Altersvorsorge für Notare — Versorgungswerk, später Berufseinstieg und Depot-Strategie
Notare gehören zu den bestverdienenden Freiberuflern in Deutschland. Aber der Berufseinstieg ist spät — oft erst mit 35-40 Jahren. Das verkürzt die Ansparphase drastisch. Wie du trotzdem eine solide Altersvorsorge aufbaust.
Key-Facts: Notare und Altersvorsorge
- Einkommen Notar (Durchschnitt) 150.000 – 300.000+ €/Jahr
- Berufseinstieg (Median) 35 – 42 Jahre
- Versorgungswerk-Pflichtbeitrag ca. 1.500 – 2.000 €/Monat
- Altersgrenze Notar 70 Jahre (je nach Bundesland)
- Rürup max. absetzbar 2026 29.344 €
- Notarstellen bundesweit ca. 7.000
Das Zeitproblem: Nur 25-35 Jahre statt 40
Die meisten Berufstätigen haben 40+ Jahre für den Vermögensaufbau. Notare starten oft erst mit 35-42 Jahren in den Beruf. Davor: Jurastudium, Referendariat, Anwaltstätigkeit, Notarprüfung — alles dauert. Das kürzt die Ansparphase auf 25-35 Jahre. Dafür ist das Einkommen von Anfang an hoch: 150.000 bis 300.000+ Euro.
Die mathematische Konsequenz: Du musst MEHR pro Monat sparen als jemand, der mit 25 anfängt. Aber du KANNST auch mehr — das Einkommen gibt es her. Entscheidend ist, dass du vom ersten Tag als Notar an die Vorsorge-Maximierung startest.
Versorgungswerk: Die erste Säule
Notare sind Pflichtmitglieder im Versorgungswerk der Notare (je nach Bundesland gemeinsam mit Rechtsanwälten oder eigenständig). Die GRV-Befreiung wird gewährt. Der Pflichtbeitrag liegt bei 1.500-2.000 Euro/Monat und deckt Altersrente, Berufsunfähigkeitsrente und Hinterbliebenenversorgung.
Bei 25 Jahren Einzahlung auf hohem Niveau ergibt sich eine Versorgungswerk-Rente von ca. 3.000-5.000 Euro. Das ist eine gute Basis, aber bei einem gewohnten Einkommen von 200.000+ Euro reicht es nicht annähernd, um den Lebensstandard zu halten.
| Szenario | Ansparzeit | VW-Beitrag/Monat | Erwartete VW-Rente | Versorgungslücke (bei 8.000 € Bedarf) |
|---|---|---|---|---|
| Früher Einstieg (35 J.) | 32 Jahre | 1.800 € | ca. 4.500 € | 3.500 €/Monat |
| Mittlerer Einstieg (40 J.) | 27 Jahre | 1.800 € | ca. 3.800 € | 4.200 €/Monat |
| Später Einstieg (45 J.) | 22 Jahre | 1.800 € | ca. 3.200 € | 4.800 €/Monat |
Die Maximal-Strategie: Alles auf einmal
Bei einem Einkommen von 200.000+ Euro und einem GrenzsteuersatzWas ist Grenzsteuersatz?Der Steuersatz, der auf den letzten verdienten Euro anfällt. Liegt je nach Einkommen zwischen 14% und 45%. Entscheidend für die Berechnung der Steuerersparnis.
Mehr erfahren → von 42-45 % ist die Strategie klar: JEDES steuerlich geförderte Produkt maximal ausschöpfen. Parallel ein großes freies ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Depot aufbauen.
| Baustein | Jährlich | Steuereffekt (42 %) | Netto-Aufwand |
|---|---|---|---|
| Versorgungswerk (Pflicht) | 21.600 € | SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer. Mehr erfahren → (teilweise) |
ca. 12.500 € |
| Rürup (Rest bis Höchstbetrag) | 5.966 € | ca. 2.506 € Erstattung | 3.460 € |
| Altersvorsorgedepot | 1.800 € | GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr. Mehr erfahren → 540 € |
2.460 € |
| Freies ETF-Depot (MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne. Mehr erfahren →) |
36.000 € | — | 36.000 € |
| Gesamt (extra, ohne VW) | 48.226 € | ca. 4.415 € | 43.811 € |
48.000 Euro pro Jahr in die private Vorsorge — bei 200.000+ Euro Gewinn sind das ca. 24 %. Nach 27 Jahren (Einstieg mit 40) ergibt sich bei 6 % Rendite ein privates Vermögen von ca. 3,5 Millionen Euro. Plus VW-Rente. Das sichert den Lebensstandard.
Mehr erfahren → für Altersvorsorge beträgt max. 29.344 Euro (2026, Ledige). Dein VW-Beitrag wird angerechnet. Bei 21.600 Euro VW-Beitrag bleiben nur ca. 5.966 Euro für Rürup steuerlich wirksam. Rechne genau nach — es lohnt sich trotzdem.
Der Altersbonus: Notare dürfen länger arbeiten
Je nach Bundesland liegt die Altersgrenze für Notare bei 70 Jahren (einige Länder: 68-72). Das sind 3-5 Jahre länger als das reguläre Rentenalter von 67. Diese Jahre sind Gold wert: Jedes zusätzliche Jahr bringt höhere VW-Rente UND weitere Kapitalbildung im ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Depot. Bei 3.000 Euro/Monat ETF-Sparplan und 3 Extra-Jahren sind das allein 130.000+ Euro zusätzlich.
Mehr erfahren →e Verwendung des Altersvorsorgedepots (Entnahme vor Rentenalter) führt zur Rückzahlung aller Zulagen und Steuervorteile. Plane das Depot als langfristige Anlage — nicht als Liquiditätsreserve.
Anwaltsnotare: Die Doppelrolle
In einigen Bundesländern (z. B. Niedersachsen, NRW) gibt es Anwaltsnotare — Rechtsanwälte, die gleichzeitig als Notar bestellt sind. Sie haben oft ein anderes Einkommensprofil: Das Notariat bringt zusätzliches Einkommen zur Anwaltstätigkeit. Die Vorsorge-Strategie bleibt gleich, aber der Versorgungswerk-Beitrag basiert auf dem Gesamteinkommen.
Vorteile
- Sehr hohes Einkommen ermöglicht maximale Vorsorge
- Versorgungswerk als starke Basis
- Längere Berufstätigkeit möglich (bis 70+)
- Stabiles Einkommen (Gebührenordnung)
- Rürup + VW + Depot = dreifache Steuerförderung
Nachteile / Risiken
- Später Berufseinstieg verkürzt Ansparphase
- Kein automatischer Depot-Zugang (GRV-Befreiung)
- Notariat nicht verkaufbar (staatliche Bestellung)
- VW + Rürup teilen sich den Höchstbetrag
Altersvorsorge für Selbständige
Grundlagen für Kammerberufe und Freiberufler.
Altersvorsorge für Anwälte
Verwandter Beruf, gleiches Versorgungswerk.
Altersvorsorge für Apotheker
Kammerberuf mit Versorgungswerk und Praxis.
Altersvorsorge für Unternehmensberater
Hohes Einkommen, ähnliche Steueroptimierung.
Rürup oder Altersvorsorgedepot?
Welches Produkt bei Versorgungswerk-Mitgliedschaft?
Häufige Fragen
Sind Notare beim Altersvorsorgedepot berechtigt?
Notare zahlen in berufsständische Versorgungswerke (Notarversorgungswerk je nach Bundesland) ein und sind von der GRV befreit — damit kein automatischer AVD-Grundzulagenanspruch. Notare mit privatrechtlichem Dienstverhältnis (Angestellte in Notarbüros, Verwaltung): GRV-pflichtig und zugangsberechtigt. Für Notare ohne GRV: freiwillige GRV oder Rürup als geförderter Vorsorgeweg.
Warum brauchen Notare trotz Versorgungswerk zusätzliche Vorsorge?
Das Notarversorgungswerk bietet solide, aber anleihenorientierte Renditen von ca. 3–4 % p.a. Notare mit hohen Einkommen (150.000–400.000 EUR/Jahr) haben einen hohen Lebensstandard — die Versorgungswerk-Rente deckt diesen oft nicht vollständig ab. Dazu: Notaramt kann durch Gesundheitsprobleme enden, ohne dass die volle Versorgungswerk-Rente bereits anläuft. ETF-Depot und Rürup sind sinnvolle Ergänzungen.
Welche steuerliche Altersvorsorge ist für Notare am effektivsten?
Rürup-Rente: bis 29.344 EUR/Jahr steuerlich absetzbar. Bei 50 % Grenzsteuersatz (Notare häufig in diesem Bereich): 13.783 EUR Steuerersparnis pro Jahr bei Maximaleinzahlung. Das ist ein Netto-Hebel von fast 1:1. Wichtig: Rürup-Kapital ist nicht vererbbar und nicht kündbar — nur Leibrente. Ergänzend: freies ETF-Depot für Liquidität und Vererbung, da Rürup diese Flexibilität nicht bietet.
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