Depot vs. bAV — Key-Facts
- bAV-Vorteil Arbeitgeber zahlt mind. 15% Zuschuss, Brutto-Entgeltumwandlung
- Depot-Vorteil Eigene ETF-Wahl, transparente Kosten, volle Kontrolle
- bAV-Förderbetrag Bis 3.624 EUR/Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei (2026)
- Kombination Beide Modelle parallel nutzbar — empfohlen!
Zwei Wege zur Zusatzrente
Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) und das Altersvorsorgedepot verfolgen dasselbe Ziel: deine Rentenlücke schließen. Doch die Mechanismen sind grundverschieden. Bei der bAV wandelst du einen Teil deines Bruttogehalts in eine Betriebsrente um — dein Arbeitgeber muss mindestens 15% dazulegen. Beim Altersvorsorgedepot investierst du aus dem Nettoeinkommen in ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →s und bekommst staatliche Zulagen plus den SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren →.
Beide Modelle unterliegen der Nachgelagerte BesteuerungWas ist Nachgelagerte Besteuerung?Steuerprinzip bei der Altersvorsorge: In der Ansparphase steuerfrei, erst bei der Auszahlung im Ruhestand wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.
Mehr erfahren →: Du sparst heute Steuern, zahlst dafür im Alter auf die Auszahlung Einkommensteuer. Der EinkommensteuersatzWas ist Einkommensteuersatz?Der persönliche Steuersatz auf dein Einkommen. Steigt progressiv von 14% bis 45%. Im Ruhestand typischerweise 15-30%, da das Einkommen niedriger ist als im Berufsleben.
Mehr erfahren → ist im Ruhestand aber fast immer niedriger als im Berufsleben — das macht die nachgelagerte Besteuerung attraktiv.
Der große Vergleich
| Kriterium | Altersvorsorgedepot | Betriebliche Altersvorsorge |
|---|---|---|
| Wer zahlt ein? | Du (Nettoeinkommen) | Du (Bruttogehalt) + Arbeitgeber |
| Arbeitgeberzuschuss | Keiner | Mind. 15% Pflicht, oft 20-50% |
| Max. Förderbetrag | 1.800 EUR/Jahr | 3.624 EUR/Jahr (steuer-/SV-frei) |
| Staatliche Zulagen | GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr. Mehr erfahren → + KinderzulageWas ist Kinderzulage?Zusätzliche staatliche Zulage von bis zu 300 EUR pro kindergeldberechtigtem Kind pro Jahr. Wird als 1:1-Matching des Eigenbeitrags gewährt. Mehr erfahren → | Keine (aber AG-Zuschuss) |
| Anlageform | ETFs, Fonds (eigene Wahl) | Versicherung (AG wählt Anbieter) |
| Kosten (TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten. Mehr erfahren →) | 0,1-0,5% p.a. | 1,0-3,0% p.a. (oft intransparent) |
| Erwartete Rendite | 6-8% p.a. (ETF Pur) | 2-4% p.a. (klassisch) |
| Flexibilität | Anbieterwechsel jederzeit | An Arbeitgeber gebunden |
| Portabilität bei Jobwechsel | Unabhängig vom AG | Kompliziert, Übertragung nicht garantiert |
| Auszahlung | Rente, Teilkapital oder Mix | Meist lebenslange Rente |
| Krankenversicherung auf Rente | Nein (Kapitalentnahme) | Ja — voller KV-Beitrag auf bAV-Rente! |
| Vererbbar | Ja | Eingeschränkt (Hinterbliebene) |
| Besteuerung | Nachgelagerte BesteuerungWas ist Nachgelagerte Besteuerung?Steuerprinzip bei der Altersvorsorge: In der Ansparphase steuerfrei, erst bei der Auszahlung im Ruhestand wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert. Mehr erfahren → | Nachgelagerte Besteuerung |
Der versteckte Nachteil der bAV: Sozialabgaben
Die bAV wird oft als Steuerspar-Wunder verkauft — und das stimmt in der Ansparphase. Allerdings verschweigen viele Berater den Haken bei der Auszahlung: Auf die Betriebsrente zahlst du im Alter den vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag (ca. 18-19%). Beim Altersvorsorgedepot fällt dieser Abzug bei Kapitalentnahmen nicht an.
Rendite-Vergleich über 30 Jahre
Annahme: 150 EUR/Monat Eigenbeitrag, 30 Jahre Laufzeit
| Altersvorsorgedepot (7% p.a.) | bAV mit AG-Zuschuss (3% p.a.) | |
|---|---|---|
| Eigenbeitrag/Monat | 150 EUR (netto) | 150 EUR (brutto) |
| + AG-Zuschuss (15%) | — | 22,50 EUR |
| + Zulagen/Jahr | 175 EUR | — |
| Gesamtbeitrag/Monat | ~164 EUR | 172,50 EUR |
| Endkapital (brutto) | ~198.000 EUR | ~100.000 EUR |
| Abzüge im Alter | Einkommensteuer | Einkommensteuer + KV/PV |
| Endkapital (netto, geschätzt) | ~160.000 EUR | ~70.000 EUR |
Der Renditevorteil des ETF-basierten Depots ist enorm. Selbst mit dem Arbeitgeberzuschuss kann die bAV den Renditevorsprung eines MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne.
Mehr erfahren →-ETFs über 30 Jahre nicht aufholen.
Vorteile und Nachteile
Altersvorsorgedepot
Vorteile
- Eigene ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Auswahl, niedrige Kosten - Unabhängig vom Arbeitgeber
- Keine KV-Beiträge auf Kapitalentnahme
- Flexible Auszahlungsoptionen
- Höhere erwartete Rendite (6-8% vs. 2-4%)
Nachteile
- Kein Arbeitgeberzuschuss
- Einzahlung aus Nettoeinkommen
- Maximal 1.800 EUR/Jahr gefördert
Betriebliche Altersvorsorge
Vorteile
- Arbeitgeberzuschuss (mind. 15%, oft mehr)
- Einzahlung aus Bruttogehalt (sofortige Steuerersparnis)
- Höherer Förderbetrag (3.624 EUR/Jahr)
- Automatische Einrichtung über den Arbeitgeber
Nachteile
- Voller KV/PV-Beitrag auf Betriebsrente im Alter
- Arbeitgeber wählt den Anbieter — oft teuer
- Portabilität bei Jobwechsel problematisch
- Meist niedrige Rendite (Garantieprodukte)
- Weniger Rentenanspruch in der gesetzlichen Rente
Wann lohnt sich die bAV trotzdem?
Die betriebliche Altersvorsorge wird dann attraktiv, wenn dein Arbeitgeber deutlich mehr als die Pflichtzuschüsse zahlt. Manche Unternehmen verdoppeln deinen Beitrag (100% Matching) — in diesem Fall ist die bAV fast immer ein gutes Geschäft, trotz der Kosten und KV-Abzüge im Alter.
Faustregel: Zahlt dein Arbeitgeber mindestens 50% Zuschuss auf deinen bAV-Beitrag, lohnt sich die bAV zusätzlich zum Depot. Bei nur 15% Pflichtzuschuss ist das Altersvorsorgedepot in der Regel die bessere erste Wahl.
Optimale Strategie: Beide kombinieren
Depot und bAV schließen sich nicht aus. Die beste Reihenfolge für die meisten Angestellten:
- Altersvorsorgedepot ausschöpfen — 1.800 EUR/Jahr, volle Zulagen sichern
- bAV nutzen, wenn AG-Zuschuss hoch — erst ab 20%+ Matching sinnvoll
- Restliches Geld in ein freies ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Depot ohne Förderbindung
So kombinierst du die staatliche Förderung des Depots mit dem Arbeitgeberzuschuss der bAV — und behältst über das freie ETF-Depot die maximale Flexibilität. Die AbgeltungsteuerWas ist Abgeltungsteuer?Pauschale Steuer von 26,375% (inkl. Soli) auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Gilt für normale Depots, NICHT für das Altersvorsorgedepot in der Ansparphase.
Mehr erfahren → im freien Depot (26,375%) ist oft günstiger als die nachgelagerte Besteuerung plus KV-Beiträge bei der bAV.
Weiterführende Ratgeber
Zulagen & Steuervorteile
Alle Zulagen und Steuervorteile des Depots im Detail.
Depot für Angestellte
Warum Angestellte doppelt profitieren.
Depot vs. Rürup
Vergleich mit der Basisrente für Gutverdiener.
Kosten & Gebühren
Warum niedrige TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten.
Mehr erfahren → den Unterschied machen.
Garantie-Varianten
Pur, 80% oder 100% — welche Variante passt?