Einmal jährlich verschickt die Deutsche Rentenversicherung (DRV) die Renteninformation an alle Versicherten ab 27 Jahren mit mindestens 5 Beitragsjahren. Viele Empfänger werfen einen kurzen Blick auf die Rentenzahl und legen das Schreiben in die Ablage. Das ist ein Fehler — der Brief enthält die Grundlage für die gesamte Altersvorsorge-Planung.
Der Aufbau der Renteninformation
Die Renteninformation enthält mehrere Blöcke:
- Bisherige Rentenansprüche: Was du heute Rente bekommen würdest wenn du morgen in Rente gehst
- Hochrechnung bei Weiterarbeit: Was du mit 67 bekommst wenn du bis dahin gleich verdienst
- Entgeltpunkte und Beitragszeiten: Wie viele Jahre und Punkte bisher gesammelt
- Rentenminderung bei Frührenteneintritt
Was die Rentenzahlen wirklich bedeuten
Die Hochrechnung "Was Sie mit 67 bekommen würden" enthält zwei wichtige Annahmen die im Kleingedruckten stehen:
- Keine Inflation eingerechnet: Die angegebenen 1.500 EUR sind nominal — real (inflationsbereinigt) sind es in 30 Jahren deutlich weniger
- Gleichbleibende Verdienste: Die Hochrechnung geht davon aus, dass du immer gleich viel verdienst — Gehaltserhöhungen, aber auch Krankheit, Teilzeit oder Elternzeit verändern das
Realistischere Lesart: Die Zahl mit 0,7 multiplizieren für eine inflationsbereinigte Schätzung (bei 3% Inflation über 30 Jahre).
Entgeltpunkte und Lücken prüfen
Im Kontoauszug (separater Antrag über DRV-Website nötig, nicht in der Jahresinformation) siehst du alle Beitragsjahre und Entgeltpunkte einzeln. Was zu prüfen ist:
- Kindererziehungszeiten korrekt erfasst? (3 Entgeltpunkte pro Kind möglich)
- Studienzeiten, Wehr-/Zivildienst eingetragen?
- Lücken in Selbstständigkeitsphasen — können freiwillige Beiträge sinnvoll sein?
- Alle Beschäftigungsverhältnisse erfasst?
Rentenlücke aus der Information ableiten
Schritt-für-Schritt-Ableitung der eigenen Rentenlücke:
- Hochgerechnete Rente aus der Information nehmen: z.B. 1.400 EUR
- Inflationsabzug (30 Jahre, 2,5% p.a.): × 0,74 = 1.036 EUR reale Kaufkraft
- Steuerabzug: Besteuerungsanteil 2026: 83% der Rente, bei 1.036 EUR Rente ohne weiteres Einkommen: kaum Steuer (unter Grundfreibetrag)
- Netto-Rente (real): ca. 1.000-1.050 EUR/Monat
- Gewünschtes Einkommen: 2.000 EUR
- Rentenlücke: ca. 950-1.000 EUR/Monat
Das DRV-Online-Konto nutzen
Die DRV bietet unter mein.deutsche-rentenversicherung.de ein Online-Konto. Dort gibt es:
- Vollständiger Versicherungsverlauf mit allen Beitragsjahren
- Auskunft über mögliche Frührentenabzüge (für Planung ab 50 sinnvoll)
- Berechnung der Ausgleichszahlung für Frührentenabzüge
Fazit: Renteninformation ist der Start der Altersvorsorge-Planung
Die Renteninformation korrekt zu lesen — inflationsbereinigt, nach Steuern, mit Lücken-Check — dauert 30 Minuten und liefert die wichtigste Zahl für die Altersvorsorge: die eigene Rentenlücke. Wer diese Zahl kennt, kann konkret berechnen wie viel Kapital er im ETF-Depot aufbauen muss. Ohne diese Basis spart man ins Blaue.