Wer ein ETF-Depot aufbaut, landet früher oder später bei zwei Namen: MSCI World und FTSE All-World. Beide klingen ähnlich, decken aber unterschiedlich viel der Welt ab. Die Wahl zwischen den beiden ist keine Geschmackssache — sie hat reale Auswirkungen auf Streuung, Kosten und langfristige Rendite.
Der entscheidende Unterschied: Schwellenländer
Der MSCI World umfasst rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Klingt viel — ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass er keine einzige Aktie aus Schwellenländern (Emerging Markets) enthält. Kein China, kein Indien, kein Brasilien, kein Südkorea.
Der FTSE All-World dagegen enthält rund 4.000 Unternehmen aus 49 Ländern — inklusive aller großen Schwellenländer. Wer den FTSE All-World kauft, investiert automatisch in Alibaba, Taiwan Semiconductor, Samsung und Tata Consultancy Services.
| Merkmal | MSCI World | FTSE All-World |
|---|---|---|
| Anzahl Unternehmen | ~1.400 | ~4.000 |
| Länder | 23 (nur Industrieländer) | 49 (inkl. Emerging Markets) |
| Schwellenländer-Anteil | 0 % | ~11 % |
| USA-Anteil | ~70 % | ~63 % |
| Größte Position | Apple ~5 % | Apple ~4 % |
| Typischer TER (günstigste ETFs) | 0,12 % p.a. | 0,22 % p.a. |
Das USA-Problem: 70 % in einem Land
Beide Indizes sind stark auf die USA konzentriert — beim MSCI World sind es rund 70 Prozent, beim FTSE All-World etwas weniger durch den Schwellenländer-Puffer. Das bedeutet: Läuft der S&P 500 schlecht, läuft auch dein "Welt-ETF" schlecht. Das war in der Finanzkrise 2008 genauso wie im Corona-Crash 2020.
Das ist kein Fehler, sondern Absicht: Die USA haben die größten und wertvollsten Unternehmen der Welt. Apple, Microsoft, NVIDIA, Amazon, Alphabet — alles US-Konzerne. Wer das Weltmarktportfolio abbilden will, kommt an einem hohen USA-Anteil nicht vorbei.
Die Gegenfrage lautet: Ist das riskant? Historisch gesehen hat der S&P 500 über 30 Jahre eine der besten Renditen aller nationalen Märkte geliefert. Wer die USA untergewichtet hätte, hätte schlechter abgeschnitten. Trotzdem: 100 % USA wäre konzentrationsrisiko — 70 % ist bereits Diversifikation, nur eben mit starker US-Übergewichtung.
Performance-Vergleich: Wer hat mehr gebracht?
Über die letzten 10 Jahre hat der MSCI World minimal besser abgeschnitten als der FTSE All-World — hauptsächlich weil die Schwellenländer in diesem Zeitraum schwach liefen. China war lange ein Belastungsfaktor, Indien hat sich gut entwickelt, aber insgesamt konnten Emerging Markets die starken US-Aktien nicht kompensieren.
| Zeitraum | MSCI World (p.a.) | FTSE All-World (p.a.) | Differenz |
|---|---|---|---|
| 1 Jahr (2025) | +12,1 % | +11,3 % | MSCI +0,8 % |
| 5 Jahre | +11,8 % p.a. | +11,2 % p.a. | MSCI +0,6 % |
| 10 Jahre | +10,4 % p.a. | +9,9 % p.a. | MSCI +0,5 % |
| 20 Jahre | +8,7 % p.a. | +8,5 % p.a. | MSCI +0,2 % |
Der Unterschied ist minimal. Über 30 Jahre mit 200 Euro monatlich macht ein halbes Prozent mehr Rendite bei 7 % Basisrendite einen Unterschied von rund 28.000 Euro im Endkapital — nicht trivial, aber auch kein gamechanger.
Kosten: Kleiner Unterschied, große Wirkung
MSCI-World-ETFs sind günstiger, weil der Index einfacher nachzubilden ist (1.400 statt 4.000 Aktien). Der günstigste MSCI-World-ETF kostet 0,12 % TER pro Jahr (Xtrackers MSCI World Swap). Der günstigste FTSE-All-World-ETF liegt bei rund 0,22 % TER (Vanguard FTSE All-World).
Klingt wenig — über 30 Jahre bei 200 Euro monatlich bedeutet der 0,10%-Kostenvorteil des MSCI World rund 4.000 Euro mehr im Endportfolio (bei 7 % Basisrendite).
- MSCI World: Xtrackers MSCI World Swap (IE00BJ0KDQ92, TER 0,12 %), iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983, TER 0,20 %)
- FTSE All-World: Vanguard FTSE All-World (IE00B3RBWM25, TER 0,22 %), iShares MSCI ACWI (IE00B6R52259, TER 0,20 %)
Schwellenländer: Chance oder Risiko?
China macht derzeit rund 3-4 % des FTSE All-World aus. Das ist nach dem Rückgang von früher über 5 % deutlich weniger geworden — politische Risiken, Immobilienkrise (Evergrande), Regulierungsschock für Tech-Unternehmen haben den Markt belastet.
Indien dagegen hat sich auf fast 2 % hochgearbeitet und ist der am schnellsten wachsende große Markt weltweit. Wer glaubt, dass das 21. Jahrhundert asiatisch wird, sollte Schwellenländer dabeihaben. Wer ruhiger schlafen will und einfache Konstruktion bevorzugt: MSCI World.
Eine dritte Option: MSCI World + MSCI Emerging Markets ETF im Verhältnis 70:30. Das ist teurer in der Verwaltung, aber flexibler. Im Altersvorsorgedepot ist Einfachheit oft besser — wer einmal einrichtet und dann nicht mehr anpasst, fährt langfristig gut.
Welcher ETF für das Altersvorsorgedepot?
Für das Altersvorsorgedepot ab 2027 gibt es keine "richtige" Antwort — aber eine pragmatische:
- MSCI World ist die einfachere, günstigere Wahl. Wenn du nur einen ETF willst, ist er die solide Basis.
- FTSE All-World bietet echte Weltmarkt-Abdeckung inkl. Schwellenländer. Gut für alle, die China/Indien-Wachstum mitnehmen wollen.
- Beide performen langfristig sehr ähnlich — die Wahl hat keine dramatischen Folgen.
- Wichtiger als die ETF-Wahl ist die Konsistenz: Sparplan aufsetzen, nicht abbrechen, nicht in der Krise verkaufen.
Den Rechenvergleich beider Optionen über deine gewünschte Laufzeit findest du im ETF-Vergleichsrechner.
Fazit
MSCI World oder FTSE All-World — du kannst nicht wirklich falsch liegen. Der MSCI World ist günstiger und einfacher. Der FTSE All-World ist breiter gestreut. Über 30 Jahre liegt die Performancedifferenz bei unter 0,5 % p.a. — weniger als die Frage, ob du 200 oder 210 Euro im Monat sparst. Entscheide dich und bleib dabei.