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Ruhestand als Selbständiger planen

Key-Facts: Ruhestand als Selbständiger

  • Gesetzliches Rentenalter Gilt nur für GRV-Versicherte
  • Kapitalbedarf 25 Jahre Ruhestand ca. 600.000-1.200.000 EUR
  • 4%-Entnahmeregel ca. 2.000 EUR/Monat bei 600.000 EUR Kapital
  • Durchschnittliches Ruhestandsalter Selbständige ca. 64-66 Jahre
  • Altersvorsorgedepot verfügbar ab 65 Jahren
  • Krankenversicherung im Ruhestand Weiter privat oder freiwillig GKV

Das Problem: Kein automatischer Ausstieg

Als Angestellter ist der Weg klar: Mit 67 kommt der Rentenbescheid, der Arbeitgeber verabschiedet dich, die gesetzliche Rente fließt. Als Selbständiger passiert — nichts. Kein Brief, kein Abschied, keine automatische Rente.

Das führt zu zwei typischen Problemen:

  • Problem 1: Du arbeitest bis 75, weil du nie aufgehört hast zu planen — und bist dann zu erschöpft, um den Ruhestand zu genießen
  • Problem 2: Du hörst mit 62 auf, merkst mit 70, dass das Geld nicht reicht — und musst wieder arbeiten

Beides lässt sich vermeiden. Mit einer klaren Zahl und einem klaren Plan.

Schritt 1: Wie viel Geld brauchst du im Ruhestand?

Die wichtigste Zahl: Deine monatlichen Kosten im Ruhestand. Die sind meistens niedriger als heute — aber nicht so niedrig, wie viele glauben.

KostenartTypisch heuteIm RuhestandAnmerkung
Wohnen (Miete/Rate)1.200 EUR800 EURKredit getilgt? Dann weniger
Krankenversicherung700 EUR700 EURBleibt gleich oder steigt (PKV!)
Lebenshaltung1.200 EUR1.000 EUREtwas weniger, aber nicht viel
Auto/Mobilität500 EUR400 EURWeniger Fahrten, aber Reparaturen steigen
Freizeit/Reisen300 EUR600 EURMehr Zeit = mehr Ausgaben hier!
Steuern300-800 EURNachgelagerte BesteuerungWas ist Nachgelagerte Besteuerung?Steuerprinzip bei der Altersvorsorge: In der Ansparphase steuerfrei, erst bei der Auszahlung im Ruhestand wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.
Mehr erfahren →
auf Rente/Depot
Gesamt3.900 EUR3.500-4.000 EURFaustformel: 70-80% vom heutigen Bedarf
Unterschätze die Krankenversicherung nicht: Als privat versicherter Selbständiger zahlst du im Ruhestand den vollen Beitrag weiter — ohne Arbeitgeberzuschuss. PKV-Beiträge von 800-1.200 EUR/Monat ab 70 sind keine Seltenheit. Überlege frühzeitig, ob ein Wechsel in die GKV (wenn möglich) oder ein Tarifwechsel innerhalb der PKV sinnvoll ist.

Schritt 2: Kapitalbedarf berechnen

Wenn du 3.500 EUR/Monat brauchst und 25 Jahre Ruhestand planst (67 bis 92):

Monatlicher BedarfBenötigtes Kapital (4%-Regel)Benötigtes Kapital (3%-Regel, konservativ)
2.500 EUR750.000 EUR1.000.000 EUR
3.000 EUR900.000 EUR1.200.000 EUR
3.500 EUR1.050.000 EUR1.400.000 EUR
4.000 EUR1.200.000 EUR1.600.000 EUR

Von diesem Kapitalbedarf ziehst du ab, was aus anderen Quellen kommt:

  • Rürup-Rente: Lebenslange Rente, reduziert den Kapitalbedarf direkt
  • GRV-Rente: Falls du Ansprüche aus früherer Anstellung oder freiwilliger Einzahlung hast
  • Mieteinnahmen: Falls du Immobilien besitzt
  • Altersvorsorgedepot: Als Kapital oder Verrentung ab 65

Schritt 3: Den Übergang gestalten

Der abrupte Ausstieg — Freitag Selbständiger, Montag Rentner — funktioniert für die wenigsten. Besser ist ein gleitender Übergang über 3-5 Jahre:

1

Phase 1: Reduktion (ab 60-62)

Arbeitsstunden schrittweise reduzieren. Kunden, die Stress machen, abgeben. Fokus auf die profitabelsten Tätigkeiten. Einkommen sinkt, aber Lebensqualität steigt.

2

Phase 2: Überbrückung (62-65)

In dieser Phase brauchst du Zugriff auf dein freies ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Depot — das Altersvorsorgedepot ist erst ab 65 verfügbar. Plane 3 Jahresausgaben als Cash-Reserve ein, um nicht bei schlechten Kursen verkaufen zu müssen.

3

Phase 3: Vollständiger Ruhestand (ab 65-67)

Altersvorsorgedepot wird verfügbar (Kapital oder Rente). Rürup-Rente fließt ab 62. GRV-Rente ab 67 (oder mit Abschlägen ab 63). Jetzt laufen alle Bausteine zusammen.

Firmenübergabe oder -verkauf einplanen

Wenn du eine Firma hast (nicht nur Solo-Selbständig bist), ist die Übergabe ein eigenes Projekt:

  • Firmenwert realistisch bewerten: Viele Selbständige überschätzen den Verkaufswert. Ein Steuerberater mit dem Gewinn von 80.000 EUR ist nicht „1 Million wert".
  • Nachfolger aufbauen: 3-5 Jahre vorher beginnen. Ein Unternehmen, das vom Inhaber abhängt, ist schwer verkäuflich.
  • Firmenwert NICHT als Altersvorsorge einplanen: Behandle den Firmenverkauf als Bonus, nicht als Plan A. Dein Depot und deine Rente müssen auch ohne Firmenverkauf reichen.
Steuerfalle Firmenverkauf: Der Gewinn aus einem Firmenverkauf ist steuerpflichtig. Ab 55 gibt es einen einmaligen Freibetrag von 45.000 EUR (§ 16 Abs. 4 EStG) und die Fünftelregelung zur Milderung. Trotzdem: Plane die Steuer ein, sie kann 30-40% des Verkaufspreises betragen.

Checkliste: 10 Jahre vor dem geplanten Ruhestand

  • Monatliche Ruhestandskosten realistisch kalkulieren (inkl. Krankenversicherung!)
  • Kapitalbedarf berechnen — nutze den Depot-Rechner
  • Altersvorsorgedepot-Stand prüfen: GrundzulageWas ist Grundzulage?Staatlicher Zuschuss zum Altersvorsorgedepot: 50% auf die ersten 360 EUR, 25% auf 361-1.800 EUR Eigenbeitrag. Maximal 540 EUR pro Jahr.
    Mehr erfahren →
    vollständig? DauerzulagenantragWas ist Dauerzulagenantrag?Einmalige Vollmacht an den Depotanbieter, jedes Jahr automatisch die staatlichen Zulagen beim Bundeszentralamt für Steuern zu beantragen. Einmal Häkchen setzen — fertig.
    Mehr erfahren →
    aktiv?
  • GRV-Kontenklärung durchführen (auch wenn nur wenige Punkte vorhanden)
  • Rürup-Vertrag auf Kosten prüfen — ggf. Anbieterwechsel
  • ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
    Mehr erfahren →
    -Depot: RebalancingWas ist Rebalancing?Regelmäßige Umschichtung der Anlagen, um die ursprüngliche Gewichtung wiederherzustellen. Im Altersvorsorgedepot steuerfrei möglich.
    Mehr erfahren →
    Richtung weniger Volatilität planen
  • Krankenversicherung im Ruhestand klären (PKV → Basistarif? GKV möglich?)
  • Nachfolge-/Verkaufsplan für die Firma erstellen
  • Testament und Vollmachten aktualisieren
  • Steuerberater zu Entnahmestrategie befragen (Nachgelagerte BesteuerungWas ist Nachgelagerte Besteuerung?Steuerprinzip bei der Altersvorsorge: In der Ansparphase steuerfrei, erst bei der Auszahlung im Ruhestand wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.
    Mehr erfahren →
    , AbgeltungsteuerWas ist Abgeltungsteuer?Pauschale Steuer von 26,375% (inkl. Soli) auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Gilt für normale Depots, NICHT für das Altersvorsorgedepot in der Ansparphase.
    Mehr erfahren →
    , GünstigerprüfungWas ist Günstigerprüfung?Das Finanzamt prüft automatisch, ob die Zulagen oder der Sonderausgabenabzug für dich vorteilhafter ist. Du bekommst immer das bessere Ergebnis.
    Mehr erfahren →
    )

Der häufigste Fehler: „Ich mache einfach weiter"

Viele Selbständige planen keinen Ruhestand, weil sie ihre Arbeit lieben. Das ist verständlich. Aber ab 70 ändern sich Dinge: Gesundheit, Energie, Marktanforderungen. Wer keinen Plan hat, wird vom Plan überrascht.

Das Ziel ist nicht, aufzuhören. Das Ziel ist, aufhören zu können — wann immer du willst.

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