Ob Single oder Ehepaar — die Altersvorsorge funktioniert grundsätzlich gleich: ETF-Sparplan, gesetzliche Rente, ggf. Rürup oder bAV. Aber es gibt erhebliche Unterschiede in der steuerlichen Behandlung, beim Hinterbliebenenrisiko und bei der Möglichkeit zur gemeinsamen Optimierung. Wer die unterschiedliche Ausgangslage kennt, plant besser.
Steuerliche Unterschiede
| Kriterium | Single | Ehepaar (zusammen veranlagt) |
|---|---|---|
| Sparerpauschbetrag | 1.000 EUR/Jahr | 2.000 EUR/Jahr |
| Grundfreibetrag | 11.784 EUR | 2× 11.784 EUR = 23.568 EUR |
| Einkommensteuer (Ehegattensplitting) | Voller Steuersatz | Splitting-Tarif bei Einkommensunterschied |
| Rürup-Sonderausgaben | bis 29.344 EUR | bis 58.688 EUR |
Hinterbliebenenrente: Was Ehepaare haben, Singles nicht
Wenn ein Ehepartner stirbt, erhält der hinterbliebene Partner:
- Witwen-/Witwerrente: 55% der gesetzlichen Rente des Verstorbenen (§ 46 SGB VI)
- Depot-Erbschaft: Das Depot geht komplett an den überlebenden Partner über — mit Erbschaftsteuerfreibetrag von 500.000 EUR
Singles haben das nicht. Wenn ein Single stirbt: Das Depot geht an Erben (Kinder, Eltern, Geschwister) — je nach Verwandtschaftsgrad mit unterschiedlichen Freibeträgen. Eine private Risikolebensversicherung kann diese Absicherungslücke schließen wenn nahestehende Personen (Lebenspartner, Kinder) versorgt werden sollen.
Warum Singles mehr sparen müssen
Singles tragen alle Kosten alleine: Miete, Krankenversicherung, Strom, Internet — ohne Teilung mit einem Partner. Die Lebenshaltungskosten pro Person sind für Singles 30-50% höher als für Paare. Das bedeutet: Singles müssen bei gleichem Einkommen mehr sparen um den gleichen Lebensstandard im Alter zu erreichen.
Faustregel: Singles sollten mindestens 15% des Nettoeinkommens für die Altersvorsorge sparen, Paare können mit 10-12% auskommen (da Fixkosten geteilt werden).
Wie Ehepaare optimieren können
- Freistellungsauftrag aufteilen: 2.000 EUR optimal zwischen beiden Partnern verteilen basierend auf deren Kapitalerträgen
- Renten-Lücken koordinieren: Wer mehr Rentenpunkte hat, arbeitet ggf. länger. Der andere kann früher in Rente.
- Depot-Aufteilung: Wenn ein Partner einen höheren Einkommensteuersatz hat, profitiert die Günstigerprüfung stärker beim Partner mit niedrigerem Satz
- bAV doppelt nutzen: Beide Partner nutzen die betriebliche Altersvorsorge mit Arbeitgeberzuschuss
Strategien für Singles
- Höhere Sparrate als Paare anstreben (15%+ des Nettos)
- Notgroschen größer halten (kein Partner als Rückhalt im Notfall)
- BU-Versicherung besonders wichtig (kein Partnergehalt als Backup)
- Lebensversicherung prüfen wenn Nahestehende abgesichert werden sollen
- Depot-Erbschaft planen: Testament oder Vorsorgevollmacht
Fazit: Beide können gut vorsorgen — aber mit unterschiedlichem Aufwand
Ehepaare haben steuerliche Vorteile und gegenseitige Absicherung. Singles müssen mehr sparen und mehr selbst absichern. Für beide gilt aber: Ein globaler ETF-Sparplan ist das wichtigste Instrument. Singles zahlen etwas mehr für die gleiche Sicherheit — aber mit konsequentem Sparplan und BU-Absicherung ist solide Altersvorsorge auch als Single vollständig machbar.