Wer einen ETF für den langfristigen Sparplan sucht, steht vor einer scheinbar überwältigenden Auswahl. Auf Plattformen wie justetf.com sind über 2.000 ETFs gelistet. Dabei ist die Entscheidung in der Praxis einfach — wenn man weiß welche Kriterien zählen und welche Nebenaspekte man ignorieren kann.
1. Index: Was bildet der ETF ab?
Das wichtigste Kriterium überhaupt. Ein ETF ist nur so gut wie sein Index. Für die Altersvorsorge gelten globale Aktienindizes als Grundlage:
- MSCI World: ~1.400 Unternehmen, 23 Industrieländer, keine Emerging Markets
- FTSE All-World: ~4.000 Unternehmen, Industrieländer + Emerging Markets
- MSCI ACWI IMI: ~9.000 Unternehmen, breiteste Abdeckung inkl. Small Caps
2. Fondsdomizil: Irland (IE) bevorzugen
Das Fondsdomizil entscheidet über die Quellensteuer-Effizienz. Irland hat das beste DBA mit den USA: 15% statt 30% auf US-Dividenden. Erkennbar an der ISIN die mit "IE" beginnt. ETFs mit "LU" (Luxemburg) sind steuerlich ungünstiger. Fazit: Immer IE… bevorzugen.
3. TER und Tracking Difference: Die echten Kosten
TER als erster Filter: Alles über 0,30% für Standard-Aktien-ETFs ist zu teuer. Die ehrlichere Kennzahl ist die Tracking Difference (TD) — sie zeigt die reale Abweichung vom Index. Ein ETF mit TER 0,20% aber TD -0,05% ist günstiger als ein ETF mit TER 0,10% aber TD 0,15%.
4. Replikationsmethode: Physisch oder synthetisch?
Physisch replizierende ETFs halten die Aktien direkt. Synthetische (Swap) ETFs nutzen Tauschgeschäfte mit einer Gegenpartei. Für die meisten Anleger ist physisch die transparentere Wahl. Synthetische ETFs können steuerlich günstiger sein (keine Quellensteuer im ETF). Beide Methoden sind sicher — synthetisch hat ein geringes Kontrahentenrisiko das durch Sicherheiten (Collateral) begrenzt wird.
5. Ausschüttend oder thesaurierend?
Für die Ansparphase: thesaurierend ist minimal steuervorteiliger (Steuerstundung). Für die Entnahmephase oder um den Sparerpauschbetrag auszuschöpfen: ausschüttend kann sinnvoller sein. Bei kleinen Depots unter 50.000 EUR ist der Unterschied marginal — einfach das nehmen was besser zum Sparplan passt.
6. Fondsgröße: Ab 100 Millionen EUR ist man sicher
Kleine ETFs (unter 100 Mio. EUR Fondsvolumen) können geschlossen werden — das löst eine erzwungene Verkauf-Steuerpflicht aus. Für Standard-Indizes wie MSCI World kein Problem: Diese ETFs haben Milliarden EUR Volumen. Für Nischen-ETFs (Faktor, Themen) immer das Fondsvolumen prüfen.
7. Fondswährung vs. Handelswährung
Ein MSCI World ETF hält internationale Aktien in verschiedenen Währungen — Fondswährung (oft USD) und Handelswährung (oft EUR) sind nicht das gleiche. Für langfristige Anleger spielt das kaum eine Rolle: Das Währungsrisiko liegt im Index, nicht im ETF selbst. ETFs mit "Hedged" im Namen sichern Währungsrisiken ab — für lange Zeithorizonte meist nicht empfehlenswert (kostet Rendite, da Absicherung teuer ist).
Was man ignorieren kann
- Alter des ETFs: Ältere ETFs haben keine bessere Rendite als neue auf den gleichen Index
- Anbieter-Reputation: iShares, Vanguard, Xtrackers, Amundi — alle sind reguliert und sicher
- Performance-Charts aus Marketingmaterial: Immer die Tracking Difference prüfen, nicht die bunten Charts
Fazit: 5 Minuten Prüfung reichen für den richtigen ETF
ETF-Auswahl für die Altersvorsorge: (1) Globaler Index, (2) IE-Domizil, (3) TER unter 0,25%, (4) Fondsvolumen über 500 Mio. EUR, (5) Physisch replizierend. Wer das beachtet, landet automatisch bei den besten verfügbaren ETFs. Die restlichen 2.000 ETFs sind für die meisten Anleger irrelevant.