Das Wichtigste in Kürze
- Zweck Eigenheim-Finanzierung mit Riester-Förderung
- Formen Riester-Bausparvertrag oder Entnahme aus Riester-Vertrag
- Förderung GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
Mehr erfahren → 175 EUR + KinderzulageWas ist Kinderzulage?Zusätzliche staatliche Zulage von bis zu 300 EUR pro kindergeldberechtigtem Kind pro Jahr. Wird als 1:1-Matching des Eigenbeitrags gewährt.
Mehr erfahren → 300 EUR/Kind - Wohnförderkonto Fiktives Konto, 2 % Verzinsung, Nachversteuerung
- Nachversteuerung Ab Rentenbeginn bis Alter 85 (typischerweise 17-18 Jahre)
Was ist Wohn-Riester?
Wohn-Riester (offiziell: „Eigenheimrente") ist eine Sonderform der Riester-Rente, bei der du die staatliche Foerderung nicht fuer eine Altersrente, sondern fuer den Kauf, Bau oder die Entschuldung einer selbstgenutzten Immobilie einsetzt. Details regelt § 92a EStG. Die Idee: Mietfreies Wohnen im Alter ist auch eine Form der Altersvorsorge.
Zwei Wege führen zu Wohn-Riester:
- Riester-Bausparvertrag: Du besparst einen Bausparvertrag mit Riester-Zulagen. Nach Zuteilung bekommst du ein günstiges Bauspardarlehen.
- Entnahme aus bestehendem Riester: Du entnimmst Geld aus einem bestehenden Riester-Vertrag (Fondssparplan, Versicherung) für den Immobilienkauf. Das ist nicht FörderschädlichWas ist Förderschädlich?Wenn du das Geld vor dem Rentenalter entnimmst, musst du alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Die Kursgewinne darfst du behalten.
Mehr erfahren →.
Das Wohnförderkonto — Die versteckte Steuerfalle
Das Wohnförderkonto ist das zentrale — und komplizierteste — Element des Wohn-Riesters. Es funktioniert so:
Jeder Beitrag und jede Zulage, die du für die Immobilie verwendest, wird auf dem Wohnförderkonto verbucht — einem fiktiven Konto bei der ZfA.
Das Wohnförderkonto wird jedes Jahr fiktiv mit 2 % verzinst. Dein „Steuerguthaben" wächst also, obwohl kein echtes Geld fliesst.
Ab Renteneintritt musst du den gesamten Stand des Wohnförderkontos versteuern — mit deinem persönlichen EinkommensteuersatzWas ist Einkommensteuersatz?Der persönliche Steuersatz auf dein Einkommen. Steigt progressiv von 14% bis 45%. Im Ruhestand typischerweise 15-30%, da das Einkommen niedriger ist als im Berufsleben.
Mehr erfahren →. Du kannst wählen: Einmalzahlung (30 % Rabatt) oder Verteilung bis zum Alter 85 (bei Rentenbeginn mit 67 also typischerweise 17-18 Jahre).
Rechenbeispiel: Wohn-Riester nach 25 Jahren
| Position | Betrag |
|---|---|
| Eigenbeiträge für Immobilie (25 Jahre) | 30.000 EUR |
| Zulagen erhalten | 11.875 EUR (175 x 25 + 300 x 25 bei 1 Kind) |
| Summe auf Wohnförderkonto | 41.875 EUR |
| Fiktive 2-%-Verzinsung (25 Jahre) | ca. +25.000 EUR |
| Stand Wohnförderkonto bei Rente | ca. 66.875 EUR |
| Nachversteuerung (ca. 25 % GrenzsteuersatzWas ist Grenzsteuersatz?Der Steuersatz, der auf den letzten verdienten Euro anfällt. Liegt je nach Einkommen zwischen 14% und 45%. Entscheidend für die Berechnung der Steuerersparnis. Mehr erfahren →) |
ca. 16.700 EUR Steuerlast |
| Bei Einmalzahlung (30 % Rabatt) | ca. 11.700 EUR Steuerlast |
Achtung: Die fiktive 2-%-Verzinsung bedeutet, dass du mehr versteuern musst, als du jemals an Förderung erhalten hast. Im Beispiel: 41.875 EUR erhalten, aber 66.875 EUR versteuern. Das ist kein Geschenk — es ist ein zinsloses Darlehen vom Staat, das du im Alter zurückzahlen musst.
Vorteile und Nachteile von Wohn-Riester
Vorteile
- Staatliche Zulagen für Eigenheim nutzen
- Günstige Bauspardarlehen möglich
- Keine FörderschädlichWas ist Förderschädlich?Wenn du das Geld vor dem Rentenalter entnimmst, musst du alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Die Kursgewinne darfst du behalten.
Mehr erfahren →e Verwendung - Mietfreies Wohnen im Alter als Vorsorge
- SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren → in der Ansparphase
Nachteile
- Wohnförderkonto mit fiktiver 2-%-Verzinsung
- Nachversteuerung im Rentenalter — oft unerwartet hoch
- Nur für selbstgenutzte Immobilien (keine Vermietung)
- Extrem komplex — kaum jemand versteht die Regeln vollständig
- Bei Verkauf oder Auszug: Rückzahlung droht (12 Monate Frist)
Wohn-Riester: Wann lohnt es sich?
Wohn-Riester kann sich lohnen, wenn:
- Du sicher weisst, dass du die Immobilie bis zum Rentenalter selbst bewohnst
- Du mehrere Kinder hast (hohe Kinderzulagen)
- Dein EinkommensteuersatzWas ist Einkommensteuersatz?Der persönliche Steuersatz auf dein Einkommen. Steigt progressiv von 14% bis 45%. Im Ruhestand typischerweise 15-30%, da das Einkommen niedriger ist als im Berufsleben.
Mehr erfahren → im Rentenalter niedrig sein wird - Du die Nachversteuerung per Einmalzahlung (30 % Rabatt) leisten kannst
Wenn du unsicher bist, ob du im selben Haus bleibst, oder wenn du eine hohe Rente erwartest (und damit hohe Steuern), ist Wohn-Riester weniger attraktiv.
Alternative: Altersvorsorgedepot + normaler Immobilienkredit
Statt Wohn-Riester kannst du ab 2027 ein Altersvorsorgedepot besparen und die Immobilie mit einem normalen Annuitätendarlehen finanzieren. Das ist flexibler (kein Wohnförderkonto, keine Nachversteuerung) und bei langem Anlagehorizont dank ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Rendite oft rentabler.
Der Nachteil: Du bekommst die Zulagen nicht für die Immobilie, sondern baust ein separates Depot auf. Dafür hast du keine Steuerfalle im Alter. Für die meisten Menschen ist das der einfachere und transparentere Weg.
Tipp: Wenn du bereits einen Wohn-Riester hast und die Immobilie abbezahlt ist: Du musst nichts ändern. Das Wohnförderkonto läuft weiter, die Nachversteuerung kommt ab Rentenbeginn. Rechne dir jetzt aus, wie hoch die Steuerlast sein wird — damit du im Alter nicht überrascht wirst.
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