Risikoprofil bestimmen — Welcher Anlegertyp bist du?
Bevor du dein Depot eröffnest, solltest du wissen, wie viel Risiko du wirklich vertragen kannst. Stand: 27.10.2026
Das Wichtigste in Kürze
- Drei Anlegertypen: konservativ, ausgewogen, offensiv
- Entscheidende Frage: Wie reagierst du bei -30 % Kursverlust?
- Risikotoleranz hängt von Alter, Einkommen und Anlagehorizont ab
- Je länger der Anlagehorizont, desto mehr Risiko ist sinnvoll
- Im AltersvorsorgedepotWas ist Altersvorsorgedepot?Neues staatlich gefördertes ETF-Depot für die Altersvorsorge ab 2026/2027. Ersetzt die Riester-Rente. Mit Grundzulage (max. 540 EUR/Jahr), Sonderausgabenabzug (bis 1.800 EUR/Jahr) und Pfändungsschutz.
Mehr erfahren →: Risikosteuerung über ETF-Auswahl
Warum dein Risikoprofil wichtig ist
Das beste Depot nützt dir nichts, wenn du bei der ersten Krise in Panik verkaufst. Deshalb ist die ehrliche Einschätzung deiner Risikotoleranz der wichtigste Schritt vor der Depot-Eröffnung. Dein Risikoprofil bestimmt, welchen ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren → du wählen solltest und wie du auf Marktturbulenzen reagierst.
Es gibt kein "richtiges" Risikoprofil. Es gibt nur eines, das zu dir passt. Und das hängt von drei Faktoren ab: deinem Alter (wie lange kannst du investiert bleiben?), deinem Einkommen (wie sehr bist du auf das Geld angewiesen?) und deiner Persönlichkeit (wie gehst du mit Verlusten um?).
Die drei Anlegertypen
| Typ | Aktienanteil | Renditeerwartung | Max. Verlust (1 Jahr) | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| Konservativ | 30-50 % | 4-5 % p.a. | ca. -15 % | Kurz vor Rente, sehr risikoscheu |
| Ausgewogen | 50-70 % | 5-7 % p.a. | ca. -25 % | Mittlerer Anlagehorizont, moderate Risikobereitschaft |
| Offensiv | 80-100 % | 7-9 % p.a. | ca. -40 % | Langer Anlagehorizont, hohe Risikobereitschaft |
Der Selbsttest: Wie reagierst du bei Verlusten?
Stell dir vor, du hast 50.000 EUR im Depot und der Markt fällt um 30 Prozent. Dein Depot ist jetzt nur noch 35.000 EUR wert. Was machst du?
Antwort A: "Ich verkaufe sofort — das halte ich nicht aus." Dann bist du konservativ. Du brauchst eine Anlage mit weniger Schwankungen. Antwort B: "Ich mache mir Sorgen, halte aber durch." Du bist ausgewogen. Ein Mix aus Aktien und Anleihen passt zu dir. Antwort C: "Super, günstige Kaufgelegenheit! Ich erhöhe meinen Sparplan." Du bist offensiv. Ein reiner Aktien-ETF ist für dich richtig.
Risikoprofil und Alter
Je jünger du bist, desto mehr Risiko kannst du eingehen — weil du mehr Zeit hast, Verluste auszusitzen. Ein 25-Jähriger hat noch 42 Jahre bis zur Rente. In diesem Zeitraum hat der MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne.
Mehr erfahren → historisch nie einen Verlust erzielt. Ein 60-Jähriger hat nur noch 7 Jahre — da können kurzfristige Schwankungen problematisch sein.
Faustregel: Dein Aktienanteil sollte grob bei "100 minus Alter" liegen. Mit 30 also rund 70 % Aktien, mit 50 rund 50 %, mit 60 rund 40 %. Das ist eine grobe Orientierung, keine feste Regel.
Risiko im Altersvorsorgedepot steuern
Im AltersvorsorgedepotWas ist Altersvorsorgedepot?Neues staatlich gefördertes ETF-Depot für die Altersvorsorge ab 2026/2027. Ersetzt die Riester-Rente. Mit Grundzulage (max. 540 EUR/Jahr), Sonderausgabenabzug (bis 1.800 EUR/Jahr) und Pfändungsschutz.
Mehr erfahren → steuerst du dein Risiko primär über die ETF-Auswahl. Ein reiner Aktien-ETF (z.B. MSCI WorldWas ist MSCI World?Aktienindex mit über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Durchschnittliche Rendite seit 1970: ca. 7% pro Jahr. Der Klassiker für ETF-Sparpläne.
Mehr erfahren → oder FTSE All-World) ist die offensive Variante. Wenn du etwas konservativer sein willst, kannst du einen Teil in Anleihen-ETFs investieren. Manche Anbieter bieten auch Garantie-Varianten an, die einen Teil des Kapitals absichern — allerdings auf Kosten der Rendite.
Das staatliche Standarddepot nutzt automatisch einen Gleitpfad: Mit zunehmendem Alter wird der Aktienanteil schrittweise reduziert. Wenn du diese Entscheidung nicht selbst treffen willst, ist das Standarddepot eine gute Option.
Der größte Fehler: Risiko falsch einschätzen
Viele Anleger überschätzen ihre Risikotoleranz in guten Zeiten und unterschätzen sie in schlechten. In der Hausse fühlen sich alle offensiv, im Crash werden alle konservativ. Das führt zum klassischen Muster: Teuer kaufen, billig verkaufen. Sei ehrlich zu dir selbst. Wenn du weißt, dass du bei einem 30-Prozent-Einbruch nervös wirst, wähle eine ausgewogene Strategie — auch wenn du theoretisch mehr Rendite mit einer offensiveren Variante erzielen könntest.
Die BaFin empfiehlt, vor jeder Anlageentscheidung die eigene Risikotoleranz realistisch einzuschätzen.
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Häufige Fragen
Wie bestimmt man das eigene Risikoprofil vor dem AVD-Start?
Drei Dimensionen: 1) Risikotragfähigkeit (objektiv): Wie hoch ist der finanzielle Schaden, den ich dauerhaft verkraften kann? Hängt ab von: Notgroschen vorhanden? Schulden? Festes Einkommen? 2) Risikobereitschaft (subjektiv): Wie reagiere ich emotional auf Kursverluste? 'Ich bleibe ruhig' vs. 'Ich verkaufe in Panik'. 3) Zeithorizont: Wann brauche ich das Geld? Für das AVD: 20–40 Jahre = sehr langer Horizont. Für lange Horizonte: 100 % Aktien-ETF ist die wissenschaftlich fundierte Empfehlung — das Risiko 'verschwindet' historisch über 20+ Jahre.
Welches Risikoprofil passt zu welcher AVD-Strategie?
Drei Profile und ihre Umsetzung: Konservativ (schläft bei -20 % schlecht): 70 % Aktien-ETF + 30 % Anleihen-ETF. Renditeerwartung ca. 5 % p.a. Moderat (akzeptiert Schwankungen): 85 % Aktien-ETF + 15 % Anleihen-ETF. Erwartung ca. 6 % p.a. Offensiv (hält auch -40 % durch): 100 % Aktien-ETF. Erwartung ca. 7 % p.a. Für die meisten AVD-Anleger mit 20+ Jahren Horizont: Das offensive Profil (100 % Aktien) ist mathematisch optimal — das historische Verlustrisiko über 20 Jahre ist faktisch null. Anleihen im AVD: Nur in den letzten 5–10 Jahren vor Rente als Schutz gegen Sequenzrisiko.
Ändert sich das Risikoprofil über das Leben und wann muss man reagieren?
Ja — und es sollte sich ändern. Gleitpfad-Strategie: Mit 30: 100 % Aktien. Mit 50: 90 % Aktien, 10 % Anleihen. Mit 60: 80 % Aktien, 20 % Anleihen. Mit 65: 70 % Aktien, 30 % Anleihen. Der Übergang sollte schrittweise und regelmäßig erfolgen — nicht auf einmal. Praxisregel: 5 Jahre vor Renteneintritt mit der Anleihen-Beimischung beginnen. Anleihen-ETF: z.B. iShares Core Global Aggregate Bond ETF (TER 0,10 %). Psychologischer Vorteil: Ein defensiveres Portfolio kurz vor Rente schützt vor Panikverkauf bei einem Crash im ungünstigsten Moment.
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