Auf einen Blick
- Inflation Deutschland März 2026 2,8 Prozent
- Durchschnitt 2025 2,2 Prozent
- Bundesbank-Prognose 2026 2,2 Prozent (HVPI)
- Sparquote Deutschland 2025 ca. 10,3 Prozent des Einkommens
- Tagesgeld-Zinsen aktuell oft unter Inflationsrate
Die Bundesbank hat im März 2026 etwas veröffentlicht, das viele übersehen haben: Die Inflationsrate in Deutschland ist von 2,0 Prozent im Februar auf 2,8 Prozent im März gestiegen. Kein Alarm, aber auch keine Entwarnung. Die Prognose für das Gesamtjahr liegt bei 2,2 Prozent. Für 2027 und 2028 rechnet die Bundesbank mit einer langsamen Annäherung an die Zwei-Prozent-Zielmarke.
Was das für jemanden bedeutet, der 20.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto liegen hat, und was es für jemanden bedeutet, der dieselbe Summe in einem ETF-Sparplan aufgebaut hat — das ist der entscheidende Unterschied. Und er ist größer als die meisten Menschen denken.
Was Inflation mit stehendem Geld macht
Bei 2,2 Prozent Inflation im Jahr verliert ein Betrag von 10.000 Euro nach fünf Jahren eine Kaufkraft von rund 1.050 Euro. Das Geld auf dem Konto zeigt noch 10.000 Euro an. Es kann aber weniger kaufen als 2021. Nach zehn Jahren hat es real nur noch die Kaufkraft von etwa 8.000 Euro — gemessen an 2021er Preisen.
Tagesgeldkonten zahlen derzeit zwischen 2,0 und 3,0 Prozent Zinsen, je nach Anbieter. Wer Glück hat, liegt leicht über der Inflation. Aber nach Abzug der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag auf die Zinserträge sind die realen Nettozinsen in vielen Fällen negativ — das heißt, das Geld verliert trotz Zins an Kaufkraft.
Das ist kein Versagen der Bank. Es ist die systemische Logik von Tagesgeld: es ist Parkplatz, kein Wachstumsort. Für Notfallreserven ist das richtig. Für Altersvorsorge über Jahrzehnte ist es kontraproduktiv.
Warum ETF-Sparer bei 2,8 Prozent Inflation ruhig schlafen können
Ein breit gestreuter Aktien-ETF investiert in Unternehmen. Unternehmen können Preise anheben, wenn ihre Kosten steigen. Sie sind damit — im Gegensatz zu Anleihen oder Sparkonten — ein natürlicher Inflationsschutz. Nicht jedes Jahr, nicht kurzfristig, aber über lange Zeiträume tendenziell schon.
Der MSCI World hat über die letzten 30 Jahre durchschnittlich rund 9 bis 10 Prozent nominal pro Jahr erwirtschaftet — also vor Inflation. Nach Abzug von 2 bis 3 Prozent Inflation bleibt ein reales Plus von 6 bis 8 Prozent. Das ist kein Zufall, sondern die aggregierte Produktivität von 1.600 Unternehmen weltweit.
Konkret gerechnet: 200 Euro monatlich, 25 Jahre lang, 7 Prozent Rendite im Schnitt (real ca. 5 Prozent nach Inflation): Endwert ca. 162.000 Euro. Eingezahlt: 60.000 Euro. Dieselben 200 Euro auf einem Tagesgeldkonto mit 2,5 Prozent Bruttozins (nach Steuer ca. 1,85 Prozent, also unter Inflation): Endwert real unter dem Nominalwert.
Die Sparquote in Deutschland — und was sie aussagt
Destatis hat für das erste Halbjahr 2025 eine Sparquote von 10,3 Prozent ermittelt. Deutsche Haushalte sparen also gut ein Zehntel ihres verfügbaren Einkommens. Das ist im europäischen Vergleich hoch — Franzosen und Spanier sparen weniger, Niederländer etwa gleich viel.
Das Problem ist nicht die Sparquote, sondern wohin das Geld fließt. Der Löwenanteil des deutschen Sparvermögens liegt in Lebensversicherungen, Bausparverträgen, Tagesgeld und Festgeld. Der Anteil an Aktien und Aktienfonds ist im europäischen Vergleich extrem niedrig. Schweden und die Niederlande haben eine viel höhere Aktienquote in der privaten Altersvorsorge — und entsprechend bessere Ergebnisse.
10,3 Prozent Sparquote ist eine solide Basis. Entscheidend ist, wo dieses Geld landet. Wer 300 Euro pro Monat spart und davon 200 Euro in einen ETF-Sparplan steckt, baut in 30 Jahren ein Vermögen von deutlich über 200.000 Euro auf — bei vergleichbarer monatlicher Belastung wie ein Versicherungssparer.
Was das für die Altersvorsorge konkret heißt
Inflation von 2,2 bis 2,8 Prozent ist keine Katastrophe. Aber sie ist auch nicht nichts. Wer heute 100.000 Euro fürs Alter spart und das Geld 20 Jahre lang unverzinst auf dem Konto lässt, hat real nur noch die Kaufkraft von etwa 64.000 Euro. Das Geld halbiert sich nicht, aber es schrumpft merklich.
Die Konsequenz ist nicht, alles in Aktien zu stecken und das Tagesgeld aufzugeben. Notfallreserven gehören aufs Konto — da ist Liquidität wichtiger als Rendite. Aber Altersvorsorge über 20 oder 30 Jahre ist eine andere Kategorie. Hier ist Kaufkrafterhalt über Inflationsschutz das Ziel. Und das haben Aktien-ETFs historisch deutlich besser geliefert als Sparkonten.