Die beliebteste Diskussion in der Altersvorsorge ist welcher ETF der beste ist. Die wichtigere Frage lautet: Was passiert wenn ich nicht mehr arbeiten kann? Wer berufsunfähig wird, bekommt aus der gesetzlichen Rentenversicherung nur eine sehr geringe Erwerbsminderungsrente — oft unter 1.000 EUR/Monat. Der ETF-Sparplan bricht weg, die Altersvorsorge kollabiert. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist deshalb für die meisten Arbeitnehmer das wichtigste Absicherungsinstrument überhaupt.
Warum die gesetzliche Absicherung nicht reicht
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente zahlt nur wenn man weniger als 3 Stunden täglich (volle EM) oder 3-6 Stunden täglich (teilweise EM) irgendeine Arbeit verrichten kann — nicht den eigenen Beruf. Ein Chirurg der seinen Beruf nicht mehr ausüben kann aber noch 6 Stunden Pförtner arbeiten könnte, erhält oft keine Leistung.
Durchschnittliche volle Erwerbsminderungsrente (2024): ca. 1.000-1.100 EUR/Monat. Das ist für die meisten Menschen zu wenig zum Leben.
BU vs. Erwerbsminderungsrente: Der entscheidende Unterschied
| Kriterium | Gesetzl. Erwerbsminderungsrente | Private BU-Versicherung |
|---|---|---|
| Leistungsauslöser | Jede Tätigkeit unter 3h möglich | Eigener Beruf zu 50%+ nicht mehr möglich |
| Durchschnittliche Rente | ca. 950-1.100 EUR/Monat | Individuell vereinbart (oft 1.500-2.500 EUR) |
| Anrechnung auf andere Einkünfte | Ja | Nein |
| Inflationsschutz | Gering | Dynamik vereinbarbar |
Wer braucht eine BU-Versicherung?
Grundsätzlich: Jeder der von seinem Arbeitseinkommen lebt und keine ausreichenden Vermögensreserven hat. Besonders wichtig für:
- Angestellte in körperlich belastenden Berufen (Handwerk, Pflege)
- Menschen mit hohem Einkommens- und Lebensstandardbedarf
- Selbstständige ohne gesetzliche Absicherung
- Berufseinsteiger — die günstigste BU gibt es jung und gesund
Was kostet eine BU?
Stark abhängig von Alter, Beruf und Gesundheitszustand. Richtwerte für 1.500 EUR Monatsrente:
- 25 Jahre, Bürojob, gesund: ca. 50-80 EUR/Monat
- 25 Jahre, handwerklicher Beruf: ca. 100-200 EUR/Monat
- 35 Jahre, Bürojob: ca. 80-150 EUR/Monat
- 45 Jahre, handwerklicher Beruf: ca. 250-500 EUR/Monat
Reihenfolge: BU vor ETF-Sparplan
Die richtige Priorität der Finanzen:
- Notgroschen (3 Monatsausgaben)
- BU-Versicherung abschließen
- Hochzinsschulden tilgen
- ETF-Sparplan starten
Wer mit 25 anfängt ETFs zu besparen aber keine BU hat, spart auf einem Fundament das bei Berufsunfähigkeit komplett wegbrechen kann.
Fazit: BU ist das wichtigste Absicherungsprodukt vor dem Depot
Eine BU-Versicherung ist teuer — aber Berufsunfähigkeit ohne Absicherung ist teurer. Wer jung und gesund ist, zahlt vergleichsweise wenig für eine hohe Absicherung. Wer wartet, zahlt mehr oder bekommt wegen Vorerkrankungen keine Versicherung mehr. BU abschließen, dann ETF-Sparplan einrichten: Das ist die richtige Reihenfolge für eine solide Altersvorsorge.