Auf einen Blick
- Beschluss 27. März 2026, CDU/CSU + SPD
- Start 1. Januar 2027 (nach Bundesrat)
- Max. Förderung 540 Euro Grundzulage pro Jahr
- Kostendeckel 1% p.a. (Standardprodukt)
- Neu dabei Erstmals auch Selbständige förderfähig
Heute Morgen hab ich auf bundestag.de nachgeschaut, was in Kalenderwoche 13 passiert ist — und da steht es schwarz auf weiß: Der Bundestag hat am 27. März 2026 das Altersvorsorgedepot beschlossen. CDU/CSU und SPD stimmten dafür, die Linke dagegen, AfD und Grüne enthielten sich. Das Riester-System wird damit ab 2027 durch etwas ersetzt, das tatsächlich funktionieren könnte.
Kein neues Politversprechen. Kein "wird geprüft". Ein beschlossenes Gesetz. Was das für ETF-Sparer bedeutet, die jetzt entscheiden wollen, ob sie ein Depot eröffnen oder warten — darum geht es hier.
Was genau beschlossen wurde
Das Kernstück der Reform ist das Altersvorsorgedepot: Ein gefördertes Wertpapierdepot, in das man Aktien, Fonds und ETFs einzahlen kann. Die staatliche Förderung läuft über Zulagen, nicht über komplizierte Steuerbescheinigungen wie bei Riester.
Die Förderlogik funktioniert so: Wer bis zu 360 Euro im Jahr einzahlt, bekommt 50 Prozent davon vom Staat — also bis zu 180 Euro. Für jeden weiteren Euro bis zu insgesamt 1.800 Euro Jahresbeitrag gibt es noch mal 25 Prozent obendrauf. Das macht maximal 540 Euro Grundzulage pro Jahr. Wer Kinder hat, bekommt für die ersten 300 Euro Kinderbeitrag sogar 100 Prozent Förderung — der Staat verdoppelt den Betrag.
Für Eltern mit drei Kindern kann die Gesamtförderung also schnell über 1.000 Euro pro Jahr liegen. Das ist deutlich mehr als bei Riester, wo die Grundzulage bei mageren 175 Euro steckengeblieben ist.
Der Kostendeckel — warum er entscheidend ist
Riester ist nicht an schlechten Ideen gescheitert, sondern an Kosten. Versicherungsprodukte mit 2,5 bis 3 Prozent Jahreskosten haben die Rendite systematisch aufgefressen. Ein typischer MSCI World ETF kostet 0,2 Prozent. Der Unterschied über 30 Jahre ist keine Kleinigkeit, sondern ein sechsstelliger Betrag.
Der neue Kostendeckel von 1 Prozent jährlich für das Standardprodukt schließt die teuersten Produkte faktisch aus dem Markt aus. Aktiv gemanagte Fonds mit 1,5 Prozent Managementgebühr sind nicht mehr förderfähig. Was bleibt: kostengünstige Indexfonds und ETFs, genau die Produkte, die langfristig die besten Renditen geliefert haben.
Wichtiger Unterschied zum Riester-Denken: Das Altersvorsorgedepot hat keine Beitragsgarantie mehr. Das klingt nach mehr Risiko, ist aber eigentlich mehr Chance. Wer 25 Jahre in einen breit gestreuten Welt-ETF spart, hat historisch noch nie Verlust gemacht — auch nach den schlimmsten Börsencrashs nicht.
Wer erstmals dabei sein darf
Bei Riester waren Selbständige außen vor. Das war eine strukturelle Ungerechtigkeit, die viele Millionen Menschen von staatlicher Förderung ausschloss. Das neue Gesetz öffnet das Altersvorsorgedepot ausdrücklich auch für Selbständige und Freiberufler. Gleiches gilt für Menschen, die in berufsständischen Versorgungswerken pflichtversichert sind — Ärzte, Anwälte, Architekten — die ebenfalls bisher leer ausgegangen sind.
Das ist ein größerer Schritt als er klingt. In Deutschland gibt es rund 4,5 Millionen Selbständige. Bisher hatten sie keinen Zugang zu staatlich geförderter privater Altersvorsorge außer der Rürup-Rente, die wenig flexibel und schwer verständlich ist.
Was noch fehlt — und was das für dich bedeutet
Der Bundesrat muss noch zustimmen. Das gilt als Formsache, aber verzögert den Startschuss. Realistisch: Die ersten zertifizierten Depots kommen Anfang 2027 auf den Markt. Trade Republic, Scalable Capital und die DKB haben bereits Interesse signalisiert. Die Filialbanken werden später kommen — und vermutlich die teuersten Produkte innerhalb des Kostendeckels anbieten.
Was du jetzt tun kannst: Dich informieren und rechnen. Wie viel Förderung stünde dir zu? Was bringt das Altersvorsorgedepot bei einer Sparrate von 100 Euro monatlich über 20 Jahre — im Vergleich zu einem ungeförderten ETF-Sparplan? Der Unterschied ist meistens kleiner als die Werbung vermuten lässt, aber er existiert. Besonders für Eltern und Geringverdiener ist die Förderung real spürbar.