Key Facts aus dem Koalitionsvertrag
- Einführung eines Altersvorsorgedepots mit ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Option - Erhöhung des Förderbeitrags auf 1.800 EUR jährlich
- Abschaffung der Pflicht zur 100%-Beitragsgarantie
- Aufbau eines öffentlich verwalteten Standarddepots
- Öffnung der Förderung für Selbständige
- Start zum 1. Januar 2027
- Koalitionsvertrag (November 2025) legt Grundstein für das Altersvorsorgedepot mit ETF-Option
- Förderbeitrag: 1.800 EUR/Jahr, Pflichtgarantie wird abgeschafft
- Staatliches Standarddepot als günstige Basisoption für alle geplant
- Erstmals Zugang für Selbständige und Freiberufler zur staatlichen Förderung
- Fast alle Vereinbarungen wurden im Bundestag-Beschluss umgesetzt
Der Kontext: Warum eine Reform nötig war
Die Riester-RenteWas ist Riester-Rente?Staatlich geförderte Altersvorsorge seit 2002. Gescheitert wegen zu hoher Kosten, Garantiepflicht und niedriger Rendite. Wird ab 2027 durch das Altersvorsorgedepot ersetzt.
Mehr erfahren → war seit ihrer Einführung 2002 umstritten. Trotz staatlicher Förderung von jährlich über 3 Milliarden EUR blieben die Ergebnisse für Sparer enttäuschend. Hohe Kosten, intransparente Produkte und die starre Beitragsgarantie führten dazu, dass viele Verträge kaum mehr als die eingezahlten Beiträge erwirtschafteten. Rund ein Drittel aller Riester-Verträge wurde ruhend gestellt — die Sparer zahlten nicht mehr ein, weil sich das Produkt nicht lohnte.
Diese Problemlage war parteiübergreifend anerkannt. Bereits in der Legislaturperiode davor gab es Reformansätze, die jedoch am Widerstand der Versicherungsbranche und an politischen Differenzen scheiterten. Die neue Koalition machte die Rentenreform daher zu einem ihrer zentralen Vorhaben.
Was im Koalitionsvertrag steht
Der Koalitionsvertrag widmet der privaten Altersvorsorge ein eigenes Kapitel. Die wesentlichen Punkte lassen sich in fünf Bereiche gliedern:
1. Produktreform: ETF-Depot statt nur Versicherung
Die zentrale Neuerung ist die Öffnung der geförderten Altersvorsorge für einfache Wertpapierdepots. Künftig kannst du in ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Fonds investieren und erhältst dafür die gleiche Förderung wie für klassische Versicherungsprodukte. Die Koalition betont ausdrücklich, dass die TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten.
Mehr erfahren → günstiger ETFs wie dem MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne.
Mehr erfahren → weit unter den Kosten bisheriger Riester-Produkte liegt.
2. Garantie wird optional
Die 100%-Beitragsgarantie, die bei Riester verpflichtend war, wird abgeschafft. Stattdessen können Anbieter Produkte ohne Garantie, mit 80%-Garantie oder mit voller Garantie anbieten. Der Verbraucher wählt selbst. Das ist der entscheidende Hebel für höhere Renditen, denn die Garantie war der Hauptgrund für die schlechte Performance vieler Riester-Produkte.
3. Staatliches Standarddepot
Die Koalition will ein öffentlich verwaltetes Standarddepot einrichten. Es soll als günstige Basisoption dienen und gleichzeitig als Benchmark für private Anbieter fungieren. Wer sich nicht selbst um die Auswahl kümmern will, kann in dieses Standardprodukt investieren — mit extrem niedrigen Kosten und einem professionell verwalteten, global diversifizierten Portfolio.
4. Höhere Förderung
| Förderkomponente | Vereinbart im Koalitionsvertrag |
|---|---|
| Max. Förderbeitrag | 1.800 EUR/Jahr (vorher 2.100 EUR) |
| GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr. Mehr erfahren → |
175 EUR/Jahr (unverändert) |
| KinderzulageWas ist Kinderzulage?Zusätzliche staatliche Zulage von bis zu 300 EUR pro kindergeldberechtigtem Kind pro Jahr. Wird als 1:1-Matching des Eigenbeitrags gewährt. Mehr erfahren → |
Vereinheitlichung auf 300 EUR/Kind |
| SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer. Mehr erfahren → |
Bis 1.800 EUR/Jahr |
| Berufseinsteiger-Bonus | 200 EUR einmalig (unverändert) |
| Förderkreis | Erweiterung auf Selbständige |
5. Digitale Infrastruktur
Neben dem Altersvorsorgedepot sieht der Koalitionsvertrag auch die digitale Renteninformation vor. Alle drei Säulen der Altersvorsorge sollen in einem zentralen Online-Portal zusammengeführt werden. Damit weisst du erstmals auf einen Blick, mit welcher Gesamtversorgung du im Alter rechnen kannst.
Vom Vertrag zum Gesetz: Der Weg
November 2025: Koalitionsvertrag
Die Reform der privaten Altersvorsorge wird als zentrales Vorhaben festgeschrieben.
Januar 2026: Referentenentwurf
Das Bundesfinanzministerium legt einen detaillierten Gesetzentwurf vor.
Februar 2026: Anhörungen
Verbraucherschützer, Anbieter und Experten geben Stellungnahmen ab.
März 2026: Bundestag-Beschluss
Der Bundestag verabschiedet das Gesetz mit Änderungen am Kostendeckel und bei der Kinderzulage.
April 2026: Bundesrat
Zustimmung der Länderkammer steht noch aus.
Was nicht im Koalitionsvertrag steht
Einige von Experten geforderte Maßnahmen haben es nicht in den Koalitionsvertrag geschafft. Dazu gehören ein verpflichtendes Opt-Out-Modell (automatische Einschreibung aller Arbeitnehmer), die Abschaffung der AbgeltungsteuerWas ist Abgeltungsteuer?Pauschale Steuer von 26,375% (inkl. Soli) auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Gilt für normale Depots, NICHT für das Altersvorsorgedepot in der Ansparphase.
Mehr erfahren → auf langfristige Aktienanlagen und ein höherer Förderbeitrag von 5.000 EUR, wie ihn einige Wirtschaftsforschungsinstitute gefordert hatten.
Auch die Frage der Nachgelagerte BesteuerungWas ist Nachgelagerte Besteuerung?Steuerprinzip bei der Altersvorsorge: In der Ansparphase steuerfrei, erst bei der Auszahlung im Ruhestand wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.
Mehr erfahren →n ist nicht vollständig gelöst. Kritiker bemangeln, dass die nachgelagerte Besteuerung bei langen Laufzeiten und hohen Renditen zu einer höheren Steuerlast führen kann als die sofortige Besteuerung über die AbgeltungsteuerWas ist Abgeltungsteuer?Pauschale Steuer von 26,375% (inkl. Soli) auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Gilt für normale Depots, NICHT für das Altersvorsorgedepot in der Ansparphase.
Mehr erfahren →. Das hängt allerdings stark vom individüllen Steuersatz im Alter ab.
Europäischer Kontext
Deutschland orientiert sich mit der Reform an erfolgreichen Modellen in anderen Ländern. Schweden, die Niederlande und Großbritannien haben bereits kapitalmarktbasierte Altersvorsorgesysteme mit staatlicher Förderung. Mehr dazu im Europa-Vergleich.
Bewertung: Was ist vom Koalitionsvertrag umgesetzt?
Gemessen an den Vereinbarungen ist der Bundestag-Beschluss sehr nah am Koalitionsvertrag. Die wesentlichen Punkte — ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Depot, optionale Garantie, Standarddepot, erhöhte Förderung, Zugang für Selbständige — sind alle im Gesetz enthalten. Die einzige nennenswerte Abweichung betrifft den Kostendeckel, der im Koalitionsvertrag nicht exakt beziffert war und im Gesetzgebungsverfahren von 1,5% auf 1,0% nachgebessert wurde.
Stand: März 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Das Altersvorsorgedepot befindet sich im Gesetzgebungsprozess — Details können sich noch ändern.