Depot kündigen — Wann es sinnvoll ist (und wann nicht)
Eine Kündigung kostet dich alle Zulagen und Steuervorteile. Trotzdem gibt es Situationen, in denen sie der richtige Schritt ist.
Depot kündigen — Das Wichtigste
- Kündigung ist FörderschädlichWas ist Förderschädlich?Wenn du das Geld vor dem Rentenalter entnimmst, musst du alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Die Kursgewinne darfst du behalten.
Mehr erfahren → - Rückzahlung Alle GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
Mehr erfahren →n + KinderzulageWas ist Kinderzulage?Zusätzliche staatliche Zulage von bis zu 300 EUR pro kindergeldberechtigtem Kind pro Jahr. Wird als 1:1-Matching des Eigenbeitrags gewährt.
Mehr erfahren →n + Steuervorteile - Kursgewinne Darfst du behalten
- Alternative 1 Depot pausieren (10 EUR/Monat)
- Alternative 2 Anbieterwechsel (förderunschädlich)
Was "förderschädlich" konkret bedeutet
Wenn du dein Altersvorsorgedepot vor dem Rentenalter kündigst, stuft der Staat das als FörderschädlichWas ist Förderschädlich?Wenn du das Geld vor dem Rentenalter entnimmst, musst du alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Die Kursgewinne darfst du behalten.
Mehr erfahren →e Verwendung ein. Das hat drei Konsequenzen:
- Zulagen zurückzahlen Alle erhaltenen GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
Mehr erfahren →n und KinderzulageWas ist Kinderzulage?Zusätzliche staatliche Zulage von bis zu 300 EUR pro kindergeldberechtigtem Kind pro Jahr. Wird als 1:1-Matching des Eigenbeitrags gewährt.
Mehr erfahren →n werden vom Auszahlungsbetrag abgezogen. Hast du 10 Jahre lang volle Zulagen bekommen, sind das 5.400 EUR Grundzulage — plus eventuelle Kinderzulagen. - Steuervorteile zurückzahlen Jeder SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer.
Mehr erfahren →, den du über die Anlage AVWas ist Anlage AV?Das Formular in der Steuererklärung für die Altersvorsorge. Hier trägst du deine Beiträge zum Altersvorsorgedepot ein. Wird größtenteils vom Anbieter vorausgefüllt.
Mehr erfahren → geltend gemacht hast, wird rückabgewickelt. Das Finanzamt berechnet die Differenz und fordert die zu viel erstattete Steuer zurück. - Kursgewinne versteuern Die Kursgewinne werden mit deinem persönlichen EinkommensteuersatzWas ist Einkommensteuersatz?Der persönliche Steuersatz auf dein Einkommen. Steigt progressiv von 14% bis 45%. Im Ruhestand typischerweise 15-30%, da das Einkommen niedriger ist als im Berufsleben.
Mehr erfahren → besteuert — nicht mit der günstigeren AbgeltungsteuerWas ist Abgeltungsteuer?Pauschale Steuer von 26,375% (inkl. Soli) auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Gilt für normale Depots, NICHT für das Altersvorsorgedepot in der Ansparphase.
Mehr erfahren → von 26,375 %. Je nach Einkommen kann das teurer sein.
Die gute Nachricht: Deine eigenen Einzahlungen und die Kursgewinne (nach Steuer) bekommst du ausgezahlt. Du verlierst "nur" die staatliche Förderung — aber das sind bei längerer Laufzeit schnell fünfstellige Beträge.
Was eine Kündigung wirklich kostet
Die folgende Tabelle zeigt, wie viel du bei einer Kündigung an den Staat zurückzahlen musst. Annahme: Voller Beitrag von 1.800 EUR/Jahr, GrenzsteuersatzWas ist Grenzsteuersatz?Der Steuersatz, der auf den letzten verdienten Euro anfällt. Liegt je nach Einkommen zwischen 14% und 45%. Entscheidend für die Berechnung der Steuerersparnis.
Mehr erfahren → 35 %.
| Laufzeit | Eigene Einzahlungen | Zulagen-Rückzahlung | Steuer-Rückzahlung | Gesamtkosten der Kündigung |
|---|---|---|---|---|
| 3 Jahre | 5.400 EUR | 1.620 EUR | ~1.890 EUR | ~3.510 EUR |
| 5 Jahre | 9.000 EUR | 2.700 EUR | ~3.150 EUR | ~5.850 EUR |
| 10 Jahre | 18.000 EUR | 5.400 EUR | ~6.300 EUR | ~11.700 EUR |
| 20 Jahre | 36.000 EUR | 10.800 EUR | ~12.600 EUR | ~23.400 EUR |
| 30 Jahre | 54.000 EUR | 16.200 EUR | ~18.900 EUR | ~35.100 EUR |
Steuer-Rückzahlung = Sonderausgabenabzug x Grenzsteuersatz. Ohne KinderzulageWas ist Kinderzulage?Zusätzliche staatliche Zulage von bis zu 300 EUR pro kindergeldberechtigtem Kind pro Jahr. Wird als 1:1-Matching des Eigenbeitrags gewährt.
Mehr erfahren →. Kursgewinne-Besteuerung nicht berücksichtigt.
Nach 10 Jahren kostet dich die Kündigung fast 12.000 EUR. Dazu kommen Steuern auf die Kursgewinne. Im Extremfall kann die Kündigung die Hälfte deines Depotwertes auffressen. Deshalb ist eine Kündigung fast nie die beste Lösung.
Wann eine Kündigung trotzdem sinnvoll sein kann
In seltenen Fällen überwiegen die Gründe für eine Kündigung. Prüfe aber vorher immer die Alternativen (siehe unten).
Hohe Schulden mit existenzbedrohendem Charakter
Wenn du vor der Privatinsolvenz stehst und der Depotbetrag dich retten kann, ist eine Kündigung gerechtfertigt. Die Rückzahlung der Förderung ist schmerzhaft, aber besser als Insolvenz. Beachte: In manchen Fällen ist das Altersvorsorgedepot pfändungsgeschützt — prüfe das mit einem Anwalt, bevor du kündigst.
Dauerhafter Verlust der Förderberechtigung
Wenn du dauerhaft ins Ausland ziehst und nicht mehr PflichtversichertWas ist Pflichtversichert?Wer Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlt — die Grundvoraussetzung für die Förderung beim Altersvorsorgedepot.
Mehr erfahren → bist, bekommst du keine Zulagen mehr. In diesem Fall kann eine Kündigung sinnvoll sein — du zahlst zwar die bisherige Förderung zurück, aber du bindest dein Geld nicht länger in einem Produkt ohne Förderung. Prüfe vorher, ob du über einen in Deutschland verbliebenen Ehepartner mittelbar förderberechtigt bleibst.
Extrem schlechter Anbieter ohne Wechselmöglichkeit
Wenn dein Anbieter horrende Gebühren nimmt (nahe am Maximum von 1 % des Guthabens) und ein Anbieterwechsel aus technischen Gründen nicht möglich ist, kann die Kündigung mathematisch sinnvoll sein. Das ist aber ein Extremfall, der in der Praxis selten vorkommt.
Die besseren Alternativen
Bevor du kündigst, prüfe diese drei Optionen. In 95 % der Fälle ist eine davon die bessere Wahl:
| Option | Kosten | Förderung | Guthaben | Wann sinnvoll |
|---|---|---|---|---|
| Pausieren (10 EUR/Monat) | 0 EUR | Anteilig erhalten | Bleibt investiert | Vorübergehender Engpass |
| Anbieterwechsel | 0-50 EUR Wechselgebühr | Vollständig erhalten | Wird übertragen | Unzufrieden mit Anbieter |
| Ruhend stellen (0 EUR) | 0 EUR | Keine neuen Zulagen | Bleibt investiert | Langfristiger Auslandsaufenthalt |
| Kündigen | Alle Zulagen + Steuervorteile | Komplett verloren | Wird ausgezahlt (minus Förderung) | Nur in Notlagen |
Die Tabelle zeigt die Optionen vom günstigsten zum teuersten Weg.
Der Kündigungsprozess
Falls du dich nach reiflicher Überlegung für die Kündigung entscheidest, läuft der Prozess so ab:
- Kündigung schriftlich einreichen Die meisten Anbieter verlangen ein Kündigungsschreiben per Post oder über das Online-Portal. Eine mündliche Kündigung reicht nicht.
- Anbieter berechnet Rückforderung Der Anbieter ermittelt die Summe aller erhaltenen Zulagen und meldet die Kündigung an das BZStWas ist BZSt?Bundeszentralamt für Steuern — die Behörde, die die Zulagen verwaltet und an die Depotanbieter auszahlt. Zertifiziert auch die Anbieter.. Das Amt berechnet die Steuer-Rückforderung.
- Abzüge und Auszahlung Von deinem Depotguthaben werden die Zulagen und Steuern abgezogen. Der Restbetrag wird auf dein Konto überwiesen. Kursgewinne werden mit deinem EinkommensteuersatzWas ist Einkommensteuersatz?Der persönliche Steuersatz auf dein Einkommen. Steigt progressiv von 14% bis 45%. Im Ruhestand typischerweise 15-30%, da das Einkommen niedriger ist als im Berufsleben.
Mehr erfahren → versteuert. - Dauer: 4-8 Wochen Zwischen Kündigung und Auszahlung vergehen typischerweise 4-8 Wochen. In Ausnahmefällen länger.
Teilentnahme statt Kündigung
Wenn du nicht das gesamte Guthaben brauchst, prüfe, ob eine Teilentnahme möglich ist. Auch Teilentnahmen sind grundsätzlich FörderschädlichWas ist Förderschädlich?Wenn du das Geld vor dem Rentenalter entnimmst, musst du alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Die Kursgewinne darfst du behalten.
Mehr erfahren → — aber die Rückforderung bezieht sich nur auf den entnommenen Anteil, nicht auf das gesamte Depot. So kannst du dir einen Teil auszahlen lassen und den Rest weiter wachsen lassen.
Es gibt jedoch eine wichtige Ausnahme: Bis zu 30 % des Guthabens dürfen bei Rentenbeginn als Einmalzahlung entnommen werden, ohne dass die Förderung verloren geht. Diese Regelung gilt aber nur zum Rentenbeginn, nicht vorher.
Weiterführende Ratgeber
Depot pausieren
Die günstigere Alternative zur Kündigung. Sockelbeitrag 5 EUR/Monat (60 EUR/Jahr).
Schulden tilgen oder Depot besparen?
Wann Tilgung Vorrang hat — ohne das Depot kündigen zu müssen.
Erst Notgroschen, dann Depot
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Zulagen & Steuervorteile
Was du bei einer Kündigung zurückzahlen musst — im Detail erklärt.
Altersvorsorge-Checkliste
Alle Punkte für einen sauberen Start — damit du später nicht kündigen musst.
Depot bei Auswanderung
Was passiert, wenn du Deutschland verlässt? Kündigen oder behalten?
Häufige Fragen
Kann man das Altersvorsorgedepot kündigen?
Ja — aber mit Konsequenzen. Bei vorzeitiger Kündigung (vor 62. Lebensjahr): Schädliche Verwendung — erhaltene Zulagen und Steuerersparnisse müssen zurückgezahlt werden. Das Kapital wird ausgezahlt, aber die staatliche Förderung entfällt rückwirkend. Ausnahme: Vollständige Erwerbsminderung (gesetzlich definiert). Das ist analog zur Riester-Regelung. Besser als kündigen: Beiträge auf Sockelbeitrag (5 EUR/Monat = 60 EUR/Jahr) reduzieren und Depot weiterführen.
Was verliert man konkret beim vorzeitigen Kündigen des AVDs?
Rechenbeispiel: 10 Jahre AVD, 150 EUR/Monat, 7 % p.a. Endkapital: ca. 24.000 EUR. Erhaltene Zulagen: 10 × 540 EUR = 5.400 EUR. Steuerersparnisse: 10 × 630 EUR = 6.300 EUR. Rückzahlungspflicht: 11.700 EUR. Effektives Kapital nach Rückzahlung: ca. 12.300 EUR. Im ETF-Depot ohne Kündigung: volle 24.000 EUR. Fazit: Kündigung vernichtet fast 50 % des Kapitals. Depot weiterführen ist immer besser.
In welchen Situationen ist Weiterlaufen lassen besser als Kündigen?
Immer. Drei typische Situationen mit besserer Alternative: 1) Finanzielle Engpässe: Beitrag auf 10 EUR/Monat reduzieren, nicht kündigen. 2) Jobwechsel ins Ausland: Depot weiterführen ohne Förderung — kein Zwang zur Kündigung. 3) 'Ich brauche das Geld jetzt': Notgroschen aufbauen war die Lektion — AVD nie als Liquiditätsreserve geplant. Das AVD-Kapital ist für den Ruhestand. Jede andere Verwendung kostet mindestens 30–50 % durch Rückzahlungen.
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