ETF kaufen als GmbH und UG: Anbieter, Steuern & Depot-Vergleich
Du hast Geld in deiner GmbH oder UG und willst es nicht auf dem Konto liegen lassen? ETFs sind die naheliegende Option — aber viele bekannte Broker bieten kein Firmendepot. Hier findest du die echten Anbieter, die Steuerfakten und wann sich das überhaupt lohnt.
Welche Broker bieten ein Firmendepot für GmbH und UG?
Von den bekannten deutschen Brokern bieten nur wenige ein echtes Firmendepot für Kapitalgesellschaften. Die Eröffnung ist aufwändiger als bei Privatdepots: Du brauchst in der Regel einen LEI-Code (45–65 EUR/Jahr), Handelsregisternummer, Gesellschaftsvertrag und Identifizierung aller Gesellschafter.
| Broker | Firmendepot | Depotgebühr | Order/ETF-Sparplan | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Flatex | Ja — GmbH, UG, AG, KG, OHG | 0 EUR/Jahr | ~5,90 EUR/Order; viele ETF-Sparpläne kostenlos | Größter Online-Broker DE, breite ETF-Auswahl |
| LYNX Broker | Ja — GmbH, AG, UG | Aktivitätsabhängig | Ab 1,30 EUR/Order (IB-Konditionen) | Professional-Plattform, Interactive Brokers-Anbindung |
| CapTrader | Ja — Kapitalgesellschaften | 0 EUR (min. 2.000 EUR Guthaben) | Ab 2,00 EUR/Order | Spezialist Geschäftskunden, IB-Infrastruktur |
| Vivid Business | Ja — GmbH, UG, Freelancer | Ab 0 EUR/Monat | Kostenlos (ETF-Bruchteilkauf möglich) | Banking + ETF/Aktien in einer App, auch Crypto |
| Scalable Capital | Nein | — | — | Nur Privatdepot |
| Trade Republic | Nein | — | — | Nur Privatdepot |
| ING / DKB | Nein | — | — | Nur Privatdepot |
Mehr Details zu den einzelnen Anbietern: Firmendepot Anbieter Vergleich 2026
Wie werden ETFs in der GmbH besteuert?
Die GmbH zahlt auf Kapitalerträge aus ETFs eine kombinierte Steuerbelastung aus Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer. Das Besondere: Für Aktien-ETFs greift das Schachtelprivileg — 95 % der Dividenden aus Beteiligungen sind steuerfrei. Bei Investmentfonds (dazu zählen ETFs) gilt stattdessen das Investmentsteuergesetz mit einer Teilfreistellung von 80 % auf Körperschaftsteuer-Ebene.
| Steuerart | GmbH-Depot | Privatdepot |
|---|---|---|
| Körperschaftsteuer (KSt) | 15 % (+ 5,5 % SolZ = 15,825 %) | Entfällt |
| Gewerbesteuer | ~14 % (je nach Gemeinde) | Entfällt |
| Abgeltungssteuer | Entfällt (kein Privatdepot) | 25 % + SolZ = 26,375 % |
| Teilfreistellung Aktienfonds | 80 % steuerfrei (auf KSt) | 30 % steuerfrei |
| Effektiver Satz (Aktien-ETF) | ~12 % | ~18,5 % (nach Teilfreistellung) |
Alle Details zur Steueroptimierung: ETF in der GmbH: Steuern, Teileinkünfteverfahren & Körperschaftsteuer
GmbH vs. UG: Was ist besser fürs ETF-Depot?
Beide Rechtsformen zahlen denselben Steuersatz auf ETF-Erträge. Der Unterschied liegt beim Mindestkapital und einer wichtigen Einschränkung der UG:
| Kriterium | GmbH | UG (haftungsbeschränkt) |
|---|---|---|
| Mindestkapital | 25.000 EUR | 1 EUR |
| Gründungskosten | 300–500 EUR + Notar | Ab 99 EUR (Musterprotokoll) |
| Thesaurierungspflicht | Nein | Ja (25 % des Gewinns bis 25.000 EUR Kapital) |
| Steuersatz ETF-Erträge | ~12 % (Aktienfonds) | ~12 % (identisch) |
| Für ETF-Depot geeignet | Sehr gut | Gut (mit Einschränkungen) |
Mehr Details: UG vs. GmbH fürs ETF-Depot: Was ist der Unterschied?
Wann lohnt sich das GmbH-Depot überhaupt?
Das ist die entscheidende Frage. Eine GmbH oder UG bringt laufende Kosten: Buchhaltung (ab 1.200 EUR/Jahr), Steuerberater, Handelsregister, Jahresabschluss. Erst wenn der Steuervorteil diese Kosten übersteigt, rechnet sich die Konstruktion.
| Investiertes Kapital | Steuervorteil/Jahr (ca.) | Verwaltungskosten/Jahr | Lohnt sich? |
|---|---|---|---|
| 50.000 EUR | ~350 EUR | 1.500–3.000 EUR | Nein |
| 100.000 EUR | ~700 EUR | 1.500–3.000 EUR | Grenzwertig |
| 200.000 EUR | ~1.400 EUR | 1.500–3.000 EUR | Ja |
| 500.000 EUR | ~3.500 EUR | 2.000–3.500 EUR | Ja (deutlich) |
Detaillierter Vergleich: GmbH-Depot vs. Privatdepot: Was ist wann besser?
Was du für die Depot-Eröffnung als GmbH brauchst
Anders als beim Privatdepot läuft die Eröffnung eines Firmendepots nicht vollständig online. Die meisten Broker verlangen:
- LEI-Code (Legal Entity Identifier): 45–65 EUR/Jahr, zu beantragen bei der ANNA (anna.codes) oder LEI Global
- Handelsregistereintrag (aktueller Registerauszug, max. 3 Monate alt)
- Gesellschaftsvertrag / Satzung
- Identifikation aller Gesellschafter und wirtschaftlich Berechtigten (GwG-Pflicht)
- Vollmachten für Handelsberechtigte (sofern nicht der Geschäftsführer persönlich handelt)
- Steuernummer der GmbH
Vermögensverwaltende GmbH: Die "Spardosen-GmbH"
Manche Unternehmer gründen eine GmbH ausschließlich um Kapital steuerbegünstigt in ETFs zu investieren — ohne operatives Geschäft. Das nennt sich vermögensverwaltende GmbH oder "Spardosen-GmbH".
- Für wen: Unternehmer mit 150.000+ EUR Kapital, das langfristig investiert bleiben soll
- Steuervorteil: ~12 % statt 26,375 % auf ETF-Erträge — dauerhaft nutzbar
- Kosten: Buchhaltung + Jahresabschluss ~1.500–3.000 EUR/Jahr auch ohne Umsatz
- Broker: Flatex oder Vivid Business — kein Trade Republic, kein Scalable
- Achtung: Gewinne dürfen nicht entnommen werden ohne zweite Steuerebene
Alle Details zur Holding-Struktur: Vermögensverwaltende GmbH für ETFs: Wann lohnt sich die Spardosen-GmbH?
Vorteile GmbH-ETF-Depot
- Effektiver Steuersatz ~12 % statt 26,375 %
- Steuerstundung durch Thesaurierung
- Reinvestition mit "unversteuerten" Gewinnen
- Schutz vor Privatinsolvenzen
- Einsatz als Holdingstruktur für mehrere Beteiligungen
Nachteile GmbH-ETF-Depot
- Laufende Kosten 1.500–3.000 EUR/Jahr
- Kein Sparerpauschbetrag (1.000 EUR/Person)
- Doppelbesteuerung bei Ausschüttung
- Weniger Broker-Auswahl (kein Trade Republic, kein Scalable)
- Aufwendigere Steuererklärung (KSt, GewSt, Körperschaftsteuer-Vorauszahlungen)
Hinweis: Alle Angaben ohne Gewähr und ohne Rechts- oder Steuerberatung. Die Besteuerung von ETFs in Kapitalgesellschaften ist komplex — lass dich vor einer Entscheidung von einem Steuerberater beraten.
Steuern GmbH-ETF
Teileinkünfteverfahren, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer — alle Steuerregeln für ETFs in der GmbH erklärt.
Anbieter-Vergleich
Flatex, LYNX, CapTrader, Vivid Business: Alle Firmendepots im direkten Vergleich mit Kosten und Besonderheiten.
Spardosen-GmbH
Wann lohnt sich die vermögensverwaltende GmbH — und was kostet die Struktur wirklich?
UG vs. GmbH
Welche Rechtsform für ETF-Investoren besser ist und wo die Unterschiede wirklich liegen.
GmbH vs. Privatdepot
Vollständiger Kostenvergleich: Wann schlägt das GmbH-Depot das Privatdepot — und wann nicht?
Häufige Fragen
Kann eine GmbH ETFs kaufen?
Ja. Eine GmbH kann ETFs in einem Firmendepot halten. Die GmbH zahlt darauf Körperschaftsteuer (15 %) plus Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer. Durch die Teilfreistellung nach InvStG (80 % für Aktienfonds) sinkt der effektive Steuersatz auf ca. 12 % — günstiger als das Privatdepot mit 26,375 %.
Welche Broker bieten ein Firmendepot für GmbH an?
Firmendepots für GmbH, UG und andere Kapitalgesellschaften bieten: Flatex (größter Online-Broker), LYNX Broker, CapTrader und Vivid Business. Scalable Capital und Trade Republic bieten kein Firmendepot an — obwohl sie im Privatkundenbereich führend sind.
Ab wann lohnt sich eine GmbH nur für ETF-Investments?
Die vermögensverwaltende GmbH (auch "Spardosen-GmbH") lohnt sich ab ca. 100.000–150.000 EUR investiertem Kapital. Grund: Die Gründungskosten (Notar, Handelsregister, Buchhaltung) betragen jährlich 1.500–3.000 EUR. Erst ab diesem Kapital übertrifft der Steuervorteil die Verwaltungskosten.
Welcher Unterschied besteht zwischen UG und GmbH beim ETF-Depot?
Steuerlich identisch: Beide zahlen 15 % Körperschaftsteuer. Der Unterschied liegt im Mindestkapital (UG: 1 EUR, GmbH: 25.000 EUR) und der Thesaurierungspflicht der UG (25 % des Gewinns müssen angesammelt werden bis 25.000 EUR Stammkapital erreicht sind). Für reine ETF-Investoren ist die GmbH meist besser, weil keine Thesaurierungspflicht.
Gibt es einen Steuervorteil gegenüber dem Privatdepot?
Ja — aber nur wenn die Gewinne nicht sofort ausgeschüttet werden. Privatdepot: 26,375 % Abgeltungssteuer. GmbH-Depot: effektiv ca. 12 % auf Aktien-ETF-Erträge. Bei Ausschüttung an den Gesellschafter fallen zusätzliche 26,375 % Kapitalertragsteuer an. Der Vorteil liegt also im Steuerstundungseffekt und der Reinvestition mit weniger versteuerten Mitteln.