ETF in der GmbH versteuern: Körperschaftsteuer, Teilfreistellung & Effektivsteuersatz
Die GmbH zahlt auf ETF-Erträge nur ca. 12 % effektive Steuer statt 26,375 % im Privatdepot — aber die Berechnung ist nicht trivial. Hier sind alle Steuerregeln erklärt.
Das Investmentsteuergesetz gilt für ETFs in der GmbH
ETFs sind nach deutschem Recht Investmentfonds. Für sie gilt das Investmentsteuergesetz (InvStG), nicht das allgemeine Körperschaftsteuerrecht. Das InvStG unterscheidet drei Fondstypen mit unterschiedlichen Teilfreistellungssätzen für Kapitalgesellschaften:
| ETF-Typ | Mindest-Aktienquote | Teilfreist. KSt | Teilfreist. GewSt | Beispiel |
|---|---|---|---|---|
| Aktienfonds | ≥ 51 % Aktien | 80 % steuerfrei | 40 % steuerfrei | MSCI World ETF, S&P 500 ETF |
| Mischfonds | ≥ 25 % Aktien | 40 % steuerfrei | 20 % steuerfrei | 60/40 ETF-Portfolio |
| Sonstige Fonds | < 25 % Aktien | 0 % | 0 % | Anleihen-ETFs, Geldmarkt-ETFs |
Effektive Steuerbelastung berechnen
Für einen klassischen MSCI-World-ETF in der GmbH (Aktienfonds, ≥ 51 % Aktien) ergibt sich folgende Berechnung:
→ 80 % Teilfreistellung (KSt): nur 200 EUR steuerpflichtig
→ 15 % Körperschaftsteuer auf 200 EUR = 30 EUR
→ 5,5 % Soli auf 30 EUR = 1,65 EUR
→ 40 % Teilfreistellung (GewSt): 600 EUR steuerpflichtig
→ ca. 14 % Gewerbesteuer auf 600 EUR = ca. 84 EUR
→ Gesamt: ca. 115 EUR Steuern auf 1.000 EUR = ca. 11,5 %
Privatdepot: 1.000 EUR × (1 − 30 % TF) × 26,375 % = 184,63 EUR = 18,5 %
Vorabpauschale in der GmbH
Auch thesaurierende ETFs in der GmbH unterliegen der Vorabpauschale — der jährlichen Mindestbesteuerung auf nicht ausgeschüttete Fondserträge. Die Vorabpauschale wird ebenfalls mit der Teilfreistellung reduziert und ist im nächsten Jahr mit dem Sparerpauschbetrag verrechenbar. Achtung: GmbHs haben keinen Sparerpauschbetrag (1.000 EUR). Die Vorabpauschale fällt daher ungekürzt an.
Ausschüttung an den Gesellschafter: Doppelbesteuerung
Der Steuervorteil der GmbH existiert nur solange das Geld in der GmbH bleibt. Sobald du als Gesellschafter eine Dividende ausschüttest:
- GmbH zahlt ~12 % effektive Steuer auf ETF-Ertrag
- Verbliebener Gewinn wird als Dividende ausgeschüttet
- Gesellschafter zahlt nochmals 26,375 % Kapitalertragsteuer auf die Ausschüttung
- Gesamtbelastung: ca. 35–40 %
Das ist höher als das Privatdepot mit 26,375 %. Das GmbH-Depot lohnt sich daher ausschließlich bei langfristiger Thesaurierung und Reinvestition — nicht bei sofortigem Konsum der Gewinne.
Steuerliche Unterschiede: GmbH vs. Privatdepot im Überblick
| Aspekt | GmbH-Depot (Aktienfonds) | Privatdepot |
|---|---|---|
| Steuersatz auf Kursgewinn | ~11,5 % | ~18,5 % (nach 30 % TF) |
| Steuersatz auf Dividenden | ~11,5 % | ~18,5 % (nach 30 % TF) |
| Sparerpauschbetrag | Nein (GmbH hat keinen) | Ja (801 EUR/Person) |
| Vorabpauschale | Ja (volle Vorabpauschale) | Ja (abzüglich Sparerpauschbetrag) |
| Steuerpflicht bei Ausschüttung | Nein (Thesaurierung möglich) | Immer sofortige Besteuerung |
| Gesamtbelastung bei Entnahme | ~35–40 % | ~18,5 % |
Hinweis: Keine Steuerberatung. Die Besteuerung von ETFs in Kapitalgesellschaften ist einzelfallabhängig — insbesondere Gewerbesteuer (Hebesatz je Gemeinde) und erweiterte Kürzung sind steuerberatungspflichtig. Bitte konsultiere einen Steuerberater vor Entscheidungen.
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Häufige Fragen
Welcher Steuersatz gilt für ETFs in der GmbH?
ETF-Erträge in der GmbH unterliegen 15 % Körperschaftsteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag (= 15,825 %) sowie Gewerbesteuer (ca. 14 %, je nach Gemeinde). Durch die Teilfreistellung von 80 % für Aktienfonds sinkt die effektive Steuerbelastung auf ca. 12 % — deutlich günstiger als die 26,375 % Abgeltungssteuer im Privatdepot.
Was ist das Teileinkünfteverfahren bei GmbH-ETFs?
Das Teileinkünfteverfahren gilt für Gewinnausschüttungen aus GmbH-Beteiligungen an natürliche Personen — NICHT für ETF-Erträge direkt in der GmbH. ETFs in der GmbH unterliegen dem Investmentsteuergesetz (InvStG) mit der Teilfreistellung von 80 % (Aktienfonds).
Muss die GmbH Gewerbesteuer auf ETF-Erträge zahlen?
Grundsätzlich ja. Für Aktienfonds-ETFs gilt eine Teilfreistellung von 40 % bei der Gewerbesteuer (statt 80 % bei der Körperschaftsteuer). Kapitalgesellschaften ohne operatives Geschäft können unter bestimmten Voraussetzungen von der erweiterten Gewerbesteuerkürzung profitieren — das ist aber steuerberatungsintensiv.
Was passiert bei Ausschüttung aus der GmbH an den Gesellschafter?
Bei Ausschüttung als Dividende (verdeckte Gewinnausschüttung oder reguläre Dividende) zahlt der Gesellschafter als natürliche Person nochmals 26,375 % Kapitalertragsteuer auf die Ausschüttung. Das ergibt eine Gesamtbelastung von ca. 35–40 %. Der Steuervorteil entsteht nur durch die Thesaurierung in der GmbH.