Kostendeckel von 1,5% auf 1,0% gesenkt
In den finalen Verhandlungen vor dem Bundestag-Beschluss wurde der Kostendeckel für das Altersvorsorgedepot nochmals deutlich reduziert. Ein guter Tag für Sparer — und eine Herausforderung für teure Anbieter.
Key Facts: Die wichtigsten Zahlen und Fakten
- Ursprünglicher Entwurf: 1,5% Kostendeckel pro Jahr
- Finaler Beschluss: 1,0% Kostendeckel pro Jahr
- Der Deckel umfasst ALLE Kosten: TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten.
Mehr erfahren →, Depotgebühr, Vertrieb, Verwaltung - Neobroker liegen mit 0,2-0,5% weit unter dem Deckel
- Versicherer müssen ihre Kostenstruktur überarbeiten
- Kostendeckel von 1,5 % auf 1,0 % p.a. gesenkt — umfasst ALLE Kosten (TER, Depot, Vertrieb)
- Bei 250 EUR/Monat über 30 Jahre spart die Senkung rund 24.000 EUR Endkapital
- Neobroker und Direktbanken liegen mit 0,2-0,7 % weit unter dem Deckel
- Versicherer müssen ihre Kostenstruktur grundlegend überarbeiten
Was bedeutet der Kostendeckel?
Der Kostendeckel von 1,0% ist eine gesetzliche Obergrenze für die jährlichen Gesamtkosten eines Altersvorsorgedepots. Darin enthalten sind sämtliche Kosten, die dem Sparer direkt oder indirekt in Rechnung gestellt werden: die Fondskosten (TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten.
Mehr erfahren →), Depotführungsgebühren, Vertriebsprovisionen, Verwaltungskosten und alle weiteren Gebühren. Nur Transaktionskosten für den Kauf und Verkauf von Fondsanteilen sind ausgenommen, da diese bei Sparplänen typischerweise minimal sind.
Der Deckel gilt für alle zertifizierten Produkte — egal ob reines ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Depot, Fondssparplan oder fondsgebundene Rentenversicherung. Wer die 1,0%-Grenze nicht einhalten kann, erhält keine Zertifizierung und darf sein Produkt nicht als Altersvorsorgedepot vermarkten.
Warum wurde der Deckel gesenkt?
Der ursprüngliche Gesetzentwurf sah einen Kostendeckel von 1,5% vor. Das war zwar deutlich unter den durchschnittlichen Kosten der Riester-RenteWas ist Riester-Rente?Staatlich geförderte Altersvorsorge seit 2002. Gescheitert wegen zu hoher Kosten, Garantiepflicht und niedriger Rendite. Wird ab 2027 durch das Altersvorsorgedepot ersetzt.
Mehr erfahren → (1,5-2,5%), aber immer noch erheblich. Die Verbraucherzentrale kritisierte den Deckel als zu hoch und forderte maximal 0,5%. Auch die Stiftung Warentest sprach sich für eine niedrigere Grenze aus.
In den parlamentarischen Beratungen setzte sich schließlich ein Kompromiss von 1,0% durch. Die Argumentation: Bei 1,0% können die meisten Anbieter profitabel arbeiten, während gleichzeitig sichergestellt ist, dass Sparer nicht zu viel bezahlen. Ein Deckel von 0,5% hätte viele Versicherungsprodukte vom Markt ausgeschlossen, was politisch nicht gewollt war.
Auswirkung auf deine Rendite
Der Unterschied zwischen 1,5% und 1,0% Kosten mag auf den ersten Blick gering erscheinen. Über eine Laufzeit von 30 Jahren summiert sich der Effekt aber erheblich:
| Monatlicher Beitrag | Endkapital bei 1,5% Kosten | Endkapital bei 1,0% Kosten | Differenz |
|---|---|---|---|
| 100 EUR | 83.200 EUR | 92.700 EUR | +9.500 EUR |
| 200 EUR | 166.400 EUR | 185.400 EUR | +19.000 EUR |
| 250 EUR | 208.000 EUR | 232.000 EUR | +24.000 EUR |
Annahme: 7% Bruttorendite pro Jahr (historischer Durchschnitt MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne.
Mehr erfahren →). Bei 250 EUR monatlich sparst du durch den niedrigeren Deckel rund 24.000 EUR über 30 Jahre. Das sind fast 7 Jahresbeiträge, die du zusätzlich im Depot hast — allein durch 0,5% weniger Kosten.
Was ist im Kostendeckel enthalten?
| Kostenart | Enthalten im Deckel? | Typische Höhe |
|---|---|---|
| Fondskosten (TERWas ist TER?Total Expense Ratio — die jährlichen Gesamtkosten eines Fonds/ETFs in Prozent. Günstige ETFs: 0,1-0,3%. Das Standarddepot darf max. 1,0% kosten. Mehr erfahren →) |
Ja | 0,05-0,50% |
| Depotführungsgebühr | Ja | 0,00-0,30% |
| Abschlussprovisionen | Ja (verteilt auf Laufzeit) | 0,00-0,20% |
| Bestandsprovisionen | Ja | 0,00-0,30% |
| Verwaltungskosten | Ja | 0,00-0,20% |
| Transaktionskosten (Kauf/Verkauf) | Nein | Minimal bei Sparplänen |
Gewinner und Verlierer
Gewinner
- Sparer: Mehr Rendite, weniger Kosten
- Neobroker: Liegen weit unter dem Deckel
- Direktbanken: Können 1,0% in der Regel einhalten
- Standarddepot: Benchmark wird relevanter
Herausgefordert
- Versicherer mit hohen Vertriebskosten
- Strukturvertriebe und Provisionsberater
- Fondsgesellschaften mit teuren aktiven Fonds
- Anbieter mit hohen Garantiekosten
Wie reagiert die Branche?
Die Reaktionen fallen erwartungsgemäß gespalten aus. Neobroker und Direktbanken begrueessen den niedrigeren Deckel, da er ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kritisiert die Senkung als "zu weitgehend" und warnt, dass Garantieprodukte dadurch schwieriger anzubieten seien.
Tatsächlich müssen Versicherer ihre Kostenstruktur überarbeiten. Ein klassisches Garantieprodukt mit Deckungsstock, Aussendienst und Provisionen kommt schnell auf 1,5-2,0% Kosten. Um unter 1,0% zu fallen, müssen Vertriebsvergütungen gesenkt und Prozesse digitalisiert werden. Einige Anbieter haben bereits angekündigt, rein digitale Produkte ohne Vermittlerprovision auf den Markt zu bringen.
Praktischer Tipp
Der Kostendeckel ist eine Obergrenze, kein Richtwert. Wähle dein Depot nicht nach dem Motto "unter 1,0% ist gut genug". Ein ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Sparplan beim Neobroker kann unter 0,3% liegen — das sind über 30 Jahre Zehntausende Euro Unterschied zum Deckel. Vergleiche immer die tatsächlichen Kosten.
Internationaler Vergleich
Im europäischen Vergleich liegt Deutschlands Kostendeckel im Mittelfeld. Schweden hat mit dem AP7-Fonds faktisch 0,04% Kosten, die Niederlande liegen bei 0,3-0,5%. Großbritannien hat einen Deckel von 0,75% für automatische Vorsorgeprogramme. Deutschland liegt mit 1,0% darüber, was zum Teil an der komplexeren Anbieterlandschaft und dem Wunsch nach Produktvielfalt liegt.
Stand: Mai 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Das pAV-Reformgesetz ist vollständig beschlossen (Bundesrat: 24.04.2026). Das Altersvorsorgedepot startet am 01.01.2027.