Direktversicherung — Die häufigste Form der bAV
Rund die Hälfte aller bAV-Verträge in Deutschland sind Direktversicherungen. Wie dieser Durchführungsweg funktioniert, was er kostet und ob er sich 2027 noch lohnt.
Das Wichtigste in Kürze
- Was ist es Lebens-/Rentenversicherung über den Arbeitgeber
- Verbreitung Ca. 50 % aller bAV-Verträge
- Steuerlich gefördert bis Ca. 628 EUR/Monat (8 % BBG 2026)
- SV-frei bis Ca. 314 EUR/Monat (4 % BBG 2026)
- Höchstrechnungszins (Neuverträge) 1,0 % (seit 01.01.2025, vorher 0,25 %)
- Typische Kosten 1,0-2,0 % effektiv p.a.
Was ist eine Direktversicherung?
Die Direktversicherung ist ein Durchführungsweg der betrieblichen Altersvorsorge. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist sie die mit Abstand häufigste Form der bAV. Dabei schließt dein Arbeitgeber als Versicherungsnehmer eine Lebens- oder Rentenversicherung auf dein Leben ab. Du bist die versicherte Person und der Bezugsberechtigte — im Rentenalter bekommst du die Leistung.
Die Beiträge stammen meist aus Entgeltumwandlung: Ein Teil deines Bruttogehalts fließt direkt in die Versicherung. Dein Arbeitgeber muss seit 2022 mindestens 15 % dazulegen.
So funktioniert die Direktversicherung im Detail
Du hast kein Mitspracherecht bei der Auswahl des Versicherers oder des Tarifs. Der Arbeitgeber verhandelt oft Gruppenverträge mit günstigeren Konditionen.
Der Beitrag wird vom Bruttogehalt abgezogen und vom Arbeitgeber an den Versicherer überwiesen — inklusive AG-Zuschuss.
Je nach Tarif: klassische Lebensversicherung (Höchstrechnungszins 1,0 % seit 01.01.2025 + Überschüsse), fondsgebundene Variante oder Hybridprodukt.
Ab dem vereinbarten Rentenalter (frühestens 62) bekommst du eine lebenslange Rente oder eine Einmalzahlung. Beides wird voll versteuert (Nachgelagerte BesteuerungWas ist Nachgelagerte Besteuerung?Steuerprinzip bei der Altersvorsorge: In der Ansparphase steuerfrei, erst bei der Auszahlung im Ruhestand wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.
Mehr erfahren →).
Direktversicherung: Kosten im Detail
Die Kosten sind der größte Schwachpunkt der Direktversicherung — und der Hauptgrund, warum das Altersvorsorgedepot mit ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →s meist die bessere Rendite liefert.
| Kostenart | Direktversicherung (typisch) | Altersvorsorgedepot (ETF) |
|---|---|---|
| Abschlusskosten | 2,5-4 % der Beitragssumme (auf 5 J. verteilt) | Keine |
| Verwaltungskosten | 3-10 % jedes Beitrags | Keine (ggf. Depotgebühr) |
| Fondskosten (TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten. Mehr erfahren →) |
0,5-1,5 % p.a. (bei fondsgebundenen) | 0,1-0,3 % p.a. |
| Effektive Gesamtkosten | 1,0-2,5 % p.a. | 0,2-0,5 % p.a. |
| Rendite-Verlust über 30 Jahre | 25-40 % des Endkapitals | 5-10 % des Endkapitals |
Rechenbeispiel: Bei 200 EUR/Monat und 30 Jahren Laufzeit kostet eine Direktversicherung mit 1,5 % Effektivkosten rund 30.000 EUR mehr als ein ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren → mit 0,2 % — bei gleicher Bruttorendite. Diese 30.000 EUR sind der Preis für die Garantie und die Versicherungs-Infrastruktur.
Vorteile und Nachteile der Direktversicherung
Vorteile
- Einfach und unkompliziert — Arbeitgeber kümmert sich
- Garantie auf eingezahlte Beiträge (je nach Tarif)
- Gute Portabilität bei Jobwechsel (§ 4 BetrAVG)
- Steuer- und SV-Ersparnis in der Ansparphase
- Arbeitgeberzuschuss mindestens 15 %
Nachteile
- Hohe Kosten (Abschluss + Verwaltung + Fonds)
- Niedrige Rendite durch Garantien und Kosten
- Keine eigene Fondsauswahl
- Doppelte KV-Beiträge auf die Rente
- Intransparente Kostenstruktur
Direktversicherung bei Jobwechsel
Ein Vorteil der Direktversicherung gegenüber anderen bAV-Wegen: Die Portabilität ist relativ gut. Bei einem Jobwechsel hast du drei Optionen:
- Übertragung: Der neue Arbeitgeber übernimmt den Vertrag als neuer Versicherungsnehmer
- Private Fortführung: Du zahlst selbst weiter (aber ohne Steuer-/SV-Vorteil)
- Beitragsfreistellung: Der Vertrag ruht bis zur Rente
Mehr dazu im Ratgeber bAV kündigen.
Direktversicherung vs. Altersvorsorgedepot
Ab 2027 hast du mit dem Altersvorsorgedepot eine echte Alternative. Der SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren →, die GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
Mehr erfahren → und vor allem die freie Wahl von ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →s wie dem MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne.
Mehr erfahren → machen das Depot für renditeorientierte Sparer attraktiver. Die Direktversicherung punktet nur, wenn der Arbeitgeber grosszügig zuschießt.
Die beste Strategie? Beides kombinieren: Den AG-Zuschuss über die Direktversicherung mitnehmen, den Rest ins Depot.
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Häufige Fragen
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge. Es ersetzt und verbessert die Riester-Rente: statt teueren Rentenversicherungen können günstige ETFs bespart werden. Förderung: Grundzulage 540 EUR/Jahr + Sonderausgabenabzug.
Was ist der Unterschied zum normalen ETF-Depot?
Normales Depot: keine staatliche Förderung, Abgeltungsteuer auf Gewinne sofort. Altersvorsorgedepot: staatliche Zulage, Steuerstundung in der Ansparphase (kein Zugriff des Fiskus), günstigere Besteuerung im Rentenalter. Dafür: Kapital erst ab Rentenalter verfügbar.
Wie eröffne ich ein Altersvorsorgedepot?
Schritt 1: Anbieter wählen (Trade Republic, ING, DKB etc.). Schritt 2: Depot online eröffnen (Legitimation per Video-Ident oder Post-Ident). Schritt 3: ETF-Sparplan einrichten. Schritt 4: Zulagenantrag beim BZSt stellen (meistens automatisch durch Anbieter).
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