Ueber 25 Jahre Rente = ca. 75.600 EUR weniger Gesamtrente. Das ist der reale Preis von 10 Jahren Teilzeit.
Szenario 4: Gehaltssprung mit 45
Gleiche Person — aber Gehaltssprung mit 45 auf 80.000 EUR/Jahr (1,76 EP/Jahr, da Maximum bei 2 EP).
Bisherige EP: 12,1 EP (10 Jahre, 55k).
Jahre 35-45: 10 x 1,21 = 12,1 EP.
Jahre 45-67: 22 x 1,76 = 38,72 EP.
Gesamt: 12,1 + 12,1 + 38,72 = 62,92 EP.
Rente: 62,92 x 42 = 2.643 EUR brutto/Monat.
Differenz zu konstant: +509 EUR/Monat — ein erheblicher Vorteil durch spaeten Gehaltssprung.
Szenarien im Ueberblick
| Szenario | Entgeltpunkte | Brutto-Rente | Differenz (vs. Vollzeit) |
|---|---|---|---|
| Vollzeit durchgehend | 50,82 EP | 2.134 EUR | — |
| 3 Jahre Elternzeit | 50,19 EP | 2.108 EUR | -26 EUR/Monat |
| 10 Jahre Teilzeit (50 %) | 44,82 EP | 1.882 EUR | -252 EUR/Monat |
| Gehaltssprung mit 45 | 62,92 EP | 2.643 EUR | +509 EUR/Monat |
Selbst berechnen: So geht es
Eigene Simulation auf rentenversicherung.de (Online-Konto): Dort gibt es die "Rentenauskunft" mit Szenarienrechner — man kann Teilzeit, Gehaltsaenderungen und Pausenzeiten eingeben und die Auswirkung direkt sehen.
Alternativ: Eigene EP aus der Renteninformation nehmen, kuenftige EP schaetzen (Gehalt / 45.358 x Jahre) und mit dem aktuellen Rentenwert (42 EUR) multiplizieren.
Fazit: Elternzeit kaum Verlust, Teilzeit erheblich
Das wichtigste Ergebnis: Elternzeit mit Kindererziehungszeiten ist rentenmaessig gut abgesichert — der Verlust ist minimal. Langjaehrige Teilzeit hingegen hat erhebliche Rentenauswirkungen. Wer 10 Jahre halbzeit arbeitet verliert ca. 250 EUR monatliche Rente dauerhaft. Das sollte bei Teilzeit-Entscheidungen eingerechnet werden — und erhoeht die Bedeutung privater Vorsorge fuer Teilzeitkraefte.