Gold ist das älteste Wertaufbewahrungsmittel der Menschheit. Es hat Imperien überlebt, Kriege, Währungsreformen und Hyperinflation. Gleichzeitig zahlt es keine Dividende, erwirtschaftet keine Gewinne, und kann jahrelang in der Rendite hinter Aktien zurückbleiben. Was taugt Gold wirklich als Beimischung in einem Altersvorsorge-Depot?
Was Gold wirklich an Rendite bringt
Gold hat über sehr lange Zeiträume die Kaufkraft erhalten — mehr nicht. Das klingt unspektakulär, ist aber relevant: Wer 1971 (Ende des Bretton-Woods-Systems, Gold wurde vom Dollar entkoppelt) Gold kaufte, hat über 50 Jahre eine reale Rendite von rund 2–3 % p.a. erzielt — nach Inflation.
Der MSCI World hat in derselben Zeit rund 7–8 % p.a. real gebracht. Der Unterschied ist gewaltig: 10.000 Euro in Gold 1971 → heute rund 80.000 Euro real. Dieselbe Summe in einem globalen Aktienindex → rund 750.000–1.000.000 Euro real.
| Zeitraum | Gold (p.a.) | MSCI World (p.a.) | Sieger |
|---|---|---|---|
| 1971–2026 (55 Jahre) | +7,9 % nominal | +10,4 % nominal | Aktien |
| 2000–2012 (Dotcom + Finanzkrise) | +14,5 % | −0,5 % | Gold |
| 2013–2018 | −1,0 % | +11,2 % | Aktien |
| 2019–2024 | +12,8 % | +13,1 % | Gleichauf |
| 2022 (Inflationsjahr) | −0,4 % | −18,5 % | Gold (Stabilität) |
Das Muster: Gold performt gut in Krisenzeiten (2000–2012, 2022) und schlecht wenn Aktien laufen (2013–2018). Es ist kein Renditebringer, sondern ein Stabilitätsanker.
Warum Gold trotzdem ins Portfolio gehört: Korrelation
Der Hauptargument für Gold ist nicht die Rendite — es ist die niedrige Korrelation zu Aktien. Gold und Aktien bewegen sich oft gegensätzlich oder unabhängig voneinander. Das bedeutet: Wenn Aktien crashen, fällt Gold nicht unbedingt mit.
In echten Krisenphasen:
- Finanzkrise 2008: MSCI World −54 %, Gold +5 %
- Dotcom-Crash 2000–2002: MSCI World −49 %, Gold +12 %
- Corona-Crash März 2020: MSCI World −34 %, Gold −8 % (kurzfristiger Rückgang, dann schnelle Erholung)
- Inflationsschock 2022: MSCI World −19 %, Anleihen −15 %, Gold −0,4 % (stabilste Anlageklasse)
Ein Portfolio aus 90 % MSCI World + 10 % Gold hätte in den meisten Crashphasen weniger verloren als 100 % MSCI World — und über lange Zeiträume nur leicht schlechtere Rendite erzielt. Das ist Portfoliotheorie in der Praxis: Diversifikation durch nicht-korrelierte Assets.
Wie viel Gold im Depot?
Die Standardempfehlung der meisten Finanzplaner: 5–10 % des Depots. Das ist genug um in Krisenzeiten eine stabilisierende Wirkung zu haben — aber nicht so viel, dass die Langfristrendite des Gesamtdepots erheblich leidet.
Mehr als 15–20 % Gold ist für Langfristsparer in der Ansparphase schwer zu rechtfertigen: Die entgangene Aktienrendite ist zu groß. In der Entnahmephase kann ein höherer Gold-Anteil (bis 20 %) sinnvoll sein — als stabilisierendes Element das den Verkaufszwang bei Aktien-Crashs reduziert.
Physisches Gold vs. Gold-ETC: Was kaufen?
Physisches Gold (Barren, Münzen):
- Kein Gegenparteirisiko — du besitzt das Gold direkt
- Bis 600 Euro Gewinne nach 1 Jahr Haltefrist steuerfrei
- Sicherheitsproblem: Aufbewahrung (Safe, Bank) kostet und ist unpraktisch
- Transaktionskosten hoch (Spreads beim Kauf/Verkauf)
- Für kleinere Summen (unter 10.000 Euro) oft nicht praktisch
Gold-ETC (Exchange Traded Commodity):
- Einfach wie ETF-Kauf über Broker
- Geringe Kosten (TER 0,12–0,25 % p.a.)
- Physisch hinterlegt (bei guten Anbietern) — Xetra-Gold (DE000A0S9GB0) ist physisch gedeckt
- Nicht Sondervermögen — bei Emittentenpleite theoretisch Risiko (bei physischer Deckung aber gering)
- Gewinne nach 1 Jahr steuerfrei (bei physisch gedeckten ETCs)
Empfehlung: Für Beträge unter 20.000 Euro: Gold-ETC (Xetra-Gold oder Euwax Gold II). Für größere Beträge oder wenn du keinem Finanzinstitut vertraust: physisches Gold als Beimischung.
- Xetra-Gold (DE000A0S9GB0): Physisch hinterlegt, TER 0,36 %, deutsche Börse, nach 1 Jahr Haltedauer steuerfrei
- Euwax Gold II (DE000EWG2LD7): Stuttgart, physisch auslieferbar, TER 0,3 %, ebenfalls nach 1 Jahr steuerfrei
- iShares Physical Gold (IE00B4ND3602): UCITS-konform, TER 0,12 %, gut für ISA-ähnliche Konten
Gold im Altersvorsorgedepot
Das Altersvorsorgedepot ab 2027 wird eine Liste zugelassener Anlagen haben. Gold-ETCs könnten als Beimischung erlaubt sein — das hängt von der genauen Zulassungsliste ab. Wenn Gold nicht direkt im AVD möglich ist: Das AVD für ETFs nutzen, Gold im normalen Broker-Depot halten (profitiert dort von 1-Jahres-Steuerfreiheit).
Fazit: Ja zu Gold — aber in Maßen
Gold ist kein Renditewunder und kein Inflationsschutz-Allheilmittel. Es ist ein Diversifikationsinstrument — ein Stabilitätsanker der dann hilft wenn alles andere fällt. 5–10 % des Depots in Gold (via Xetra-Gold o.ä.) ist für Langfristsparer eine vernünftige, historisch begründete Beimischung.
Wer Gold als "die Rettung" sieht und 50 % des Depots reinpackt, verpasst die Aktienrendite die langfristig alle anderen Anlageklassen schlägt. Wer Gold ignoriert, hat kein Sicherheitsnetz für echte Krisenzeiten.
Mehr: Schwarze Schwäne — Crashs im historischen Rückblick und Inflation & Kaufkraft der Rente.