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Ab 2027 gibt es staatlich geförderte ETF-Depots zur Altersvorsorge — die Aktienrente. Hier erfährst du alles dazu.

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ESG & Nachhaltige ETFs für die Altersvorsorge

Rendite vs. Gewissen — was nachhaltige ETFs wirklich leisten und wo die Grenzen sind.

ESG Nachhaltige ETF Altersvorsorge

Immer mehr Anleger wollen ihr Depot mit ihren Werten in Einklang bringen — keine Rüstungsaktien, keine Kohlekraftwerke, keine Kinderarbeit. ESG-ETFs (Environmental, Social, Governance) bieten das an. Aber was kostet es in der Rendite? Und was bedeutet "nachhaltig" eigentlich wirklich?

Was ESG bedeutet — und was nicht

ESG steht für:

  • Environmental: Umwelt (CO2-Emissionen, Wasserverbrauch, Kreislaufwirtschaft)
  • Social: Soziales (Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Lieferkette)
  • Governance: Unternehmensführung (Vorstandsstruktur, Transparenz, Korruption)

ESG-Ratings werden von spezialisierten Ratingagenturen vergeben (MSCI ESG Research, Sustainalytics, ISS). Unternehmen bekommen Punkte — und Fonds die Unternehmen unter einem bestimmten Score ausschließen, heißen ESG-Fonds.

Das Problem: ESG-Ratings sind nicht standardisiert. Zwei Agenturen können dasselbe Unternehmen völlig unterschiedlich bewerten. Tesla hat bei manchen Agenturen ein schlechtes ESG-Rating (Governance, Arbeitsbedingungen) — bei anderen ein gutes (Elektroautos = gut fürs Klima). Das ist keine Schwäche der Idee, aber es ist eine schwache Umsetzung.

Arten nachhaltiger ETFs

1. ESG-gefilterter ETF: Basis-Index (z.B. MSCI World) minus Unternehmen die unter einem ESG-Score-Schwellenwert liegen oder in Ausschlusslisten (Waffen, Tabak, Kohle) tauchen. Ergebnis: Etwas weniger Unternehmen als der normale Index. Größte Gruppe.

2. SRI-ETF (Socially Responsible Investment): Strengere Ausschlusskriterien als ESG. Werden typischerweise nur die besten 25 % nach ESG-Score eines Index aufgenommen ("Best-in-Class"). Deutlich weniger Unternehmen.

3. Thematische ESG-ETFs: Spezifisch auf ein Thema — Clean Energy, Green Bonds, Wassertechnologie. Konzentriert, sektoral, höheres Risiko.

4. Impact Investing ETFs: Investieren nur in Unternehmen die direkt positive Wirkung nachweisen (z.B. Microfinance, Healthcare in Entwicklungsländern). Sehr nischig, oft wenig liquide.

Performance: ESG vs. MSCI World

Index5 Jahre p.a.10 Jahre p.a.2022 (Inflationsjahr)
MSCI World (Standard)+11,8 %+10,4 %−18,5 %
MSCI World ESG Leaders+12,1 %+10,7 %−16,8 %
MSCI World SRI+12,4 %+10,9 %−17,1 %
MSCI World Climate Paris Aligned+13,2 %−15,2 %

Überraschend: ESG-ETFs haben in den letzten 5–10 Jahren leicht besser abgeschnitten als der Standard-MSCI-World. Warum? Mehrere Gründe:

  • ESG schließt Kohle, Öl und Gas aus — diese Sektoren haben in der Niedrigzinsphase schwach performt
  • ESG-Unternehmen haben oft höhere Qualitäts-Scores — weniger Governance-Probleme, stabiler
  • Tech-Unternehmen (die gut laufen) haben oft gute ESG-Scores

Diese Überrendite ist nicht garantiert und könnte sich umkehren — z.B. wenn Energie-Aktien (die ESG ausschließt) stark steigen.

Kosten: ESG ist teurer

ETFISINTER
Xtrackers MSCI World Swap (Standard)IE00BJ0KDQ920,12 %
iShares MSCI World ESG LeadersIE00BHZPJ5690,20 %
Xtrackers MSCI World ESG Screened SwapIE00BJDPCT820,17 %
iShares MSCI World SRIIE00BYX2JD690,20 %
Amundi MSCI World Climate Paris AlignedLU21988823620,18 %

ESG-ETFs kosten 0,05–0,10 % mehr als der günstigste MSCI World. Bei 100.000 Euro Depot: 50–100 Euro mehr pro Jahr — über 30 Jahre rund 5.000–10.000 Euro entgangener Zinseszins. Das ist real, aber bei der bisherigen ESG-Überrendite mehr als kompensiert.

Greenwashing: Was du beachten musst

Nicht jeder "nachhaltiger ETF" ist tatsächlich nachhaltig. Warnzeichen:

  • Nur ausgeschlossen: Kontroverse Waffen — das tun fast alle ETFs schon freiwillig. Das allein macht keinen ESG-ETF.
  • ESG-Leader die Ölkonzerne halten: Möglich wenn der Ölkonzern einen hohen Governance-Score hat. "ESG" bedeutet nicht "kein Öl".
  • Artikel-8 vs. Artikel-9 (SFDR): EU-Regulierung unterscheidet zwischen "berücksichtigt ESG" (Art. 8) und "nachhaltiges Investment als Ziel" (Art. 9). Für konsequente Nachhaltigkeitsstrategie: Art. 9 bevorzugen.

ESG im Altersvorsorgedepot

Das Altersvorsorgedepot ab 2027 wird voraussichtlich ESG-ETFs als zugelassene Anlagen enthalten. Die genaue Liste steht noch aus — aber regulatorischer Druck (EU-Taxonomie, SFDR) und politischer Wille sprechen dafür, dass ESG-ETFs im AVD gleichberechtigt neben Standard-ETFs stehen werden.

Fazit: ESG ist keine Rendite-Falle

Die Befürchtung "ESG kostet Rendite" ist historisch bisher nicht eingetreten — eher das Gegenteil. ESG-ETFs haben mit leicht höheren Kosten dennoch leicht besser abgeschnitten. Das ist kein Naturgesetz — aber auch kein Opfer.

Wer mit seinen Werten investieren will: ESG-ETFs sind eine valide Option für die Altersvorsorge. Wer maximale Diversifikation und minimale Kosten will: Standard-MSCI-World. Beide Ansätze funktionieren langfristig — die Rendite-Differenz ist geringer als der emotionale Unterschied.

Mehr zum Thema ETF-Auswahl: MSCI World vs. FTSE All-World.

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