Frühstart-Rente — 10 Euro/Monat für jedes Kind
Der staatliche Altersvorsorge-Startschuss für Kinder — was er bringt und was Eltern tun müssen.
Die Frühstart-Rente ist einer der interessantesten Aspekte des Altersvorsorgedepot-Pakets — und gleichzeitig der am wenigsten diskutierte. Während alle über die Grundzulage (540 Euro) und die Kinderzulage (300 Euro) sprechen, läuft die Frühstart-Rente etwas unter dem Radar. Dabei ist sie das erste Mal, dass der Staat systematisch für Kinder in die Altersvorsorge einzahlt.
Was ist die Frühstart-Rente genau?
Ab 2027 zahlt der Staat für alle Kinder zwischen 6 und 18 Jahren monatlich 10 Euro in ein Altersvorsorgedepot ein — automatisch, ohne Antrag, ohne Eigenleistung der Eltern. Das ergibt:
- 10 Euro/Monat × 12 Monate = 120 Euro/Jahr
- Laufzeit: 12 Jahre (6. bis 18. Geburtstag)
- Staatlicher Gesamtbeitrag: 1.440 Euro pro Kind
Das klingt nach wenig. Die Magie liegt im Zinseszins über fast 50 Jahre — vom 6. Lebensjahr bis zur Rente mit 67.
Was bringt die Frühstart-Rente bis zur Rente?
Annahme: 10 Euro/Monat von 6 bis 18 Jahre, dann kein weiterer Beitrag, aber das Kapital wächst mit 6 % p.a. weiter bis zum 67. Lebensjahr.
| Szenario | Kapital mit 18 | Kapital mit 67 (6 % p.a.) |
|---|---|---|
| Nur staatliche Frühstart-Rente (10 Euro/Monat) | ca. 2.060 Euro | ca. 37.000 Euro |
| + Eltern zahlen 20 Euro/Monat dazu | ca. 6.180 Euro | ca. 111.000 Euro |
| + Eltern zahlen 50 Euro/Monat dazu | ca. 12.360 Euro | ca. 222.000 Euro |
37.000 Euro allein durch die staatliche Frühstart-Rente — ohne einen Cent eigene Einzahlung. Das ist erheblich. Und wenn Eltern oder Großeltern zusätzlich beitragen, multipliziert sich der Effekt drastisch.
Wo liegt das Geld der Frühstart-Rente?
Das Gesetz ist beschlossen (Bundesrat 24. April 2026) — die technische Ausgestaltung für Anbieter ist klar. Was gilt:
- Das Kapital liegt in einem eigenen Altersvorsorgedepot auf den Namen des Kindes
- Zugriff erst ab dem 62. Lebensjahr — keine vorzeitige Entnahme
- Anlage im staatlichen Standarddepot (lebenszyklusorientiertes ETF-Portfolio) wenn kein individuelles Depot gewählt wird
- Eltern können (optional) ein eigenes Altersvorsorgedepot für das Kind wählen und weitere Beiträge einzahlen — dann greift auch die Kinderzulage von 300 EUR/Jahr
Was Eltern (zusätzlich) tun können
Die Frühstart-Rente ist das staatliche Fundament — Eltern können darauf aufbauen:
Option 1 — Nichts tun: Die staatlichen 10 Euro laufen automatisch. Kein Aufwand. Das Kind hat mit 67 rund 37.000 Euro — ohne dass jemand etwas getan hat.
Option 2 — Eltern zahlen monatlich dazu: Über das Altersvorsorgedepot des Kindes können Eltern weitere Beiträge einzahlen — und profitieren dabei von der Kinderzulage (300 Euro/Jahr). Diese Kinderzulage kommt zum Depot des Elternteils, der den Antrag stellt — nicht zum Kinder-Depot direkt.
Option 3 — Großeltern schenken: Großeltern können in das Depot des Enkels einzahlen (bis steuerlicher Freibetrag: 400.000 Euro alle 10 Jahre). Das ist eine elegante Möglichkeit Erbschaften steueroptimiert vorzuziehen.
Ab wann ist die Frühstart-Rente relevant?
Die Frühstart-Rente gilt für Kinder die am 1. Januar 2027 zwischen 6 und 18 Jahren alt sind — und alle danach geborenen. Kinder die 2027 bereits über 18 sind, bekommen nichts aus diesem Programm. Kinder unter 6 Jahren: Sie starten wenn sie 6 werden.
Konkret: Dein Kind ist 2020 geboren → es wird 2026 6 Jahre alt → bekommt ab 2027 die Frühstart-Rente. Dein Kind ist 2013 geboren → es wird 2027 14 Jahre alt → bekommt noch 4 Jahre Frühstart-Rente (bis 18).
Kritische Einordnung: Was die Frühstart-Rente nicht ist
Die Frühstart-Rente ist ein symbolischer Start — politisch wichtig, finanziell begrenzt. 37.000 Euro bis 67 klingen viel, aber als Anteil an einer vollständigen Altersvorsorge (die 500.000–1.000.000 Euro erfordert) ist es ein kleiner Baustein. Sie kann die Kindheit-Ungleichheit leicht abmildern — aber keine vollständige Altersvorsorge ersetzen.
Der eigentliche Wert: Sie gibt jedem Kind einen Start. Auch Kindern aus ärmeren Familien die sonst gar keinen Zugang zur kapitalgedeckten Altersvorsorge hätten. Das ist das egalitäre Versprechen der Frühstart-Rente.
Fazit: Kleiner Beitrag, großer Symbolwert, handfester Zinseszins
Die Frühstart-Rente ist der erste systematische Versuch des deutschen Staates, Altersvorsorge von Geburt an aufzubauen. Mit 10 Euro/Monat macht er keinen reichen Menschen aus jedem Kind — aber er legt einen Grundstein der mit Zinseszins über 50 Jahre zu einem handfesten Betrag wird.
Für Eltern gilt: Diese Grundlage nutzen und eigene Beiträge draufsetzen. Schon 20 Euro/Monat zusätzlich verdreifachen das Enddepot. Wer das für seine Kinder macht, gibt ihnen einen Start in die Altersvorsorge den die eigene Generation nicht hatte.
Mehr zum Thema: Altersvorsorgedepot 2027 vollständig erklärt und Rechner für Kindervorsorge.
Häufige Fragen
Was ist die Frühstart-Rente genau?
Der Staat zahlt für alle Kinder von 6 bis 18 Jahren automatisch 10 EUR/Monat (120 EUR/Jahr) in ein Altersvorsorgedepot ein — ohne Antrag, ohne Eigenleistung der Eltern. Über 12 Jahre kommen so 1.440 EUR staatliches Kapital zusammen. Bei 7 % Rendite bis Rentenalter 67 wächst das auf rund 37.000 EUR — nur durch den staatlichen Anteil.
Müssen Eltern für die Frühstart-Rente etwas beantragen?
Nein — die Frühstart-Rente läuft ab 2027 automatisch für alle Kinder zwischen 6 und 18 Jahren. Kein Antrag nötig. Eltern können zusätzlich eigene Beiträge einzahlen und die Kinderzulage (300 EUR/Jahr) mitnehmen — das ist aber freiwillig. Eigenleistung: nur 60 EUR/Jahr (5 EUR/Monat = Sockelbeitrag).
Kann man die Frühstart-Rente mit eigenen Beiträgen kombinieren?
Ja — Eltern oder Großeltern können über das Altersvorsorgedepot des Kindes zusätzliche Beiträge einzahlen. Schon 20 EUR/Monat zusätzlich verdreifachen das Enddepot auf rund 111.000 EUR bis 67. Großeltern können zudem steuerfreie Schenkungen vornehmen (bis 400.000 EUR alle 10 Jahre je Großelternteil).
ETF-Sparplan für Kinder
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