Das größte Risiko beim ETF-Depot in der Rentenphase ist das Sequence-of-Returns-Risiko: Ein großer Markteinbruch kurz nach dem Renteneintritt zwingt zum Verkaufen im Tief. Die Bucket-Strategie (auch "Drei-Topf-Strategie") löst dieses Problem durch eine clevere Aufteilung des Vermögens nach Zeithorizonten.
Wie die drei Töpfe funktionieren
| Topf | Horizont | Anlage | Funktion |
|---|---|---|---|
| Topf 1 (Kurz) | 0-2 Jahre | Tagesgeld, Geldmarkt-ETF | Sofortige Entnahmen, kein Kurssrisiko |
| Topf 2 (Mittel) | 3-10 Jahre | Anleihen-ETF, konservative Mischfonds | Puffer, füllt Topf 1 nach |
| Topf 3 (Lang) | 10+ Jahre | Globale Aktien-ETFs (MSCI World) | Wachstum, Inflationsschutz |
Wie die Strategie im Alltag funktioniert
Im normalen Jahr: Man entnimmt aus Topf 1 (Tagesgeld). Topf 2 (Anleihen) füllt Topf 1 regelmäßig nach. Topf 3 (Aktien-ETF) wächst weiter — und füllt nach guten Börsenjahren Topf 2 nach.
Im Börsencrashjahr: Topf 1 hat noch 2 Jahre Ausgaben. Man muss Topf 3 (Aktien) nicht verkaufen. Topf 3 erholt sich, Topf 2 wird erst geleert wenn nötig. Kein Panikverkauf im Tief erforderlich.
Konkretes Beispiel: 500.000 EUR Depot
Rentner, 500.000 EUR Gesamtvermögen, Entnahmebedarf 20.000 EUR/Jahr:
- Topf 1: 40.000 EUR (2 Jahresentnahmen) → Tagesgeldkonto
- Topf 2: 100.000 EUR (5 Jahre Nachfüll-Puffer) → kurzlaufende Anleihen-ETFs
- Topf 3: 360.000 EUR (Rest für Wachstum) → FTSE All-World oder MSCI World
Wenn Topf 1 leer ist: Topf 2 verkaufen und Topf 1 auffüllen. Wenn Märkte gut laufen: Topf 3 teilweise in Topf 2 verschieben. Im Crash: Topf 1 und 2 halten 5-7 Jahre — mehr als genug für eine Erholung.
Bucket-Strategie vs. 4%-Regel: Was ist besser?
Beide Strategien funktionieren. Der Unterschied ist eher psychologisch als mathematisch:
- 4%-Regel: Einfacher, weniger Aufwand, mathematisch robust. Schwäche: Anleger sieht in Crashs das komplette Depot sinken und neigt zu Panik.
- Bucket-Strategie: Komplexer, aber psychologisch stabilisierend. Man "sieht" dass Topf 1 (Tagesgeld) nicht schwankt. Gibt mentale Sicherheit.
Wissenschaftlich zeigen Studien (z.B. von Morningstar) dass die Bucket-Strategie keine konsistente Renditenverbesserung bringt — aber signifikant weniger Anlass zu emotionalen Fehlentscheidungen gibt.
Für wen die Bucket-Strategie sinnvoll ist
- Menschen die in Börsencrashs nervös werden und verkaufen könnten
- Paare die einen strukturierten Überblick wollen
- Rentner ohne Planungserfahrung die eine klare Struktur bevorzugen
Nicht nötig für: Disziplinierte Anleger die wissen dass sie auch bei -40% nicht verkaufen. Für diese ist die einfache 4%-Regel mit einem kleinen Tagesgeld-Puffer ausreichend.
Fazit: Drei Töpfe für den ruhigen Schlaf im Börsensturm
Die Bucket-Strategie ist keine Rendite-Optimierung sondern ein Verhaltens-Tool. Sie verhindert dass Rentner in der schlechtesten Situation (Börsencrash + Entnahmebedarf) emotional verkaufen. Für wen die 4%-Regel mental funktioniert: einfach halten. Für alle anderen: Die Bucket-Strategie gibt Struktur und Ruhe — und das ist bei der Altersvorsorge mindestens so wichtig wie mathematische Optimierung.