Berufsunfähigkeitsversicherung — Warum sie Priorität vor dem Depot hat
Jeder 4. Arbeitnehmer wird vor dem Rentenalter berufsunfähig. Ohne Absicherung bricht das Einkommen weg — und damit die Grundlage jeder Altersvorsorge. Was BU kostet und wie sie funktioniert.
Das Wichtigste in Kürze
- Betroffene Jeder 4. Arbeitnehmer wird vor dem Rentenalter berufsunfähig
- GRV-Erwerbsminderungsrente Durchschnittlich ca. 950–1.100 EUR/Monat — oft nicht existenzsichernd
- Empfohlene BU-Rente 70–80 % des aktuellen Nettoeinkommens, absichern bis 67
- Beitrag jung und gesund 25 Jahre, Bürojob: ca. 50–80 EUR/Monat für 1.500 EUR Rente
- Richtige Reihenfolge Notgroschen → BU-Versicherung → Schulden tilgen → ETF-Sparplan
Die beliebteste Diskussion in der Altersvorsorge ist welcher ETF der beste ist. Die wichtigere Frage lautet: Was passiert wenn ich nicht mehr arbeiten kann? Wer berufsunfähig wird, bekommt aus der gesetzlichen Rentenversicherung nur eine sehr geringe Erwerbsminderungsrente — oft unter 1.000 EUR/Monat. Der ETF-Sparplan bricht weg, die Altersvorsorge kollabiert. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist deshalb für die meisten Arbeitnehmer das wichtigste Absicherungsinstrument überhaupt.
Warum die gesetzliche Absicherung nicht reicht
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente zahlt nur wenn man weniger als 3 Stunden täglich (volle EM) oder 3-6 Stunden täglich (teilweise EM) irgendeine Arbeit verrichten kann — nicht den eigenen Beruf. Ein Chirurg der seinen Beruf nicht mehr ausüben kann aber noch 6 Stunden Pförtner arbeiten könnte, erhält oft keine Leistung.
Durchschnittliche volle Erwerbsminderungsrente (2024): ca. 1.000-1.100 EUR/Monat. Das ist für die meisten Menschen zu wenig zum Leben.
BU vs. Erwerbsminderungsrente: Der entscheidende Unterschied
| Kriterium | Gesetzl. Erwerbsminderungsrente | Private BU-Versicherung |
|---|---|---|
| Leistungsauslöser | Jede Tätigkeit unter 3h möglich | Eigener Beruf zu 50%+ nicht mehr möglich |
| Durchschnittliche Rente | ca. 950-1.100 EUR/Monat | Individuell vereinbart (oft 1.500-2.500 EUR) |
| Anrechnung auf andere Einkünfte | Ja | Nein |
| Inflationsschutz | Gering | Dynamik vereinbarbar |
Wer braucht eine BU-Versicherung?
Grundsätzlich: Jeder der von seinem Arbeitseinkommen lebt und keine ausreichenden Vermögensreserven hat. Besonders wichtig für:
- Angestellte in körperlich belastenden Berufen (Handwerk, Pflege)
- Menschen mit hohem Einkommens- und Lebensstandardbedarf
- Selbstständige ohne gesetzliche Absicherung
- Berufseinsteiger — die günstigste BU gibt es jung und gesund
Was kostet eine BU?
Stark abhängig von Alter, Beruf und Gesundheitszustand. Richtwerte für 1.500 EUR Monatsrente:
- 25 Jahre, Bürojob, gesund: ca. 50-80 EUR/Monat
- 25 Jahre, handwerklicher Beruf: ca. 100-200 EUR/Monat
- 35 Jahre, Bürojob: ca. 80-150 EUR/Monat
- 45 Jahre, handwerklicher Beruf: ca. 250-500 EUR/Monat
Reihenfolge: BU vor ETF-Sparplan
Die richtige Priorität der Finanzen:
- Notgroschen (3 Monatsausgaben)
- BU-Versicherung abschließen
- Hochzinsschulden tilgen
- ETF-Sparplan starten
Wer mit 25 anfängt ETFs zu besparen aber keine BU hat, spart auf einem Fundament das bei Berufsunfähigkeit komplett wegbrechen kann.
Fazit: BU ist das wichtigste Absicherungsprodukt vor dem Depot
Eine BU-Versicherung ist teuer — aber Berufsunfähigkeit ohne Absicherung ist teurer. Wer jung und gesund ist, zahlt vergleichsweise wenig für eine hohe Absicherung. Wer wartet, zahlt mehr oder bekommt wegen Vorerkrankungen keine Versicherung mehr. BU abschließen, dann ETF-Sparplan einrichten: Das ist die richtige Reihenfolge. Der Notgroschen kommt zuerst, dann die BU, dann das Altersvorsorgedepot.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderung?
Berufsunfähigkeit (BU): Privatversicherung — man kann den zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr zu mind. 50 % ausüben. Schützt den Lebensstandard des spezifischen Berufs. Erwerbsminderung (GRV): gesetzliche Versicherung — man kann keine 6 Stunden täglich irgendeine Arbeit mehr leisten (volle Erwerbsminderung). Deutlich schwerer zu erfüllen. Rentenhöhe: ca. 30–40 % des letzten Nettoeinkommens. BU-Versicherung schließt die Lücke zwischen GRV-EM-Rente und Bedarf.
Wie hoch sollte die BU-Rente sein?
Faustregel: 70–80 % des aktuellen Nettoeinkommens. Beispiel: 3.000 EUR Netto — BU-Rente sollte 2.100–2.400 EUR betragen. Minus GRV-EM-Rente (ca. 800–1.000 EUR): BU-Versicherung muss 1.100–1.600 EUR abdecken. Wichtig: BU-Rente bis 67 absichern (Renteneintrittsalter), nicht nur bis 60. Bei jungen Menschen: BU-Beiträge sind günstig — früh abschließen, bevor Vorerkrankungen entstehen. Nachversicherungsgarantie wichtig.
Wie ergänzen sich BU-Versicherung und AVD optimal?
BU schützt das Einkommen heute. AVD schützt das Einkommen im Alter. Beide sind notwendig, nicht alternativ. Reihenfolge: 1) BU-Versicherung abschließen (schützt Gegenwart). 2) AVD besparen (schützt Zukunft). 3) Das AVD-Depot ist pfändungsgeschützt — auch bei BU-Leistungsbezug bleibt es erhalten. Wer nur AVD hat, aber keine BU: Kann im Invaliditätsfall weder heute noch morgen gut schlafen. Wer BU hat: Kann das AVD in Ruhe weiterlaufen lassen.
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