Alle Parteien zur Rente 2026
CDU, SPD, Grüne, FDP, AfD — was steckt hinter den Wahlversprechen zur Altersvorsorge?
Die Bundestagswahl vom 23. Februar 2025 hat CDU/CSU und SPD in eine Koalition gebracht. Das Altersvorsorgedepot steht im Koalitionsvertrag — es kommt. Aber wie stehen die einzelnen Parteien zum Thema Rente? Was hätte eine andere Koalition gebracht? Und was planen Opposition und Regierung als nächstes? Eine Übersicht — sachlich, ohne Wertung.
CDU/CSU + SPD: Die Koalition die das Depot beschlossen hat
Das Altersvorsorgedepot ist ein CDU/FDP-Projekt, das die Ampel-Koalition (2021–2024) nicht schaffte. CDU und SPD haben es im Koalitionsvertrag 2025 konkret verankert:
- Start: 1. Januar 2027
- Grundzulage: 540 Euro pro Person und Jahr
- Kinderzulage: 300 Euro pro Kind
- Berufseinsteigerbonus: 200 Euro einmalig
- Frühstart-Rente: 10 Euro/Monat staatlich für Kinder zwischen 6 und 18 Jahren
- Kostendeckel: 1 % TER Gesamtkosten
- Standarddepot: staatliche Auffanglösung für alle die keinen Anbieter wählen
Die SPD hatte ursprünglich ein höheres Rentenniveau gefordert und war skeptisch gegenüber Aktieninvestitionen für die Rente. Der Kompromiss: Das Depot ist freiwillig und ergänzt die gesetzliche Rente, ersetzt sie nicht. Das Rentenniveau bleibt gesetzlich bei mindestens 48 % bis 2040 gesichert.
CDU/CSU: Treiber des Depots
Die Union hat das Altersvorsorgedepot maßgeblich entwickelt. Kernüberzeugung: Private Vorsorge stärken, staatliche Abhängigkeit reduzieren. Die Union sieht das Depot als langfristige Entlastung für das umlagefinanzierte Rentensystem — je mehr Menschen privat vorsorgen, desto weniger Druck auf die gesetzliche Rentenkasse.
Weitergehende Pläne der Union: Langfristig den Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung stabilisieren (derzeit 18,6 %, bis 2035 droht er ohne Reform auf über 22 % zu steigen). Das Depot soll diesen Druck mindern — aber es ersetzt keine strukturelle Reform der Demografie.
SPD: Ja zum Depot, aber mit Bedingungen
Die SPD hat das Altersvorsorgedepot mitgetragen — gegen Widerstände im linken Flügel. Die Sozialdemokraten haben drei Kernbedingungen durchgesetzt:
- Freiwilligkeit: Niemand wird gezwungen. Wer kein Depot will, verliert keine Rentenansprüche.
- Kostendeckel: Ohne die SPD-Forderung wäre der 1%-TER-Deckel möglicherweise weicher ausgefallen.
- Standarddepot: Eine staatliche Auffanglösung damit auch Niedrigverdiener ohne Finanzwissen profitieren.
Die SPD will das Rentenniveau über 2025 hinaus sichern und ist grundsätzlich für höhere Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, wenn das nötig ist. Das Depot ist für sie Ergänzung, nicht Ersatz.
Grüne: Für das Depot, aber lieber ein staatlicher Fonds
Die Grünen haben in der Ampel ein alternatives Modell vertreten: einen staatlichen Bürgerfonds nach skandinavischem Vorbild (ähnlich dem norwegischen Staatsfonds). Das Prinzip: Alle zahlen ein, alle profitieren von den Kapitalmarktrenditen — kollektiv statt individuell.
Der Grünen-Ansatz hätte eine breitere Risikoverteilung geboten, aber weniger individuelle Wahlfreiheit. Das jetzige Altersvorsorgedepot-Modell — individuelles Depot mit staatlicher Förderung — ist das liberalere Modell. Die Grünen haben es mitgetragen, sehen aber weiterhin den Bürgerfonds als bessere Langfristlösung.
FDP: Ursprünglicher Antreiber, jetzt in der Opposition
Die FDP hat das Altersvorsorgedepot erfunden — in der Ampel-Koalition war es ihr wichtigstes Rentenprojekt. Die Liberalen wollten ursprünglich mehr: Teilweise Kapitaldeckung der gesetzlichen Rentenversicherung (analog zum schwedischen AP7-Modell), also dass ein Teil der Pflichtbeiträge in Aktienfonds fließt.
Das scheiterte am SPD-Widerstand. Was blieb, ist das freiwillige Depot. Die FDP in der Opposition dürfte weiterhin für eine stärkere Kapitaldeckung werben — und ist potenziell natürlicher Partner für eine weitere Reform in dieser Richtung.
AfD: Grundsätzlich für private Vorsorge, aber andere Prioritäten
Die AfD befürwortet grundsätzlich private Altersvorsorge und Eigenverantwortung — das Altersvorsorgedepot ist damit kompatibel. Die Partei hat aber im Bundestag mehrfach betont, dass die Hauptpriorität die Sicherung der gesetzlichen Rente für die bestehende Generation sei, nicht neue Fördermodelle.
Konkrete Forderungen: Höheres Rentenniveau für Geringverdiener und Langzeitarbeitslose, stärkerer Schutz vor Altersarmut durch die gesetzliche Rente. Das Depot sieht die AfD als "Bonus für die Mittelschicht" — nicht als Lösung für alle.
Vergleich: Kernpositionen auf einen Blick
| Partei | Altersvorsorgedepot | Rentenniveau | Kapitaldeckung | Hauptfokus |
|---|---|---|---|---|
| CDU/CSU | Treiber ✓ | 48 % bis 2040 | Ja, freiwillig | Private Vorsorge stärken |
| SPD | Mitträger ✓ | 48 % + dauerhaft | Nur freiwillig | Gesetzliche Rente sichern |
| Grüne | Ja, aber Bürgerfonds besser | Erhöhen auf 50 % | Kollektiver Fonds | Kollektive Lösung |
| FDP | Erfinder ✓✓ | Markt entscheidet | Auch Pflichtanteil | Maximale Kapitaldeckung |
| AfD | Neutral | Deutlich höher | Kein Fokus | Schutz Bestandsrentner |
| Linke/BSW | Ablehnung | Stark erhöhen | Nein | Umverteilung, Solidarrente |
Was kommt als nächstes politisch?
Das Altersvorsorgedepot ist beschlossen (Bundestag 27.03.2026, Bundesrat April 2026) — die politische Debatte ist damit nicht beendet, sondern verschiebt sich:
- Kurzfristig (2026–2027): Welche Anbieter werden zugelassen? Wie wird das Standarddepot ausgestaltet? Wer verwaltet es?
- Mittelfristig (2027–2030): Wie viele Menschen nehmen das Angebot an? Erste Evaluierung — reichen die Anreize?
- Langfristig (ab 2030): Wird das Rentenniveau trotz Demografie haltbar? Braucht es weitere Reformen? Die FDP dürfte eine stärkere Kapitaldeckung der gesetzlichen Rente neu ins Spiel bringen.
Für dich als Sparer gilt: Das Depot kommt, die Förderung ist gesetzlich verankert. Die politischen Debatten über Nachbesserungen werden kommen — aber sie ändern nichts an der Grundentscheidung, jetzt mit dem Aufbau zu beginnen.
Häufige Fragen
Was haben CDU/CSU und SPD im Koalitionsvertrag 2025 zur Rente vereinbart?
Wesentliche Rentenpunkte im Koalitionsvertrag April 2025: 1. Altersvorsorgedepot als neues gefördertes Instrument (beschlossen April 2026, Start 2027). 2. Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 % (bis 2030). 3. Fortführung des Generationenkapitals (staatlicher Aktienfonds). 4. Riester-Ablösung durch neues System (AVD). 5. Keine Rentenalter-Erhöhung vereinbart (bleibt 67 Jahre). Die größte Einigung war das AVD — ein Kompromiss: CDU wollte mehr Kapitalmarkt, SPD wollte mehr GRV-Absicherung. Das AVD ist freiwillig, nicht obligatorisch.
Könnte eine andere Regierung das Altersvorsorgedepot wieder abschaffen?
Rechtlich: Ja, jedes Gesetz kann wieder geändert werden. Praktisch: Sehr unwahrscheinlich. Der Bundesrat hat am 24. April 2026 einstimmig zugestimmt — keine Länderkammer hatte Einwände. Das spricht für breiten politischen Konsens. Vergleich Riester: Auch Riester war anfangs umstritten und überlebte mehrere Regierungswechsel (22 Jahre!). Sobald Millionen Menschen AVDs haben, entsteht eine starke Wählerlobby für deren Beibehaltung. Wichtig für Sparer: Auch wenn das AVD geändert würde, wären eingezahltes Geld und Rendite als Privateigentum geschützt.
Was wollen die Parteien zum Rentenniveau?
Stand 2026 nach Bundestagswahl: CDU/SPD-Koalition: 48 % Rentenniveau gesetzlich gesichert bis 2030. SPD wollte 50 % dauerhaft, CDU sah das als zu teuer — Kompromiss 48 % befristet. Grüne: 48 % + Bürgerversicherung (alle in die GRV, auch Beamte und Selbständige). AfD: Kapitalgedeckte Elemente, höhere GRV-Beiträge ablehnen. FDP: Mehr private Vorsorge, AVD ausbauen, GRV-Beitragssatz deckeln. Für Sparer relevant: Das Rentenniveau bestimmt wie viel die GRV langfristig zahlt — je niedriger, desto wichtiger ist private Vorsorge über AVD oder ETF-Depot.
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