Die Ruerup-Rente (offiziell: Basisrente) ist das einzige staatlich gefoerderte Altersvorsorgeprodukt fuer Selbststaendige ohne Rentenversicherungspflicht. Ihr grosser Vorteil: erhebliche Steuerersparnisse in der Ansparphase. Ihr grosster Nachteil: totale Illiquiditaet und Verrentungszwang. Was muss man wissen?
Die Steuerfoerderung im Detail
Einzahlungen in eine Ruerup-Rente sind als Sonderausgaben absetzbar. 2026:
- Maximaler Sonderausgabenabzug: 29.344 EUR/Jahr fuer Ledige (58.688 EUR fuer Ehepaare)
- Davon sind 2026 100 % absetzbar (vollstaendiger Abzug seit 2023)
- Steuerersparnis: Abhaengig vom persoenlichen Steuersatz
Beispielrechnung: Selbststaendiger mit 80.000 EUR Gewinn/Jahr. Grenzsteuersatz ca. 42 %. Ruerup-Einzahlung 15.000 EUR. Steuerersparnis: 15.000 x 0,42 = 6.300 EUR weniger Einkommensteuer. Effektive Eigenleistung: nur 8.700 EUR.
| Jahreseinkommen (zu versteuern) | Grenzsteuersatz ca. | Effektive Eigenleistung bei 15.000 EUR Einzahlung |
|---|---|---|
| 60.000 EUR | ca. 38 % | ca. 9.300 EUR |
| 80.000 EUR | ca. 42 % | ca. 8.700 EUR |
| 100.000 EUR | ca. 44 % | ca. 8.400 EUR |
| 25.000 EUR | ca. 25 % | ca. 11.250 EUR |
Die erheblichen Nachteile
Keine Kapitalauszahlung: Das angesparte Kapital wird immer verrentet — es gibt keine Einmalauszahlung. Stirbst du vor Rentenbeginn ohne Hinterbliebenenklausel, verfaellt das Kapital. Nur mit teurer Zusatzklausel (Hinterbliebenenrente) ist das vermeidbar.
Nicht beleihbar, nicht uebertragbar, nicht pfaendungsgeschuetzt: Das Kapital ist bis zur Rente komplett gesperrt. Kein Zugriff bei Notfall, kein Kredit darauf, keine Vererbung des Kapitals (nur Hinterbliebenenrente mit Einschraenkungen).
Nachgelagerte Besteuerung: Die Rente wird im Alter mit dem persoenlichen Steuersatz besteuert. Wer im Alter immer noch 30-40 % Steuern zahlt (wegen Einkuenften aus Depot, Vermietung, etc.), bekommt den Steuereffekt teilweise zurueckgenommen.
Produktkosten: Viele Ruerup-Produkte sind teuer (1,5-2,5 % TER) — besonders klassische Rentenversicherungen. Fondsgebundene Ruerup-Renten mit ETF-Anlage sind guenstiger, aber immer noch teurer als ein direkt ETF-Sparplan.
Wer profitiert wirklich?
Ruerup lohnt sich am staerksten fuer:
- Hochverdienende Selbststaendige (Arzte, Anwaelte, Berater) mit Grenzsteuersatz 42-45 % und ausreichend Einkommen im Alter um die Beitragsleistung zu rechtfertigen
- Menschen ohne Rentenversicherungspflicht die bewusst Altersvorsorge steuerbeguenstigt aufbauen wollen
- Menschen nahe dem Rentenalter (50+) die noch einige Jahre hohe Steuern sparen und den Verrentungszwang weniger als Nachteil empfinden
Ruerup lohnt sich weniger fuer:
- Menschen mit niedrigem bis mittlerem Einkommen (Steuereffekt gering)
- Junge Selbststaendige mit langer Ansparzeit (Liquiditaetssperre 30+ Jahre ist problematisch)
- Menschen die Kapital vererben wollen
Ruerup vs. ETF-Sparplan: Die Kernfrage
Fuer einen Selbststaendigen mit 42 % Grenzsteuersatz:
Ruerup: 15.000 EUR einzahlen, 6.300 EUR Steuerersparnis sofort. Im Alter versteuert. Rigorose Einschraenkungen.
ETF-Sparplan: 15.000 EUR einzahlen, volle Kontrolle, 25 % Kapitalertragsteuer auf Gewinne bei Auszahlung. Keine Einschraenkungen.
Die Faustregel: Je hoeher der Grenzsteuersatz heute vs. dem erwarteten Steuersatz im Alter, desto mehr lohnt sich Ruerup. Wer heute 42 % zahlt und im Alter nur 20 % — klarer Vorteil Ruerup. Wer heute 25 % zahlt und im Alter auch 25 % — kein Vorteil, nur Einschraenkungen.
Fazit: Maechtiges Instrument fuer die richtige Zielgruppe
Ruerup ist kein schlechtes Produkt — es ist ein falsches Produkt fuer die falsche Zielgruppe. Fuer hochverdienende Selbststaendige mit 42-45 % Grenzsteuersatz und Bereitschaft zur lebenslangen Verrentung: ein sehr effektives Steuersparinstrument. Fuer alle anderen: Ein gewoehlicher ETF-Sparplan bietet mehr Flexibilitaet ohne den Steuereffekt wirklich zu vermissen. Ab 2027 kommt das Altersvorsorgedepot als weitere Option — fuer viele Selbststaendige attraktiver als Ruerup durch hoehere Flexibilitaet.