Pflichtversicherung für Selbständige — Kommt sie doch noch?
Seit über einem Jahrzehnt diskutiert die Politik eine Pflicht-Altersvorsorge für Selbständige. Bisher ohne Ergebnis. Dafür gibt es jetzt das Altersvorsorgedepot — freiwillig, flexibel und staatlich gefördert. Hier erfährst du den aktuellen Stand und was das für dich bedeutet.
Key-Facts: Pflichtversicherung
- Selbständige ohne Pflichtversicherung 2,6 Mio.
- Politische Debatte seit ca. 2012
- Koalitionsvertrag 2021 Pflicht angekündigt, nicht umgesetzt
- Altersvorsorgedepot als Alternative ab 2027
- Solo-Selbständige ohne Vorsorge über 50 %
Die politische Debatte im Überblick
Die Idee ist nicht neu: Schon 2012 forderte die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen eine Pflicht-Altersvorsorge für Selbständige. Seitdem taucht das Thema in jeder Legislaturperiode auf — und verschwindet wieder.
Im Koalitionsvertrag 2021 (SPD, Grüne, FDP) stand explizit: „Für alle neuen Selbständigen, die keinem obligatorischen Alterssicherungssystem unterliegen, führen wir eine Pflicht zur Altersvorsorge mit Wahlfreiheit ein." Umgesetzt wurde das nicht. Stattdessen kam das AltersvorsorgedepotWas ist Altersvorsorgedepot?Neues staatlich gefördertes ETF-Depot für die Altersvorsorge ab 2026/2027. Ersetzt die Riester-Rente. Mit Grundzulage (max. 540 EUR/Jahr), Sonderausgabenabzug (bis 1.800 EUR/Jahr) und Pfändungsschutz.
Mehr erfahren → als freiwillige, geförderte Option — ein Kompromiss, der die Wahlfreiheit betont, aber keine Pflicht einführt.
Chronik der gescheiterten Pflicht-Versuche
| Jahr | Vorhaben | Status |
|---|---|---|
| 2012 | Von der Leyen: Pflichtversicherung für Selbständige | Nicht umgesetzt |
| 2017 | Koalitionsvertrag CDU/SPD: Altersvorsorgepflicht prüfen | Geprüft, nicht umgesetzt |
| 2019 | Hubertus Heil: Gesetzentwurf Altersvorsorgepflicht | Im Kabinett gescheitert |
| 2021 | Koalitionsvertrag Ampel: Pflicht mit Wahlfreiheit | Nicht umgesetzt (Koalition zerbrochen) |
| 2025/26 | Altersvorsorgedepot als freiwillige Alternative | Beschlossen und in Umsetzung |
Die Argumente für eine Pflichtversicherung
Die Befürworter argumentieren mit harten Zahlen: 2,6 Millionen Selbständige sind ohne obligatorische Alterssicherung. 33 % der Ex-Selbständigen leben mit unter 700 EUR Rente. Die Freiwilligkeit funktioniert nicht — das zeigt die Realität seit Jahrzehnten. Solo-Selbständige mit 1.200 EUR Netto sorgen nicht freiwillig vor, weil schlicht kein Geld übrig ist oder das Thema verdrängt wird.
Zudem belastet die Altersarmut von Ex-Selbständigen die Allgemeinheit: Grundsicherung im Alter wird aus Steuermitteln finanziert. Wer nie eingezahlt hat, erhält trotzdem die Grundsicherung. Eine Pflicht würde diese Belastung reduzieren und gleichzeitig die Betroffenen besser absichern.
Die Argumente dagegen
Die Gegner betonen die unternehmerische Freiheit: Wer selbständig ist, soll auch selbst entscheiden dürfen, wie er vorsorgt. Pflichtbeiträge belasten gerade Solo-Selbständige mit geringem Einkommen zusätzlich. Die Riester-RenteWas ist Riester-Rente?Staatlich geförderte Altersvorsorge seit 2002. Gescheitert wegen zu hoher Kosten, Garantiepflicht und niedriger Rendite. Wird ab 2027 durch das Altersvorsorgedepot ersetzt.
Mehr erfahren → hat gezeigt, dass staatlich verordnete Vorsorgeprodukte nicht automatisch gut sind. Und viele Selbständige sorgen durchaus vor — nur nicht über die gesetzliche Rente (Immobilien, ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Depots, Unternehmensanteile).
Besonders Freiberufler mit Versorgungswerk und KSK-Mitglieder argumentieren: Wir haben bereits eine Pflichtvorsorge. Eine zusätzliche Pflicht wäre eine Doppelbelastung.
Was bedeutet das für dein Altersvorsorgedepot?
Kurzfassung: Nichts Negatives. Das Altersvorsorgedepot ist unabhängig von einer möglichen Pflichtversicherung nutzbar. Es ist sogar denkbar, dass eine künftige Pflicht das Altersvorsorgedepot als eine der Wahlmöglichkeiten vorsieht — ähnlich wie der Koalitionsvertrag 2021 „Pflicht mit Wahlfreiheit" formulierte.
Mögliche Szenarien:
- Pflicht kommt mit Wahlfreiheit: Selbständige müssen vorsorgen, können aber zwischen gesetzlicher Rente, Rürup und Altersvorsorgedepot wählen. Dein bestehendes Depot wird anerkannt.
- Pflicht kommt als GRV-Pflicht: Alle Selbständigen müssen in die gesetzliche Rente einzahlen. Das Depot bleibt als freiwillige Ergänzung — der SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren → und die GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
Mehr erfahren → gelten weiterhin. - Pflicht kommt nicht: Alles bleibt wie es ist. Wer nicht vorsorgt, riskiert Altersarmut.
Strategischer Vorteil: Wer jetzt schon ein Altersvorsorgedepot hat, ist in jedem Szenario gut aufgestellt. Kommt eine Pflicht, wird dein Depot angerechnet. Kommt sie nicht, hast du trotzdem vorgesorgt. Die GünstigerprüfungWas ist Günstigerprüfung?Das Finanzamt prüft automatisch, ob die Zulagen oder der Sonderausgabenabzug für dich vorteilhafter ist. Du bekommst immer das bessere Ergebnis.
Mehr erfahren → stellt sicher, dass du steuerlich optimal profitierst — ob als PflichtversichertWas ist Pflichtversichert?Wer Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlt — die Grundvoraussetzung für die Förderung beim Altersvorsorgedepot.
Mehr erfahren →er oder nicht.
Was Selbständige jetzt tun sollten
Auf die Politik warten ist keine Strategie. Egal ob die Pflicht kommt oder nicht — die Zeit arbeitet gegen dich. Jedes Jahr ohne Vorsorge ist ein verlorenes Jahr Zinseszinseffekt. Das Altersvorsorgedepot bietet dir jetzt:
- Bis zu 540 EUR GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
Mehr erfahren → pro Jahr - SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren → bei hohem GrenzsteuersatzWas ist Grenzsteuersatz?Der Steuersatz, der auf den letzten verdienten Euro anfällt. Liegt je nach Einkommen zwischen 14% und 45%. Entscheidend für die Berechnung der Steuerersparnis.
Mehr erfahren → - Insolvenzschutz
- Flexible Beiträge bei schwankendem Einkommen
- ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-basiert mit niedrigen Kosten (TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten.
Mehr erfahren →)
Für Gründer, GmbH-Geschäftsführer, selbständige Frauen und alle anderen: Nicht warten, jetzt rechnen und starten.
Vorteile (jetzt starten)
- Zinseszinseffekt beginnt sofort zu wirken
- Depot wird bei möglicher Pflicht voraussichtlich anerkannt
- Staatliche Förderung ab dem ersten Beitrag
- Kein Nachteil, wenn Pflicht doch nicht kommt
- Nachgelagerte BesteuerungWas ist Nachgelagerte Besteuerung?Steuerprinzip bei der Altersvorsorge: In der Ansparphase steuerfrei, erst bei der Auszahlung im Ruhestand wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.
Mehr erfahren → meist vorteilhaft im Alter
Nachteile / Risiken
- Politische Unsicherheit — Rahmenbedingungen können sich ändern
- Mögliche Pflicht könnte andere Produkte bevorzugen
- FörderschädlichWas ist Förderschädlich?Wenn du das Geld vor dem Rentenalter entnimmst, musst du alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Die Kursgewinne darfst du behalten.
Mehr erfahren →e Entnahme bei Geldnot = Zulagen zurück - Kein Zugriff auf Kapital vor Rente
- Doppelbelastung bei späterer GRV-Pflicht + Depot
Selbständige und das Altersvorsorgedepot
Der komplette Überblick zur Förderung.
50 % ohne Vorsorge
Warum die Freiwilligkeit nicht funktioniert.
Altersarmut bei Selbständigen
Die Konsequenzen fehlender Pflicht.
Gründungsphase
Warum gerade Gründer nicht warten sollten.
Selbständige Frauen
Der Gender Pension Gap wartet nicht auf die Politik.
Nebenberuflich selbständig
Pflicht oder nicht — so nutzt du das Depot optimal.
Häufige Fragen
Wird die Pflichtversicherung für Selbständige tatsächlich eingeführt?
Die Pflichtversicherung für Selbständige ist seit Jahren diskutiert, aber 2026 noch nicht umgesetzt. Der Koalitionsvertrag 2025 enthält keine entsprechende Regelung. Das BMAS prüft das Modell, konkrete Gesetzgebung ist nicht in Sicht. Was 2026 tatsächlich kommt: Das pAV-Reformgesetz (Bundesrat 24.04.2026 einstimmig, in Kraft 01.01.2027) mit dem Altersvorsorgedepot – das ist die staatlich geförderte, aber freiwillige Alternative zur Pflichtversicherung. Die Wahrscheinlichkeit einer echten Pflichtversicherung für alle Selbständigen in den nächsten 5–10 Jahren ist politisch niedrig, da der Widerstand aus dem Selbständigenverband und der FDP-Tradition groß ist. Realistischer: Pflicht für bestimmte Berufsgruppen (Soloselbständige ohne andere Absicherung).
Welche Selbständigen sind bereits zur Altersvorsorge verpflichtet?
Einige Selbständige unterliegen bereits einer Versicherungspflicht: Handwerksmeister in der Handwerksrolle sind 18 Jahre pflichtversichert in der GRV. Lehrer, Erzieher, Pflegepersonen, Hebammen, Künstler und Publizisten fallen unter die Künstlersozialversicherung (KSV) – zahlen also GRV-Beiträge, aber nur den halben Beitragssatz. Berufsständische Versorgungswerke sind Pflicht für Ärzte, Rechtsanwälte, Notare, Apotheker, Architekten, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer. Wer als Freiberufler einem Versorgungswerk angehört, kann sich von der GRV befreien lassen. Für alle anderen Selbständigen gibt es keine Pflicht – aber das AVD ab 2027 bietet erstmals eine staatlich geförderte, zugängliche Vorsorgemöglichkeit auch für diese Gruppe.
Was würde eine Pflichtversicherung für Selbständige konkret bedeuten?
In den diskutierten Modellen würden Selbständige 18,6 % ihres Einkommens (bis zur BBG 90.600 EUR/Jahr 2026) in die GRV einzahlen – ohne Arbeitgeberanteil, also alles selbst. Bei 4.000 EUR Monatsgewinn wären das 744 EUR/Monat. Im Gegenzug entstünden GRV-Ansprüche: 4.000 EUR Gewinn × 12 Monate = 48.000 EUR Jahresverdienst × Rentenwert → ca. 400–450 EUR/Monat Rente nach 10 Jahren. Das klingt attraktiv, ist aber teurer als ein selbstverwaltetes ETF-Depot bei gleicher Renditeerwartung. Modellrechnung: 744 EUR/Monat in ETF-Depot bei 7 % p.a. über 25 Jahre = ca. 730.000 EUR Vermögen vs. GRV-Anspruch ca. 1.200 EUR/Monat Rente – Kapitalwert ca. 340.000 EUR. Das freie Depot bringt bei langen Laufzeiten statistisch mehr.
Was ist das Altersvorsorgedepot (AVD)?
für die private Altersvorsorge. Einzahlungen werden mit Grundzulage (540 EUR/Jahr), Kinderzulage (300 EUR/Kind) und Sonderausgabenabzug (bis 1.800 EUR/Jahr) gefördert. In der Ansparphase keine Abgeltungsteuer - Kapital arbeitet ungestört bis zur Rente.
Wie hoch ist die staatliche Förderung beim Altersvorsorgedepot?
Grundzulage: 540 EUR/Jahr. Kinderzulage: 300 EUR/Kind/Jahr. Berufseinsteigerbonus: 200 EUR (einmalig, unter 25 Jahren). Sonderausgabenabzug: bis 1.800 EUR/Jahr. Bei 35% Steuersatz und maximaler Einzahlung: Gesamtförderung über 1.350 EUR/Jahr möglich.
Wie eröffne ich ein Altersvorsorgedepot?
Anbieter wählen (Neobroker, Direktbank oder Filialbank), online Depot eröffnen (Video-Ident), ETF-Sparplan einrichten, Zulagenantrag automatisch durch Anbieter. Erste Einzahlung ab 1 EUR möglich. Förderung ab Eröffnung im selben Kalenderjahr anrechenbar.
Frühstart-Rente
Frühstart-Rente: Bis zu 10 EUR monatlich vom Staat für Kinder unter 18. Langfristiger Zinseszins bei 67 Jahren Laufzeit. Aktueller Stand 2026.
Selbständige erstmals gefördert
Selbständige und Freelancer erhalten erstmals volle staatliche Förderung für die Altersvorsorge. Was das Altersvorsorgedepot für dich als Selbständiger bedeutet.
Sozialversicherung für Selbständige
Sozialversicherung für Selbständige: Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung,.
Rentenpunkt 2026
Ein Rentenpunkt ist 2026 ca. 40,79 EUR wert. Wie du Rentenpunkte sammelst, was sie für deine Rente bedeuten und wie sich der Wert entwickelt hat.