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Ab 2027 gibt es staatlich geförderte ETF-Depots zur Altersvorsorge — die Aktienrente. Hier erfährst du alles dazu.

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Entnahmephase — Wie du im Alter aus dem Depot lebst

Die 4%-Regel, smarte Entnahmestrategien und wie das Altersvorsorgedepot die Auszahlung regelt.

Entnahmephase Depot Rente

Die meiste Aufmerksamkeit beim Thema Altersvorsorge gilt der Ansparphase — dem monatlichen Sparplan, dem Zinseszinseffekt, den ETF-Auswahlen. Dabei ist die Entnahmephase mindestens genauso wichtig und deutlich weniger diskutiert: Wie entnimmt man im Alter Geld aus dem Depot ohne es zu erschöpfen — oder ohne so wenig zu entnehmen, dass man mit 80 noch Millionen auf dem Konto hat und sich jahrelang unnötig eingeschränkt hat?

Das Problem der Entnahmephase

In der Ansparphase ist Zeit dein Freund: Schwankungen glätten sich über Jahrzehnte, Kurseinbrüche kauft du günstig nach. In der Entnahmephase kehrt sich das um: Du entnimmst Anteile — und wenn der Markt gerade im Keller ist, musst du mehr Anteile verkaufen um dieselbe Euro-Summe zu erhalten. Diese Anteile fehlen dann bei der Erholung.

Das nennt sich Sequence of Returns Risk (Sequenzrisiko): Ein schlechter Markt kurz nach dem Renteneintritt kann ein eigentlich ausreichendes Depot leerfegen — selbst wenn die langfristigen Durchschnittsrenditen gut waren.

Beispiel: Zwei Rentner starten 2007 mit je 500.000 Euro. Beide entnehmen 2.000 Euro monatlich. Rentner A erlebt zuerst die Finanzkrise (−50 %), dann die Recovery. Rentner B erlebt zuerst 10 Jahre super Markt, dann einen Crash. Bei identischen langfristigen Durchschnittsrenditen kann Rentner A das Depot 10 Jahre früher erschöpft haben — weil er zu Beginn viel mehr Anteile verkaufen musste.

Video: Finanzfluss — Drei Entnahmestrategien für die Rentenphase erklärt

Die 4%-Regel: Was steckt dahinter?

Die 4%-Regel kommt aus der "Trinity Study" von 1998 (US-Forscher Bengen). Die Erkenntnis: Wer maximal 4 % seines Depotwertes pro Jahr entnimmt, hat historisch in 95 % der Fälle das Kapital über 30 Jahre nicht erschöpft — unabhängig vom Einstiegszeitpunkt.

Beispiel: 300.000 Euro Depot → 4 % = 12.000 Euro/Jahr = 1.000 Euro/Monat. Das ist eine grobe Orientierung — kein Naturgesetz.

Depotwert4 % pro JahrMonatlichHistorische Überlebensrate (30J)
100.000 Euro4.000 Euro333 Euro~95 %
200.000 Euro8.000 Euro667 Euro~95 %
300.000 Euro12.000 Euro1.000 Euro~95 %
500.000 Euro20.000 Euro1.667 Euro~95 %

Wichtige Einschränkungen der 4%-Regel:

  • Die Studie basiert auf US-Daten mit einem 60/40 Portfolio (Aktien/Anleihen)
  • 30 Jahre Entnahme — wer mit 60 in Rente geht und 95 wird, braucht 35 Jahre
  • In Niedrigzinsphasen und bei europäischen Märkten liegt die sichere Entnahmerate eher bei 3,0–3,5 %
  • Keine Flexibilität eingebaut — wer in einem Crashjahr trotzdem 4 % entnimmt, beschleunigt den Depot-Abbau

Smarte Entnahmestrategien

Strategie 1 — Feste Entnahme (klassisch): Jeden Monat denselben Betrag entnehmen — unabhängig vom Marktstand. Einfach, planbar — aber blindes Verkaufen im Crash. Problematisch bei langen Crash-Phasen.

Strategie 2 — Flexible Entnahme (dynamisch): Im guten Börsenjahr mehr entnehmen, im Crashjahr weniger — und den Gürtel enger schnallen. Erfordert Flexibilität im Lebensstil, aber schützt das Depot deutlich besser. Das empfehlen viele Finanzplaner für Menschen die können.

Strategie 3 — Bucket-Strategie (Drei-Töpfe-Modell): Das Depot wird in drei "Töpfe" aufgeteilt:

  • Topf 1 (Kurz, 1–2 Jahre): Tagesgeld oder kurzfristige Anleihen. Dieser Topf wird als erstes entnommen. Bei Crash kein Verkauf von Aktien nötig.
  • Topf 2 (Mittel, 3–7 Jahre): Anleihen-ETFs oder gemischte Fonds. Wird regelmäßig aufgefüllt aus Topf 3.
  • Topf 3 (Lang, 8+ Jahre): Aktien-ETFs. Wird nur verkauft wenn der Markt gut steht. Im Crash bleibt dieser Topf unangetastet.

Die Bucket-Strategie ist psychologisch vorteilhaft — man sieht konkret "Topf 1 reicht 2 Jahre, ich muss jetzt nicht in Panik verkaufen". Das reduziert Fehlentscheidungen in Krisenzeiten erheblich.

Strategie 4 — Verrentern: Das Depot wird an eine Rentenversicherung übergeben die eine lebenslange Rente zahlt. Keine Sequenz-Risiken mehr, aber: Keine Vererbbarkeit, kein Kapitalzugriff. Sinnvoll für Menschen die sehr alt werden könnten und keine Erbschaftsplanung haben.

Wie das Altersvorsorgedepot die Entnahme regelt

Das Altersvorsorgedepot ab 2027 hat eine gesetzlich vorgesehene Entnahmephase ab Rentenalter (67). Die genauen Regeln stehen noch nicht vollständig fest, aber die Rahmenbedingungen zeichnen sich ab:

  • Das angesparte Kapital kann flexibel entnommen werden — keine Pflicht zur vollständigen Verrentung wie bei Riester
  • Steuerliche Behandlung der Entnahme: Die in der Ansparphase steuerfrei gestellten Beiträge werden in der Entnahme nachgelagert versteuert — wie bei Rentenversicherungen (Ertragsanteil)
  • Das Lifecycle-Modell schichtet automatisch in sichere Anlagen um je näher der Renteneintritt — das reduziert das Sequenzrisiko teilweise automatisch

Steuer auf Depot-Entnahmen

Im "normalen" ETF-Depot (ohne AVD-Förderung) gilt: Kursgewinne bei Verkauf unterliegen der Abgeltungssteuer (25 % + Soli + ggf. Kirchensteuer). Wer 10.000 Euro Gewinn realisiert, zahlt rund 2.635 Euro Steuern.

Praktische Optimierung: Im Altersvorsorgedepot ist die steuerliche Behandlung der Entnahme günstiger als Abgeltungssteuer wenn das Einkommen im Rentenalter niedrig ist — weil die Entnahmen mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert werden. Wer im Alter 1.800 Euro Rente hat und 600 Euro aus dem AVD entnimmt, zahlt auf die AVD-Entnahme möglicherweise nur 15–20 % Steuern — günstiger als 25 % Abgeltungssteuer.

Fazit: Entnahmephase ist Planung, nicht Schicksal

Die häufigste Fehlannahme: "Ich spare an — und wenn ich in Rente bin, schaue ich wie ich das Geld rausholen kann." Das Sequenzrisiko zeigt: Wer das nicht vorher plant, riskiert in den ersten Jahren nach dem Renteneintritt das meiste Kapital zu verbrennen.

Die Empfehlung: 10 Jahre vor dem Renteneintritt mit der Entnahme-Strategie beschäftigen. Lifecycle-Umschichtung einleiten, Liquiditätspuffer aufbauen (12–24 Monate Tagesgeld), und festlegen ob feste oder flexible Entnahme — abhängig von der eigenen Flexibilität im Lebensstil.

Den konkreten Entnahmebetrag für dein geplantes Depot berechnen: Vorsorge- und Entnahmerechner.

Häufige Fragen

Wie kann ich im Rentenalter aus dem Altersvorsorgedepot Geld entnehmen?

Das Altersvorsorgedepot erlaubt flexible Entnahme ab Rentenalter (geplant: ab 62 Jahre). Optionen: Einmalentnahme, monatliche Auszahlungsplaene oder schrittweiser Verkauf von ETF-Anteilen. Steuer bei Entnahme: persönlicher Einkommensteuersatz.

Was ist die 4-Prozent-Regel?

Faustregel: Jedes Jahr 4% des Depotwertes entnehmen, ohne das Kapital langfristig aufzubrauchen. Basis: historische Renditen des MSCI World. Bei 300.000 EUR Depot = 12.000 EUR/Jahr = 1.000 EUR/Monat. Funktioniert bei 30+ Jahren Anlagehorizont.

Muss ich das Altersvorsorgedepot verrentern?

Nein - im Gegensatz zur Riester-Rente ist beim Altersvorsorgedepot keine Pflichtverrentung geplant. Kapital kann als Einmalbetrag oder flexibel entnommen werden. Ein grosser Vorteil gegenüber klassischen Rentenversicherungen.

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