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Notgroschen oder direkt ETF? Die richtige Reihenfolge

Wer einen ETF-Sparplan startet ohne Notgroschen riskiert, den Sparplan in einer Krise aufzuloesen. Wie gross der Puffer sein muss und warum er das Fundament jeder Geldanlage ist.

Notgroschen ETF Investieren Reihenfolge

Ein 25-Jähriger fängt an, 200 EUR/Monat in einen MSCI World ETF zu investieren. Nach 2 Jahren (4.800 EUR eingezahlt) verliert er den Job. Das Auto muss repariert werden. Das Depot steht im Minus. Er verkauft — genau im ungünstigsten Moment, realisiert Verluste, und das Langfrist-Investment ist zerstört. Wäre ein Notgroschen vorhanden gewesen, hätte er den Sparplan pausiert und die Krise überbrückt.

Warum der Notgroschen kein Luxus ist

Der Notgroschen (auch Liquiditätsreserve) hat eine spezifische Funktion: Er verhindert, dass unerwartete Ausgaben dazu führen, langfristige Investments zu einem ungünstigen Zeitpunkt aufzulösen. Ohne Notgroschen ist jedes ETF-Investment implizit ein kurzfristiges Investment — weil man jederzeit gezwungen sein könnte zu verkaufen.

Wie gross sollte der Notgroschen sein?

LebenssituationEmpfohlene GroesseBeispiel bei 2.500 EUR Netto
Single, Angestellter, stabile Stelle3 Monatsausgabenca. 4.500-6.000 EUR
Single, Selbstständiger6 Monatsausgabenca. 9.000-12.000 EUR
Familie mit Kindern3-6 Monatsausgabenca. 6.000-12.000 EUR
Eigenheimbesitzer (alte Immobilie)6 Monatsausgaben + Rücklageca. 12.000-15.000 EUR

Wo den Notgroschen parken?

Der Notgroschen soll drei Eigenschaften haben: sofort verfügbar, kein Verlustrisiko, mindestens Inflationsausgleich. Das schließt ETFs aus — und macht Tagesgeld zur richtigen Wahl:

  • Tagesgeldkonto: Sofort verfügbar, 2-3% Zinsen (2024), vollständig einlagensichert bis 100.000 EUR
  • Nicht: Aktien, ETFs, Krypto (Kursschwankungen), Festgeld (nicht sofort verfügbar)

Die richtige Reihenfolge

Finanzielle Prioritätenreihenfolge:

  1. Hochzinsschulden tilgen (Dispokredite, Ratenkredite über 5%) — kein Investment schlägt 15% Dispozins
  2. Notgroschen aufbauen — 3-6 Monatsausgaben auf Tagesgeld
  3. ETF-Sparplan starten — erst jetzt, mit dem was jeden Monat übrig bleibt
  4. Notgroschen gelegentlich prüfen — nach Gehaltserhöhung oder veränderten Ausgaben anpassen

Kann man beides gleichzeitig machen?

Ja — wenn der Notgroschen schnell aufgebaut wird. Zum Beispiel: 150 EUR/Monat Tagesgeld + 50 EUR/Monat ETF. Nach einem Jahr hat man ~1.800 EUR Puffer und 600 EUR im Depot. Nach 3 Monaten Notgroschen auf Zielgröße: auf 50 EUR Tagesgeld + 150 EUR ETF umschichten. Das ist ein pragmatischer Weg für Menschen die mit dem Investieren nicht warten wollen.

Sparplan pausieren wenn Notgroschen angegriffen wird

Wenn der Notgroschen verbraucht wird (Jobverlust, große Reparatur), gilt: Sparplan pausieren bis der Puffer wieder aufgefüllt ist. Die meisten Broker erlauben Sparplan-Pausen ohne Kosten. Ein pausierter Sparplan ist besser als ein Depot das im Minus verkauft wird.

Fazit: Notgroschen zuerst — dann erst investieren

Der Notgroschen ist kein "Geld das nicht arbeitet" — er ist die Versicherung die das ETF-Depot am Leben hält. Ohne ihn ist jedes Langfristinvestment gefährdet. Die Opportunitätskosten (entgangene ETF-Rendite während der Notgroschen aufgebaut wird) sind gering im Vergleich zum Schaden eines erzwungenen Depot-Verkaufs. Drei Monatsausgaben auf Tagesgeld — dann startet der ETF-Sparplan auf festem Fundament.

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