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Ab 2027 gibt es staatlich geförderte ETF-Depots zur Altersvorsorge — die Aktienrente. Hier erfährst du alles dazu.

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Depot-Strategie nach Lebensalter

Mit 25 anders investieren als mit 55 — was sich wann ändern sollte und warum.

Depot Strategie Lebensalter

Es gibt keine universelle Depot-Strategie die für alle gleich gut funktioniert. Was mit 25 richtig ist, kann mit 55 falsch sein — und umgekehrt. Das Alter, der Anlagehorizont und die Risikotragfähigkeit ändern sich über das Leben. Dieser Artikel zeigt, wie eine sinnvolle Strategie für jede Lebensphase aussieht.

Das Grundprinzip: Zeit ist der wichtigste Faktor

Je mehr Zeit bis zum Renteneintritt, desto mehr Risiko kann (und sollte) man tragen. Aktien schwanken stark im Jahr, aber über 20–30 Jahre gleichen sich Schwankungen aus. Wer kurz vor der Rente ist, hat keine 10 Jahre Zeit um einen Crash auszusitzen — da ist Stabilität wichtiger als Rendite.

Das ist der Kern des Lifecycle-Modells — das auch dem Altersvorsorgedepot zugrunde liegt: Automatische Umschichtung von Aktien zu sichereren Anlagen je näher der Renteneintritt rückt.

Mit 20–30: Maximale Aktienquote, Konsequenz schlägt alles

Mit Anfang bis Mitte 20 hast du den wichtigsten Rohstoff an der Börse: Zeit. Wer mit 22 anfängt und bis 67 spart, hat 45 Jahre Zinseszinseffekt. Wer mit 32 anfängt: nur 35 Jahre. Diese 10 Jahre machen einen gewaltigen Unterschied.

Empfohlene Strategie mit 20–30:

  • Aktienquote: 90–100 % — fast alles in Aktien-ETF. Anleihen bringen kaum Mehrwert wenn 35+ Jahre Zeit bleiben.
  • ETF-Wahl: MSCI World oder FTSE All-World — global, breit, günstig
  • Sparrate: So viel wie möglich, aber mindestens 10 % des Nettoeinkommens. Auch 50–100 Euro sind besser als nichts.
  • Kein Market-Timing: Monatlicher Sparplan, nie unterbrechen — auch nicht in Krisen
  • Wichtigste Entscheidung: Anfangen. Nicht die perfekte ETF-Auswahl, nicht die perfekte Sparrate — sondern überhaupt starten.

Typische Fehler mit 20–30: "Ich warte bis ich mehr verdiene" (kostet Jahre Zinseszins), "Ich verstehe das noch nicht" (warte nicht auf Perfektion), "Krypto bringt mehr" (spekulation statt Aufbau).

Startpunkt100 Euro/Monat bis 67Depot-Wert (6 % Rendite)
Mit 22 (45 Jahre)54.000 Euro eingezahlt~284.000 Euro
Mit 27 (40 Jahre)48.000 Euro eingezahlt~199.000 Euro
Mit 32 (35 Jahre)42.000 Euro eingezahlt~140.000 Euro
Mit 37 (30 Jahre)36.000 Euro eingezahlt~97.000 Euro

Mit 30–40: Optimieren und erhöhen

Mit 30–40 hat man typischerweise ein höheres Einkommen als in den 20ern, aber auch mehr Verpflichtungen (Kinder, Wohneigentum, Kredit). Die Strategie bleibt aktienorientiert — aber es ist Zeit, die Vorsorge zu systematisieren.

Empfohlene Strategie mit 30–40:

  • Aktienquote: 80–95 % — immer noch hauptsächlich Aktien-ETF
  • Altersvorsorgedepot ab 2027 als geförderter Haupt-Baustein
  • Sparrate erhöhen: Mit höherem Einkommen mehr anlegen — 15–20 % des Nettos ist ein gutes Ziel
  • Notgroschen aufbauen: 3–6 Monatsgehälter auf Tagesgeld — damit das Depot in Krisen nicht angefasst werden muss
  • Beimischungen prüfen: 5–10 % Gold als Stabilitätsanker kann Sinn ergeben
  • Rentenlücke berechnen: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt um zu verstehen wie groß die Differenz zwischen gesetzlicher Rente und gewünschtem Lebensstandard ist

Wichtige Frage mit 35: Wie viele Entgeltpunkte habe ich? Renteninformation lesen und mit dem Rechner die Lücke berechnen. Das gibt Klarheit über die nötige Sparrate.

Mit 40–50: Realitätscheck und Kurskorrektur

Mit 40–50 wird die Rente greifbar — 15–25 Jahre entfernt statt 35–45. Das ändert die Psychologie und sollte die Strategie anpassen. Nicht drastisch — aber bewusst.

Empfohlene Strategie mit 40–50:

  • Aktienquote: 70–85 % — erste Beimischung von Anleihen-ETFs (10–20 %)
  • Lifecycle-Plan aufstellen: Wann soll die Umschichtung beginnen? Typisch: 10 Jahre vor Rente
  • Sparrate maximieren: Mit 40–50 ist das Einkommenspeak für viele — jetzt ist die beste Zeit um die Sparrate auf 20–25 % zu erhöhen
  • Depot-Check: Einmal jährlich Rebalancing auf die Zielallokation — nicht öfter
  • Schulden abbauen: Kredit-Zinsen über 3 % sind fast immer schlechter als ETF-Renditen — tilgen hat Priorität

Mit 50–60: Sicherheit aufbauen, Sequenzrisiko minimieren

Mit 50–60 ist der Renteneintritt nicht mehr abstrakt. Das Sequenzrisiko (ein starker Crash kurz vor der Rente) wird konkret. Die Strategie muss das berücksichtigen.

Empfohlene Strategie mit 50–60:

  • Aktienquote schrittweise senken: Mit 60 sollten noch 50–65 % Aktien im Depot sein — nicht 90 %
  • Liquiditätspuffer aufbauen: 12–24 Monate Lebenshaltungskosten auf Tagesgeld oder kurzläufigen Anleihen
  • Anleihen-ETF beimischen: 25–40 % Anleihen reduziert Volatilität erheblich
  • Entnahmestrategie entwickeln: Welche Strategie (Bucket, Entnahme-ETF, Verrentung)? Jetzt planen, nicht erst mit 67
  • Renteninformation ernst nehmen: Die jährliche Renteninformation zeigt die voraussichtliche gesetzliche Rente — die Lücke bis zum gewünschten Lebensstandard ist jetzt konkret berechenbar

Die Faustregel: 100 minus Alter

Eine vereinfachte Formel für die Aktienquote: 100 minus dein Alter = Aktienquote in Prozent. Mit 30: 70 % Aktien. Mit 50: 50 % Aktien. Mit 65: 35 % Aktien.

Diese Formel ist grob — aber als Ausgangspunkt gut. Wer hohe Risikotoleranz hat (keine Panik bei −30 % im Depot) und andere Einkommensquellen hat (gesetzliche Rente, Immobilien): kann die Quote etwas erhöhen. Wer wenig andere Absicherung hat: eher konservativer.

Fazit: Strategie ist kein einmaliges Ereignis

Eine gute Depot-Strategie wird regelmäßig hinterfragt — nicht täglich, aber alle paar Jahre. Lebensumstände ändern sich: Kinder, Scheidung, Erbschaft, Jobverlust, Gehaltssprung. Die Strategie muss mitgehen.

Das Altersvorsorgedepot macht das Lifecycle-Modell automatisch — es schichtet je nach gewähltem Startalter und Renteneintrittsdatum automatisch um. Das ist für viele die beste Option: strukturiert ohne Denkarbeit. Wer selbst entscheiden will: Die Faustregeln oben sind ein guter Rahmen.

Eigene Zahlen berechnen: Altersvorsorge-Rechner — zeigt konkret welche Sparrate und Strategie deine Rentenlücke schließt.

Häufige Fragen

Mit 25: Aktienquote 100 % — ist das zu riskant?

Statistisch nein. Wer mit 25 anfängt und 40 Jahre bis zur Rente hat, erlebt mehrere Crashs — aber auch mehrere vollständige Erholungen. Jeder bisherige 30-Jahres-Zeitraum im MSCI World war positiv. Das Risiko bei 100 % Aktien ist kurzfristig (Buchverluste die weh tun) — aber kein langfristiges Kapitalvernichtungsrisiko. Das echte Risiko in jungen Jahren ist das Gegenteil: zu konservativ investieren und die ersten 10–15 Wachstumsjahre verpassen.

Mit 45: Wann fängt man an, defensiver zu werden?

Mit 45 liegt die Rente noch 17–22 Jahre in der Zukunft — noch kein Grund für Defensivierung. Erste Überlegungen ab ca. 50: Berechnung wie viel Geld bis zur Rente gebraucht wird, Notfallpuffer prüfen. Erste tatsächliche Umschichtung empfiehlt sich ab 55: Jährlich 2–3 % aus Aktien in Geldmarkt/Anleihen-ETF umschichten. Ziel mit 62–65: 70–80 % Aktien-ETF, 20–30 % defensiver Puffer — nicht umgekehrt.

Was verändert sich im Depot beim Renteneintritt?

Das Ziel dreht sich um: von Akkumulation zu Entnahme. Konkret: Der Sparplan wird gestoppt. Stattdessen wird ein Entnahmeplan aufgebaut (monatliche Verkäufe oder Ausschüttungen). Wichtig: Nicht das gesamte Depot auf einmal "umstellen" — noch 15–20 Jahre bleiben, in denen der Aktienanteil weiter wachsen soll. Klassischer Fehler: Mit 65 alles in Anleihen umschichten und die folgenden 20 Jahre reale Inflation verlieren.

Was ist das Lifecycle-Modell und was ist an ihm kritisch?

Lifecycle-Modell (auch Gleitpfad-Modell): Aktienquote sinkt mit dem Alter automatisch — z.B. 100 % Aktien mit 25, jährlich um 1 % reduziert, bis 60 % Aktien mit 65. Vorteil: Automatisch, kein Überlegen nötig. Nachteil: Zu mechanisch. Es ignoriert individuelle Faktoren: Wie hoch ist die gesetzliche Rente? Wie viel Immobilienvermögen? Wie hoch ist der tatsächliche Bedarf? Ein Beamter mit Pensionsanspruch braucht keinen defensiven Puffer — seine staatliche Rente übernimmt diese Funktion bereits.

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