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Rentenpunkte kaufen — Was es kostet und wann es sich lohnt

Wer Lücken in seiner Rentenbiografie hat oder Frührentenabzüge ausgleichen will, kann Rentenpunkte kaufen. Was das kostet, wie die Rendite ist und wann der ETF-Sparplan besser ist.

Rentenpunkte kaufen freiwillig Rentenansprüche aufstocken

In der gesetzlichen Rentenversicherung sammelt man Entgeltpunkte (EP) durch Beitragszahlungen. Wer Lücken hat — durch Selbstständigkeit, Auslandsaufenthalt, Kindererziehung oder Arbeitslosigkeit — kann diese durch freiwillige Einzahlungen schließen. Oder wer mit 63 in Rente will, kann die Abzüge durch Sonderzahlungen ausgleichen.

Was kostet ein Rentenpunkt?

Ein Entgeltpunkt entspricht dem Jahresbeitrag bei einem Gehalt in Höhe des Durchschnittsentgelts. 2026: ca. 8.892 EUR Einzahlung für 1,0 EP. Der monatliche Rentenwert eines EP: 39,32 EUR/Monat (West).

Break-Even-Rechnung: 8.892 EUR Einzahlung / 39,32 EUR/Monat = 226 Monate = ca. 18,9 Jahre Bezug bis zur Amortisation.

Bei Renteneintritt mit 67: Break-Even mit ca. 85,9 Jahren. Die statistische Lebenserwartung eines 67-jährigen Mannes liegt bei ca. 82 Jahren — die Investition zahlt sich im Durchschnitt kaum aus.

Ausnahme: Frührentenausgleich ab 50

Der sinnvollste Anwendungsfall für "Rentenpunkte kaufen" ist der Ausgleich von Abzügen bei Frührentenantritt. Wer mit 63 in Rente gehen will statt mit 67, hätte normalerweise 14,4% Abzug. Diese Abzüge können ab 50 durch Sonderzahlungen ausgekauft werden.

Was das kostet: Die DRV berechnet den individuellen Betrag über eine Auskunft (Antrag auf "Auskunft über die Höhe der Beiträge zur Vermeidung von Abzügen bei Rente wegen Alters"). Typisch: ca. 15.000-40.000 EUR für den vollständigen Ausgleich (abhängig von verbleibender Zeit und individueller Rente).

Der steuerliche Vorteil

Sonderzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung sind als Sonderausgaben steuerlich absetzbar (Basisversorgung). 2026 Maximalbetrag: 29.344 EUR/Jahr (58.688 EUR Ehepaare). Bei 42% Grenzsteuersatz: Jede eingezahlte 10.000 EUR kostet real nur ca. 5.800 EUR (4.200 EUR Steuererstattung).

Das verändert die Rendite-Rechnung erheblich: Bei 42% Grenzsteuersatz und Break-Even von 18,9 Jahren (Nominalrechnung) reduziert sich der effektive Break-Even auf ca. 11-12 Jahre — das ist realistisch für viele Menschen.

Vergleich: Rentenpunkte kaufen vs. ETF-Sparplan

KriteriumRentenpunkte kaufenETF-Sparplan
Rendite (Durchschnitt)2-3% p.a. real4-6% p.a. real historisch
LanglebigkeitsschutzJa (lebenslang)Nein (endlich)
FlexibilitätKeineVollständig
VererbbarNein (Witwenrente)Ja
Steuerlicher VorteilHoch (Sonderausgaben)Gering (Freistellungsauftrag)

Für wen lohnt es sich?

  • Menschen die sehr lang leben werden (Familienhistorie, gute Gesundheit mit 60+)
  • Hoher Grenzsteuersatz (42%+) bei der Einzahlung
  • Konkreter Plan auf Frührenteneintritt mit 63 (Ausgleichszahlung macht den Frührenteneintritt günstiger)
  • Keine anderen Anlageoptionen genutzt (bAV, Rürup erschöpft)

Fazit: Sinnvoll für Frührentenausgleich mit hohem Steuersatz — sonst ETF

Rentenpunkte kaufen ist kein schlechtes Produkt — aber kein Selbstläufer. Der steuerliche Vorteil bei hohem Grenzsteuersatz macht es interessant. Der Frührentenausgleich ist der klar beste Anwendungsfall. Für alle anderen gilt: Ein ETF-Depot ist flexibler, renditestärker und vererbbar. Wer beides kombiniert (Frührentenausgleich durch Sonderzahlung + ETF-Depot für Flexibilität), hat die optimale Strategie.

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