Portfolio-Check zum Jahresende — Was du jetzt prüfen solltest
Einmal im Jahr solltest du dein Portfolio gründlich durchleuchten. Der Jahreswechsel ist der perfekte Zeitpunkt — besonders 2026, kurz vor dem Start des AltersvorsorgedepotWas ist Altersvorsorgedepot?Neues staatlich gefördertes ETF-Depot für die Altersvorsorge ab 2026/2027. Ersetzt die Riester-Rente. Mit Grundzulage (max. 540 EUR/Jahr), Sonderausgabenabzug (bis 1.800 EUR/Jahr) und Pfändungsschutz.
Mehr erfahren →s. Stand: 22.11.2026
Das Wichtigste in Kürze
- Empfohlene Prüffrequenz 1x jährlich
- Rebalancing-Schwelle ab 5 % Abweichung
- Verlustverrechnung möglich bis 31.12.2026
- Zeitaufwand Portfolio-Check ca. 1-2 Stunden
- Häufigster Fehler Gar nicht prüfen
Warum der Jahreswechsel der beste Zeitpunkt ist
Ein Portfolio ist wie ein Garten: Wenn du es das ganze Jahr sich selbst überlässt, wächst manches zu stark und anderes verkümmert. Einmal im Jahr solltest du prüfen, ob die Gewichtung noch zu deiner Strategie passt, ob die Kosten stimmen und ob du steuerliche Optimierungen vornehmen kannst. Der Jahreswechsel ist ideal, weil viele steuerliche Maßnahmen nur bis zum 31. Dezember greifen und du gleichzeitig die Weichen für 2027 stellen kannst. Eine ausführliche Anleitung findest du im Ratgeber Portfolio-Check jährlich.
Punkt 1: Asset Allocation prüfen
Deine Ziel-Aufteilung zwischen Aktien, Anleihen und Cash hat sich durch die Marktentwicklung 2026 vermutlich verschoben. Wenn du zum Beispiel 80/20 (Aktien/Anleihen) angestrebt hast und die Aktienmärkte gut gelaufen sind, stehst du jetzt vielleicht bei 87/13. Das bedeutet mehr Risiko als geplant. Prüfe, ob ein RebalancingWas ist Rebalancing?Regelmäßige Umschichtung der Anlagen, um die ursprüngliche Gewichtung wiederherzustellen. Im Altersvorsorgedepot steuerfrei möglich.
Mehr erfahren → nötig ist — also ob du Aktien verkaufen und Anleihen nachkaufen solltest. Unsere Rebalancing-Anleitung erklärt die Details.
Punkt 2: Verlustverrechnung
Hast du 2026 Positionen mit Verlust im Depot? Dann kannst du diese bis zum 31. Dezember verkaufen und den Verlust steuerlich mit realisierten Gewinnen verrechnen. Das senkt deine AbgeltungsteuerWas ist Abgeltungsteuer?Pauschale Steuer von 26,375% (inkl. Soli) auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Gilt für normale Depots, NICHT für das Altersvorsorgedepot in der Ansparphase.
Mehr erfahren →. Wichtig: Du kannst die Position am nächsten Tag wieder kaufen — der steuerliche Verlust bleibt trotzdem bestehen. Bei Aktien gibt es allerdings einen separaten Verlusttopf, der nur mit Aktiengewinnen verrechnet werden kann.
Punkt 3: Kosten durchleuchten
| Kostenart | Typische Höhe | Optimierungspotenzial | Maßnahme |
|---|---|---|---|
| ETF-TER | 0,07 – 0,50 % | Hoch | Auf günstigere ETFs umsteigen |
| Depotgebühren | 0 – 30 EUR/Jahr | Mittel | Zu kostenlosem Anbieter wechseln |
| Orderkosten | 0 – 10 EUR/Trade | Mittel | Neobroker nutzen |
| Spread | 0,01 – 0,3 % | Gering | Zur Börsen-Haupthandelszeit kaufen |
| Steuern auf Erträge | 26,375 % | Hoch | Freistellungsauftrag + Depot 2027 |
Prüfe, ob deine ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →s noch zu den günstigsten ihrer Kategorie gehören. Die ETF-Landschaft ändert sich ständig — was vor drei Jahren der günstigste MSCI-World-ETF war, muss es heute nicht mehr sein. Ein Wechsel kann sich lohnen, wenn die TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten.
Mehr erfahren →-Differenz mehr als 0,1 Prozentpunkte beträgt und du das Volumen langfristig hältst.
Punkt 4: Freistellungsauftrag anpassen
Prüfe, ob dein Freistellungsauftrag optimal verteilt ist. Ab 2027 fließt möglicherweise ein Teil deiner Sparrate ins geförderte AltersvorsorgedepotWas ist Altersvorsorgedepot?Neues staatlich gefördertes ETF-Depot für die Altersvorsorge ab 2026/2027. Ersetzt die Riester-Rente. Mit Grundzulage (max. 540 EUR/Jahr), Sonderausgabenabzug (bis 1.800 EUR/Jahr) und Pfändungsschutz.
Mehr erfahren →, das keinen Freistellungsauftrag benötigt. Verschiebe den Freibetrag dorthin, wo er gebraucht wird. Details findest du im Ratgeber Depot optimieren.
Punkt 5: Sparrate für 2027 festlegen
Wie viel willst du 2027 monatlich investieren? Hast du eine Gehaltserhöhung bekommen? Ist ein Kredit abgezahlt? Haben sich deine Lebensumstände geändert? Passe deine Sparrate an. Eine Faustregel: Erhöhe die Sparrate um mindestens die Hälfte jeder Gehaltserhöhung. So spürst du die Erhöhung kaum, baust aber deutlich schneller Vermögen auf.
Punkt 6: Altersvorsorgedepot einplanen
2027 kommt ein neuer Baustein dazu: das Altersvorsorgedepot. Überlege, wie es in deine Gesamtstrategie passt. Brauchst du weniger im normalen Depot, weil du einen Teil ins geförderte Depot umleiten willst? Oder erhöhst du die Gesamtsparrate? Die steuerlichen Vorteile des Altersvorsorgedepots machen es in den meisten Fällen sinnvoll, zuerst den geförderten Rahmen auszuschöpfen und dann das normale Depot zu besparen.
Punkt 7: Notfallreserve prüfen
Bevor du alles in Aktien und ETFs steckst: Liegt deine Notfallreserve noch bei 3 bis 6 Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto? Falls nicht, füll sie auf. Ein Börsencrash ist besonders schmerzhaft, wenn du gleichzeitig dein Depot verkaufen musst, weil die Waschmaschine kaputt geht.
Fazit: Eine Stunde für tausende Euro
Der jährliche Portfolio-Check ist eine der wirkungsvollsten Stunden, die du für deine Finanzen investieren kannst. Rebalancing, Verlustverrechnung und Kostenoptimierung bringen über die Jahre leicht fünfstellige Beträge. Kombiniert mit der Vorbereitung auf das Altersvorsorgedepot 2027 machst du den Jahreswechsel zu einem echten Meilenstein für deine finanzielle Zukunft.
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Häufige Fragen
Bis wann muss ich Verluste verrechnen um Steuern zu sparen?
Verlustverrechnungstöpfe werden beim Broker jährlich gepflegt. Realisierte Gewinne und Verluste werden automatisch verrechnet. Nicht ausgeglichene Verluste werden auf das nächste Jahr übertragen — sie verfallen NICHT am Jahresende. Was verfällt: der Freistellungsauftrag-Freibetrag (1.000 EUR) kann nicht ins nächste Jahr übertragen werden. Wer Gewinne unter 1.000 EUR hat und den Freibetrag nicht ausgeschöpft hat, sollte bis Ende Dezember prüfen ob er ihn nutzen kann.
Was prüfe ich beim Freistellungsauftrag zum Jahresende?
Prüfpunkte: 1. Wie viel vom Freibetrag (1.000 EUR) habe ich bisher genutzt? (Steuerbescheinigung oder Broker-App). 2. Habe ich Freistellungsaufträge auf mehrere Broker verteilt? Gesamtbetrag darf 1.000 EUR (Einzelperson) bzw. 2.000 EUR (Ehepaare) nicht übersteigen. 3. Bin ich unter dem Freibetrag: Kann ich noch Gewinne realisieren ohne Steuer zu zahlen? 4. Habe ich unrealisierte Verluste die ich noch dieses Jahr realisieren will (z.B. als Verlustpuffer für das nächste Jahr).
Rebalancing zum Jahresende — wann macht es Sinn?
Grundsätzlich: Rebalancing sollte nicht zeitgetrieben sein (Jahresende) sondern schwellengetrieben (wenn eine Position mehr als 5 % von der Zielallokation abweicht). Zum Jahresende kann es sinnvoll sein wenn: 1. Du ohnehin neue Einzahlungen planst — neue Gelder gehen in untergewichtete Positionen statt Umschichtung. 2. Du Verluste realisieren möchtest (steuerliche Verlustverrechnung). 3. Im Altersvorsorgedepot: Rebalancing ist steuerfrei — keine Hemmschwelle.
Was sollte ich noch vor Jahresende zum AVD-Start 2027 prüfen?
Ab 2027 ist das Altersvorsorgedepot verfügbar. Bis dahin: 1. Frühzeitig Anbieter vergleichen und informieren (Deutsche Bank, DZ Bank, ING, Trade Republic planen Angebote). 2. Alten Riester-Vertrag prüfen: Transfer ins AVD ab 2027 möglich — lohnt sich wenn hohe Zulagen aufgelaufen sind. 3. Eigenanteil berechnen: Mindesteinzahlung für volle Grundzulage (540 EUR) liegt bei etwa 1.260 EUR/Jahr Eigenanteil (abhängig von vorjährigem Bruttoeinkommen). 4. Steuerbescheid 2025 bereithalten für Günstigerprüfung.
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