Die Kurzantwort
- Gesetzliche Durchschnittsrente ~1.550 EUR brutto (2024)
- Empfohlene Sparquote 10–15 % des Nettoeinkommens
- Beste Privat-Option für die meisten ETF-Sparplan oder Altersvorsorgedepot
- Staatliche Förderung ab 2027 bis zu 540 EUR/Jahr Grundzulage
- Frühstart-Vorteil gegenüber 10 Jahre Warten oft über 100.000 EUR Unterschied
Warum so viele es aufschieben — und warum das teuer wird
Altersvorsorge fühlt sich abstrakt an, wenn die Rente noch 35 Jahre entfernt liegt. Das Gehirn ist nicht dafür gebaut, so weit in die Zukunft zu planen. Hinzu kommt: Das Thema ist kompliziert, die Produkte unübersichtlich, und irgendjemand will immer etwas verkaufen. Also lässt man es.
Das Problem ist der ZinseszinseffektWas ist Zinseszinseffekt?Erträge werden reinvestiert und erwirtschaften selbst wieder Erträge. Über Jahrzehnte entsteht exponentielles Wachstum. Im Altersvorsorgedepot steuerfrei — das beschleunigt den Effekt enorm.
Mehr erfahren →. Wer mit 25 anfängt und 150 EUR pro Monat anlegt, hat mit 67 bei 6 % Rendite rund 310.000 EUR angespart. Wer erst mit 35 anfängt und denselben Betrag einzahlt, landet bei rund 170.000 EUR — obwohl er zehn Jahre weniger spart, macht er fast 140.000 EUR weniger. Diese Zeit bekommt man nicht zurück.
Mehr erfahren →-Sparplan mit 50 EUR pro Monat ist besser als gar nichts. Wichtiger als der Betrag ist der Zeitpunkt — und der beste Zeitpunkt ist heute.
Die drei Säulen der Altersvorsorge
Das deutsche Altersvorsorgesystem baut auf drei Säulen. Jede hat ihre Logik — und jede hat ihre Grenzen.
Säule 1: Die gesetzliche Rentenversicherung
Wer sozialversicherungspflichtig arbeitet, zahlt automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung ein — du und dein Arbeitgeber jeweils 9,3 % deines Bruttolohns. Das klingt nach viel, bringt aber im Schnitt nur rund 1.550 EUR brutto pro Monat. Frauen erhalten im Schnitt sogar nur rund 1.000 EUR, da Teilzeit und Erziehungszeiten die Rentenpunkte drücken.
Zudem sinkt das Rentenniveau: 2024 liegt es bei rund 48 % des Durchschnittslohns, Tendenz weiter fallend. Wer heute gut verdient, wird im Alter eine deutliche Einkommenslücke erleben — die sogenannte Rentenlücke.
Säule 2: Die betriebliche Altersvorsorge (bAV)
Dein Arbeitgeber kann einen Teil deines Gehalts direkt in eine betriebliche Altersvorsorge umwandeln — steuer- und sozialabgabenfrei bis zu bestimmten Grenzen. Seit 2019 müssen Arbeitgeber bei neuen Verträgen mindestens 15 % Zuschuss draufgeben. Das ist ein echter Vorteil, wenn dein Arbeitgeber mitspielt. Nachteil: Du bist an den Vertrag des Unternehmens gebunden, die Kosten sind oft intransparent, und bei einem Jobwechsel gibt es Komplikationen.
Säule 3: Die private Altersvorsorge
Hier entscheidest du selbst. Riester (läuft aus), Rürup (für Selbstständige), Kapitallebensversicherung (teuer), oder — und das empfehlen unabhängige Finanzexperten seit Jahren — ein günstiger ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Sparplan. Ab 2027 kommt das neue AltersvorsorgedepotWas ist Altersvorsorgedepot?Neues staatlich gefördertes ETF-Depot für die Altersvorsorge ab 2026/2027. Ersetzt die Riester-Rente. Mit Grundzulage (max. 540 EUR/Jahr), Sonderausgabenabzug (bis 1.800 EUR/Jahr) und Pfändungsschutz.
Mehr erfahren → hinzu: ein staatlich gefördertes ETF-Depot, das die Nachteile von Riester ohne deren Kosten-Wildwuchs kombiniert.
Vergleich: Alle Vorsorge-Optionen auf einen Blick
| Option | Für wen? | Förderung | Rendite-Potenzial | Flexibilität |
|---|---|---|---|---|
| Gesetzliche Rente (GRV) | Alle Arbeitnehmer (Pflicht) | Keine extra Förderung | Niedrig (~2–3 %) | Keine |
| Betriebliche Altersvorsorge (bAV) | Arbeitnehmer mit gutem AG-Zuschuss | Steuer- & SV-frei bis 302 EUR/Monat | Mittel (je nach Vertrag) | Gering |
| Riester-Rente | Läuft aus — Neuabschluss kaum lohnenswert | Grundzulage + Kinderzulage | Niedrig–Mittel | Sehr gering |
| Rürup-Rente | Selbstständige, Gutverdiener | Hoher Steuerabzug | Mittel | Sehr gering |
| ETF-Depot (frei) | Alle | Keine direkte Förderung | Hoch (6–8 % historisch) | Sehr hoch |
| Altersvorsorgedepot (ab 2027) | Pflichtversicherte Arbeitnehmer | Bis 540 EUR/Jahr + Steuerabzug | Hoch (ETF-basiert) | Mittel |
Was "privat vorsorgen" konkret bedeutet
Privat vorsorgen klingt nach Aktien, Bankgesprächen und Risiko. In der Praxis reicht für die meisten Menschen eine einzige Entscheidung: ein monatlicher Dauerauftrag in einen breiten ETF-Sparplan. Das kostet 15 Minuten Einrichtung und danach fast keine Zeit mehr.
Ein MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne.
Mehr erfahren →-ETF enthält über 1.500 Unternehmen aus 23 Ländern. Wer darin spart, partizipiert an der globalen Wirtschaftsentwicklung — ohne Einzelaktienrisiko, ohne tägliche Marktbeobachtung. Die historische Durchschnittsrendite liegt bei rund 7–8 % pro Jahr über lange Zeiträume.
Ab 2027 gibt es mit dem Altersvorsorgedepot eine steuerlich geförderte Variante: Beiträge bis 1.800 EUR jährlich können als Sonderausgaben abgesetzt werden, und der Staat zahlt zusätzlich eine Grundzulage von bis zu 540 EUR. Alle Details dazu im Ratgeber Was ist das Altersvorsorgedepot?
Die Faustregel: Wie viel sollte ich sparen?
Als grobe Orientierung gilt: 10 bis 15 % des Nettoeinkommens für die Altersvorsorge. Wer früh anfängt, kommt mit 10 % aus. Wer später einsteigt, sollte Richtung 15–20 % denken.
Konkret heißt das: Bei 2.000 EUR Netto sind das 200–300 EUR pro Monat. Klingt viel? Fang mit 50 oder 100 EUR an und erhöhe den Betrag bei jeder Gehaltserhöhung. Den Sparplan richtig einrichten ist einfacher, als viele denken.
Wie groß deine persönliche Rentenlücke ist, zeigt dir der Rentenlückenrechner — damit weißt du, welchen Betrag du wirklich brauchst, statt nach Faustregeln zu raten.
Das Fundament: Das Drei-Säulen-Modell nutzen
Die klügste Strategie ist nicht eine einzige Option, sondern eine Kombination. Der Ratgeber Drei Säulen der Altersvorsorge erklärt, wie du die staatliche Rente als Basis nutzt, eine bAV falls sinnvoll obendrauflegst und den Rest privat über einen ETF-Sparplan oder das Altersvorsorgedepot aufbaust.
Das wichtigste Prinzip dabei: Diversifikation. Nicht alles auf eine Karte — weder auf eine einzige Aktie noch auf eine einzige Vorsorgeform.
Erste Schritte — konkret und machbar
- Renteninformation lesen: Schau in deinen letzten Rentenbescheid der Deutschen Rentenversicherung. Dort steht, wie viel Rente du voraussichtlich bekommst. Das ist die Ausgangszahl für alles weitere.
- Rentenlücke berechnen: Was brauchst du im Alter? Was bekommst du voraussichtlich? Die Differenz ist deine Lücke — und die musst du schließen.
- Budget festlegen: Was kannst du monatlich sparen? Auch 50 EUR sind ein Anfang. Besser jetzt 50 als nächstes Jahr 100 — die Zeit arbeitet für dich.
- Depot eröffnen und Sparplan einrichten: Bei einer Direktbank oder einem Neobroker (Scalable, Trade Republic, ING) ist ein ETF-Sparplan in 30 Minuten eingerichtet. Ab 2027 kommt das Altersvorsorgedepot als gefördertes Pendant dazu.
- Jährlich überprüfen: Sparplan-Betrag anpassen, Portfolio kontrollieren, Rentenlücke neu berechnen.
Wer noch nie einen ETF-Sparplan hatte und von Anfang an eine solide Grundlage aufbauen möchte, findet alles Wichtige in Von 0 zum Depot: Die 8-Schritte-Anleitung. Und ob sich ein ETF-Sparplan wirklich lohnt — mit echten Rendite-Zahlen im Vergleich — beantwortet Lohnt sich ein ETF-Sparplan wirklich? Für alle, die gerade ins Berufsleben starten: Erster Job, erste Vorsorge zeigt die fünf Prioritäten für die ersten Monate.
Berechne deine Altersvorsorge jetzt
Unser Rechner zeigt dir, wie viel du monatlich brauchst — und was aus deinen Beiträgen bis zur Rente wird.
Jetzt berechnen