Tracking Difference — Warum die TER lügt und was du stattdessen prüfen solltest
Die TER ist der Preis den der ETF-Anbieter nennt. Die Tracking Difference ist der Preis den du wirklich zahlst. Der Unterschied kann größer sein als gedacht — manchmal aber auch negativ.
Das Wichtigste in Kürze
- TER Nur Verwaltungsgebühr — erfasst keine Transaktionskosten, Quellensteuer oder Wertpapierleihe
- Tracking Difference Reale Abweichung ETF-Rendite von Index-Rendite — die ehrlichere Zahl
- Negative TD ETF übertrifft seinen Index (möglich durch Wertpapierleihe-Einnahmen)
- Guter Wert Unter 0,10 % sehr gut — negativ = ausgezeichnet
- Quelle trackingdifferences.com — historische TDs für hunderte ETFs kostenlos
Wenn ETF-Anbieter von "Kosten" sprechen, meinen sie fast immer die TER (Total Expense Ratio) — die jährliche Verwaltungsgebühr die vom Fondsvermögen abgezogen wird. Ein iShares Core MSCI World hat eine TER von 0,20%. Klingt günstig. Aber die TER ist unvollständig: Sie erfasst keine Transaktionskosten im ETF, keine Quellensteuer-Belastungen, kein Securities Lending. Die ehrlichere Zahl ist die Tracking Difference.
Was ist die Tracking Difference?
Die Tracking Difference (TD) misst wie stark die tatsächliche ETF-Rendite von der Index-Rendite abweicht. Ist die TD +0,10%, hat der ETF 0,10 Prozentpunkte weniger Rendite geliefert als sein Index. Ist sie -0,05%, hat der ETF den Index um 0,05 Prozentpunkte übertroffen — das ist möglich durch Wertpapierleihe-Einnahmen oder effiziente Quellensteuer-Rückforderung.
TER vs. Tracking Difference: Konkrete Beispiele
| ETF | TER | Tracking Difference (ca.) | Differenz |
|---|---|---|---|
| iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983) | 0,20% | ca. 0,03-0,10% | ETF schlägt TER |
| Xtrackers MSCI World Swap (IE00BJ0KDQ92) | 0,19% | ca. 0,00-0,05% | Sehr nah am Index |
| Vanguard FTSE All-World (IE00B3RBWM25) | 0,22% | ca. 0,00-0,15% | Gut |
| Aktiv gemanagter Fonds (typisch) | 1,50% | oft 1,80-2,50% | Viel höher als TER |
Wie ETFs den Index schlagen können
ETFs können eine negative TD (besser als Index) erreichen durch:
- Wertpapierleihe: Der ETF verleiht Aktien an Leerverkäufer und kassiert Leihgebühren. iShares und andere geben diese Einnahmen (teilweise) an den ETF weiter.
- Swap-ETFs: Synthetische ETFs tauschen Renditen mit einer Gegenpartei — oft mit günstigerer Steuerstruktur auf Dividenden.
- Effiziente Quellensteuer-Erstattung: Irische ETFs bekommen mehr Quellensteuer zurück als andere Domizile.
Wo findet man die Tracking Difference?
Die TD steht nicht auf der ETF-Produktseite der Anbieter — sie muss man selbst ausrechnen oder nachschlagen:
- trackingdifferences.com: Beste Quelle, zeigt historische TD für hunderte ETFs
- Jahresberichte (KIID/KID): Rendite-Vergleich ETF vs. Index über Vorjahr
- justetf.com: Zeigt unter "Fondsdaten" manchmal die TD
Was ist eine gute Tracking Difference?
- Unter 0,10%: Sehr gut — ETF kostet effektiv weniger als die TER vermuten lässt
- 0,10-0,25%: Gut — normale Kostenbelastung
- 0,25-0,50%: Akzeptabel — prüfen ob günstigere Alternative verfügbar
- Über 0,50%: Schlecht für einen passiven Index-ETF — andere Wahl treffen
- Negativ: Ausgezeichnet — ETF übertrifft seinen Index
Wann die TER trotzdem reicht
Für die meisten Anleger mit Standard-ETFs (MSCI World, FTSE All-World) ist der TER-Vergleich als erster Filter sinnvoll — und die TDs liegen bei den führenden ETFs so nah beieinander dass der Unterschied bei kleinen Depots unter 10.000 EUR keine relevante Rolle spielt. Erst ab 50.000 EUR+ Depot macht die TD-Optimierung nennenswert aus.
Fazit: TD prüfen kostet 5 Minuten und lohnt sich ab mittelgrossen Depots
Die TER ist ein sinnvoller erster Filter. Die Tracking Difference ist die ehrliche Zahl. Bei der ETF-Auswahl: erst TER zum Ausschluss teurer ETFs (alles über 0,30% für Standard-Aktien-ETFs aussortieren), dann TD vergleichen. trackingdifferences.com ist dafür die beste kostenlose Quelle. Wer das macht, optimiert die Altersvorsorgedepot-Kosten vollständig — der Rest ist Sparplan einrichten und den Zinseszins arbeiten lassen.
Weiterführend empfiehlt sich der Ratgeber ETF-Kosten im Detail — TER, TD und versteckte Gebuehren verglichen.
Häufige Fragen
Welcher Anbieter ist für das Altersvorsorgedepot am besten?
Für Kostenoptimierte: Trade Republic (1% Cashback, 4% Zinsen, TER ca. 0,10-0,15%). Für Direktbanken: ING oder DKB. Für Beratung: Sparkasse oder Volksbank. Entscheidend: niedrige Gesamtkosten, breite ETF-Auswahl, Zulagen-Service.
Kann ich den Anbieter später wechseln?
Ja - ein Depot-Wechsel ist möglich, ähnlich wie bei der Riester-Rente. Die angesammelten Fördermittel bleiben erhalten. Kosten für den Wechsel können anfallen. Empfehlung: von Anfang an günstigen Anbieter wählen.
Was kostet ein Altersvorsorgedepot?
Neobroker: ca. 0,10-0,25% p.a. Gesamtkosten. Direktbanken: 0,20-0,50% p.a. Filialbanken: 0,50-1,50% p.a. Über 30 Jahre macht der Unterschied Zehntausende Euro aus. Kostenrechner nutzen: aktienrenterechner.de/rechner/kosten-rechner/
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