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Ab 2027 gibt es staatlich geförderte ETF-Depots zur Altersvorsorge — die Aktienrente. Hier erfährst du alles dazu.

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Erwerbsminderungsrente

Was passiert wenn Krankheit oder Unfall die Arbeit unmöglich machen — bevor die Rente kommt.

Erwerbsminderungsrente erklärt

Jeder vierte Deutsche wird im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig — das zeigen Versicherungsstatistiken. Die staatliche Erwerbsminderungsrente greift aber erst bei einer deutlich schwereren Einschränkung: wenn man gar keine Arbeit mehr ausüben kann. Krebs, Depressionen, Herzerkrankungen, Rückenprobleme: Die häufigsten Ursachen sind nicht Berufsunfälle, sondern chronische Erkrankungen. Wer betroffen ist, braucht staatliche Absicherung — und die ist oft erschreckend gering.

Was ist die Erwerbsminderungsrente?

Die Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) zahlt die Deutsche Rentenversicherung an Menschen die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können — bevor sie das reguläre Rentenalter erreichen. Es gibt zwei Stufen:

Volle Erwerbsminderung: Du kannst weniger als 3 Stunden täglich irgendeiner Tätigkeit nachgehen — egal welcher. Die volle EM-Rente entspricht rund zwei Dritteln der normalen Altersrente die du bekommen würdest.

Teilweise Erwerbsminderung: Du kannst noch 3–6 Stunden täglich arbeiten. Die halbe EM-Rente: etwa die Hälfte der normalen Altersrente.

Voraussetzungen

  • Mindestens 5 Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert (Wartezeit)
  • In den letzten 5 Jahren vor dem Antrag: mindestens 3 Jahre Pflichtbeiträge
  • Ärztlich bestätigt: Erwerbsminderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt

Die 5-Jahres-Regelung ist eine häufige Falle: Wer jung erkrankt (mit 28, nach 3 Jahren Berufstätigkeit) hat die Wartezeit von 5 Jahren noch nicht erfüllt — und bekommt keine EM-Rente. Wer selbstständig ist ohne Rentenversicherung: bekommt ebenfalls keine.

Wie hoch ist die EM-Rente?

Die EM-Rente berechnet sich ähnlich wie die Altersrente — mit einer wichtigen Besonderheit: Den Zeitraum von der Erkrankung bis zum 67. Lebensjahr rechnet die DRV als "Zurechnungszeit" mit an. Als würdest du bis zur Rente weitergearbeitet haben.

Beispielrechnung: Max (40 Jahre) wird erwerbsgemindert. Er hat 15 Jahre Beiträge gezahlt, durchschnittlicher Verdienst = Durchschnittslohn (1 EP/Jahr). Ohne Zurechnungszeit: 15 EP. Mit Zurechnungszeit (27 weitere Jahre × 1 EP/Jahr): ca. 42 EP. Rente: 42 × 40,79 EUR = ca. 1.713 EUR brutto.

GruppeDurchschnittliche EM-Rente (2025)
Alle EM-Rentenempfänger (Durchschnitt)ca. 980 Euro/Monat
Unter 45 Jahreca. 830 Euro/Monat
Unter 35 Jahreca. 680 Euro/Monat

980 Euro Durchschnitt — das liegt in vielen deutschen Städten unter dem Existenzminimum für angemessenes Wohnen und Lebenshaltung.

Die Wartezeit-Lücke: Besonders gefährlich für Junge

Wer jung erkrankt, fällt oft durch das Raster. Die 5-Jahres-Wartezeit läuft erst wenn man tatsächlich in die Rentenversicherung einzahlt.

Beispiel: Lena studiert bis 26, beginnt mit 28 zu arbeiten. Mit 30 wird sie durch einen Unfall dauerhaft erwerbsgemindert. Sie hat 2 Jahre Beiträge — nicht 5 Jahre. Kein Anspruch auf EM-Rente.

EM-Rente vs. Berufsunfähigkeitsversicherung

KriteriumEM-Rente (staatlich)BU-Versicherung (privat)
AuslöserJede Arbeit unter 3h täglich nicht möglichEigener Beruf über 50% nicht mehr möglich
ZumutbarkeitAuch andere Jobs werden angerechnetNur eigener Beruf relevant
Typische Höhe900–1.500 Euro/MonatFrei wählbar (z.B. 2.000–3.000 Euro)
Voraussetzungen5 Jahre Wartezeit, 3 Jahre PflichtbeiträgeGesundheitsprüfung beim Abschluss

Die entscheidende Schwäche der EM-Rente: Sie zahlt erst wenn du gar keine Arbeit mehr machen kannst. Die BU zahlt schon wenn du deinen spezifischen Beruf nicht mehr ausüben kannst — als Chirurg etwa schon bei Zittern der Hände.

Was tun: Absicherungsstrategie

BU-Versicherung abschließen: Wer unter 45 ist und gesund — jetzt. Je jünger und gesünder, desto günstiger die Prämie. Empfohlene Höhe: 70–80 % des Nettoeinkommens, Laufzeit bis 67 Jahre.

Wer keine BU mehr bekommt (Vorerkrankungen): Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder Grundfähigkeitsversicherung als Alternative prüfen.

Frühzeitiger Depot-Aufbau: Ein aufgebautes ETF-Depot kann im Ernstfall als Liquiditätspuffer dienen — und entlastet emotional wenn die EM-Rente nicht reicht.

Fazit: EM-Rente sichert das Existenzminimum — mehr nicht

Die Erwerbsminderungsrente ist ein wichtiges Sicherheitsnetz — aber kein ausreichendes. 980 Euro Durchschnitt, strenge Bedingungen, Wartezeit-Lücken: Die staatliche Absicherung ist zu wenig. Die private Berufsunfähigkeitsversicherung ist die wichtigste Ergänzung — noch vor der Altersvorsorge.

Mehr zur staatlichen Rente: Rentenformel & Entgeltpunkte erklärt.

Häufige Fragen

Was passiert wenn ich die 5-Jahres-Wartezeit noch nicht erfüllt habe?

Wer die Wartezeit von 5 Jahren in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht erfüllt hat, bekommt keine EM-Rente ? egal wie schwer die Erkrankung ist. Besonders betroffen: junge Berufseinsteiger, Studenten direkt nach dem Studium und Selbstständige ohne freiwillige Rentenversicherung. Lösung: Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) greift unabhängig von der Wartezeit.

Wie viel darf ich neben der Erwerbsminderungsrente dazuverdienen?

Bei voller EM-Rente gilt eine Hinzuverdienstgrenze ? sie wurde 2023 deutlich gelockert. Seitdem darf man bis zur individuellen Hinzuverdienstgrenze (ca. 17.820 EUR/Jahr bei voller EM-Rente, 2024) dazuverdienen, bevor die Rente gekürzt wird. Zuverdienst darüber reduziert die Rente stufenweise. Die DRV berechnet die individuelle Grenze auf Basis deiner bisherigen Entgeltpunkte.

Wie ergänzen sich BU-Versicherung und Altersvorsorgedepot?

Beide decken unterschiedliche Risiken ab: Die BU-Versicherung sichert das laufende Einkommen bei Berufsunfähigkeit (monatliche Rente). Das Altersvorsorgedepot baut langfristig Vermögen auf, das im Ernstfall auch als Liquiditätspuffer dienen kann. Empfehlung der Finanzexperten: Erst BU-Versicherung abschließen, dann mit dem Altersvorsorgedepot beginnen ? BU-Schutz ist die wichtigere Absicherung.

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