Viele Menschen kommen erst mit 40, 45 oder 50 zum Thema Altersvorsorge — entweder weil das Thema verdrängt wurde, das Geld nicht da war oder andere Prioritäten dominierten. Die gute Nachricht: Es ist fast nie zu spät. Die schlechte: Je später man startet, desto höher muss die Sparrate sein und desto präziser muss die Strategie sein.
Start mit 40 — Noch 27 Jahre bis zur Rente
Wer mit 40 beginnt, hat noch ca. 27 Jahre bis zum Renteneintritt mit 67. Das ist ausreichend Zeit für einen globalen ETF-Sparplan der trotz Schwankungen eine solide Rendite erzielt.
| Monatliche Sparrate | Depot mit 67 (7% p.a.) | Eingezahlt |
|---|---|---|
| 300 EUR/Monat | ca. 262.000 EUR | 97.200 EUR |
| 500 EUR/Monat | ca. 437.000 EUR | 162.000 EUR |
| 800 EUR/Monat | ca. 699.000 EUR | 259.200 EUR |
Mit 40: Noch vollständig auf ETFs setzen. Keine konservative Umschichtung nötig. Der Horizont ist lang genug für 100% Aktien-ETFs.
Start mit 50 — 17 Jahre bis zur Rente
Mit 50 wird der Zeithorizont knapper. Wichtige Überlegungen:
- Höhere Sparrate nötig: 500-1.000 EUR/Monat anstelle von 200-300 EUR
- Einmalanlage erwägen: Falls Kapital vorhanden ist (Erbschaft, Immobilienverkauf, Boni), sofort anlegen statt strecken
- Rentenansprüche checken: DRV-Online nutzen, Renteninformation lesen, Lücke berechnen
- bAV nutzen: Arbeitgeber-Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge ist oft unterschätzt — 15% gesetzlicher Mindest-Zuschuss
Start mit 55 — 12 Jahre bis zur Rente
Mit 55 wird es ernst — aber es ist nicht hoffnungslos. Bei 12 Jahren und 1.000 EUR/Monat entstehen bei 6% p.a. ca. 200.000 EUR. Das reicht für 500-600 EUR/Monat zusätzliche Entnahme über 30 Jahre.
Wichtig mit 55:
- Risikoprofil anpassen: 70-80% Aktien-ETFs, 20-30% in kurzlaufenden Anleihen oder Tagesgeld. Bei einem Einbruch kurz vor der Rente hat man keine Zeit zur Erholung.
- Schuldentilgung vs. Sparen abwägen: Restschuld auf der Immobilie? Tilgungsrate erhöhen kann sicherer sein als hohe Aktienquote mit 55+.
- Keine teuren Versicherungsprodukte mehr: Eine private Rentenversicherung mit 55 abschließen ist fast nie sinnvoll — zu kurze Ansparphase, zu hohe Abschlusskosten.
Was Späteinsteiger nie tun sollten
- In verzweifelten "Hochrenditeprodukten" Verluste aufholen wollen (Krypto, gehebelte ETFs, spekulative Einzelaktien)
- Den Renteneintritt überstürzen — jedes Jahr länger arbeiten erhöht sowohl die gesetzliche Rente als auch das Depot
- Nichts tun weil "es sich nicht mehr lohnt" — auch 10 Jahre Sparplan mit 500 EUR/Monat sind besser als nichts
Gesetzliche Rente aufwerten ab 50
Ab 50 ist die freiwillige Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung eine Option. Besonders interessant: die Ausgleichszahlung für Frührentenabzüge. Wer plant, mit 63 in Rente zu gehen, kann Abzüge (0,3%/Monat) durch Sonderzahlungen aufkaufen — für jeden Abzugsprozentpunkt kostet das (2026) ca. 1.500-2.000 EUR einmalig, gespart werden dauerhaft 0,3% Rentenpunkte.
Altersvorsorgedepot ab 2027 für Späteinsteiger
Das neue Altersvorsorgedepot ist auch für Späteinsteiger attraktiv. Ein 50-Jähriger mit 17 Jahren bis zur Rente zahlt 3.000 EUR/Jahr ein — bekommt 540 EUR Grundzulage dazu. Das ergibt eine sofortige Förderquote von 18 % auf den Eigenanteil (540/3.000). Über 17 Jahre: 17 × 540 EUR = 9.180 EUR allein an Grundzulage.
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