Rentenlücke Frauen: Der Gender Pension Gap kostet bis zu 500 Euro im Monat
Frauen bekommen in Deutschland deutlich weniger Rente als Männer — und das hat strukturelle Ursachen, die sich privat ausgleichen lassen.
Auf einen Blick
- Gender Pension Gap Deutschland ca. 46 Prozent
- Durchschnittliche Frauenrente (West) ca. 850 Euro/Monat
- Durchschnittliche Männerrente (West) ca. 1.550 Euro/Monat
- Hauptursachen Teilzeit, Elternzeit, Pflegezeiten, Gehaltsunterschiede
- ETF-Sparplan ab 150 EUR/Monat Lücke über 30 Jahre schließbar
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat in seinem Alterssicherungsbericht eine Zahl veröffentlicht, die regelmäßig für Diskussionen sorgt: Der sogenannte Gender Pension Gap — die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern — beträgt in Deutschland rund 46 Prozent. Frauen erhalten also im Schnitt nicht einmal die Hälfte dessen, was Männer im Ruhestand bekommen. Konkret: Wo ein Mann 1.550 Euro Rente erhält, bekommt eine Frau rund 850 Euro.
Das ist kein statistisches Artefakt. Es ist die direkte Konsequenz aus Erwerbsbiografien, die sich in Deutschland zwischen Männern und Frauen nach wie vor deutlich unterscheiden.
Die drei Hauptursachen der Rentenlücke
Die erste und wichtigste Ursache ist Teilzeitarbeit. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2024 rund 48 Prozent aller erwerbstätigen Frauen in Teilzeit — gegenüber nur 12 Prozent der Männer. Wer in Teilzeit arbeitet, zahlt weniger Rentenbeiträge und sammelt weniger Entgeltpunkte. Das wirkt sich jahrzehntelang aus.
Die zweite Ursache ist Elternzeit und Pflegezeiten. Frauen übernehmen in Deutschland nach wie vor den Löwenanteil der Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen. Selbst wenn Elternzeiten rentenrechtlich berücksichtigt werden — aktuell werden drei Jahre pro Kind mit durchschnittlichen Entgeltpunkten angerechnet — reicht das nicht, um die Beitragslücken vollständig zu schließen. Wer zehn Jahre lang in Teilzeit oder gar nicht erwerbstätig ist, verliert rentenrechtlich erheblich.
Die dritte Ursache ist der Gender Pay Gap. Frauen verdienen in Deutschland im Median rund 18 Prozent weniger als Männer. Weil Rentenbeiträge einkommensabhängig sind, hat ein niedrigeres Gehalt direkte Auswirkungen auf die spätere Rente — lebenslang.
Rechenbeispiel: Eine Frau, die 10 Jahre lang 20 Stunden pro Woche arbeitet statt 40, sammelt in dieser Zeit die Hälfte der Entgeltpunkte. Bei einem Rentenwert von derzeit ca. 39,32 Euro pro Entgeltpunkt (West, ab Juli 2024) bedeutet jeder fehlende Entgeltpunkt lebenslang knapp 41 Euro weniger Rente im Monat. 10 fehlende Punkte = 400 Euro weniger. Für immer.
Warum die gesetzliche Rente die Lücke nicht schließt
Die gesetzliche Rentenversicherung ist fair in dem Sinne, dass sie proportional zu den geleisteten Beiträgen zahlt. Sie gleicht aber keine Ungleichheiten im Erwerbsleben aus — außer durch die bereits erwähnten Kindererziehungszeiten. Wer weniger verdient und weniger arbeitet, bekommt weniger Rente. Das System ist neutral gegenüber den Ursachen.
Versuche, das strukturell zu ändern — etwa durch Halbteilung der Rentenansprüche bei Eheleuten oder höhere Anrechnung von Pflegezeiten — scheitern regelmäßig an Kosten und politischem Widerstand. Realistisch betrachtet wird der Gender Pension Gap in der gesetzlichen Rente in den nächsten 20 Jahren nicht verschwinden.
Was privates ETF-Sparen ausrichten kann
Das Altersvorsorgedepot und eigenständige ETF-Sparpläne können einen wesentlichen Teil der Rentenlücke schließen — aber nur, wenn sie früh und konsequent genutzt werden. Eine Frau, die mit 30 Jahren beginnt, monatlich 200 Euro in einen breit gestreuten ETF zu investieren, hat bei einer durchschnittlichen Rendite von 7 Prozent p.a. mit 67 Jahren ca. 275.000 Euro angespart. Das entspricht bei einer Entnahme über 20 Jahre rund 1.150 Euro im Monat — zusätzlich zur gesetzlichen Rente.
Wer 150 Euro monatlich anspart, kommt auf ca. 206.000 Euro nach 37 Jahren. Auch damit ließe sich die durchschnittliche Rentenlücke von 700 Euro erheblich reduzieren. Der Schlüssel ist nicht die Höhe der monatlichen Rate, sondern der frühe Start — weil der Zinseszinseffekt mit zunehmender Laufzeit exponentiell wirkt.
Was das Altersvorsorgedepot für Frauen bedeutet
Das geplante Altersvorsorgedepot hat einen Vorteil, der gerade für Frauen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien relevant ist: Die staatliche Förderung ist nicht ausschließlich beitragsabhängig. Auch wer in Elternzeit ist oder Teilzeit arbeitet, kann das Depot besparen und die Förderung erhalten — solange die Mindestbeiträge geleistet werden. Zudem soll das Depot beim Anbieterwechsel portierbar sein, was bei langen Laufzeiten von 30 oder 40 Jahren relevant ist.
Mehr dazu, was das Altersvorsorgedepot konkret bedeutet, erklärt unser Ratgeber zum Altersvorsorgedepot. Und welche Anbieter für Frauen mit variablen Sparraten besonders geeignet sind, zeigt die Anbieter-Übersicht.
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