Die Grundrente wurde 2021 eingeführt um langjährig Versicherten mit niedrigen Renten einen Aufschlag zu geben. Wer jahrzehntelang gearbeitet hat aber immer wenig verdient: soll mehr bekommen als jemand der nur kurz eingezahlt hat. Das klingt nach sozialer Gerechtigkeit — und ist es auch, mit Einschränkungen.
Wer bekommt die Grundrente?
Die Grundrente gibt es für Menschen die:
- Mindestens 33 Jahre Grundrentenzeiten haben (Beitragszeiten, Kindererziehungszeiten, Pflegezeiten)
- In diesen Jahren unterdurchschnittlich verdient haben (zwischen 30 % und 80 % des Durchschnittslohns)
- Die Einkommensgrenzen nicht überschreiten: Alleinstehende unter 1.250 Euro/Monat Gesamteinkommen, Ehepaare unter 1.950 Euro
Die volle Grundrente gibt es erst ab 35 Grundrentenzeiten. Zwischen 33 und 35 Jahren: anteilig.
Wie viel bringt die Grundrente?
Die Grundrente wird automatisch von der DRV berechnet — kein Antrag nötig. Die Rentenpunkte aus Niedriglohn-Jahren werden aufgewertet: bis auf maximal 80 % des Durchschnittslohn-Äquivalents. Der Aufschlag ist auf den doppelten persönlichen Durchschnittswert begrenzt.
In der Praxis: Wer 35 Jahre lang 50 % des Durchschnittslohns verdient hat (also 0,5 EP pro Jahr × 35 = 17,5 EP), bekommt durch die Grundrente eine Aufwertung auf einen höheren effektiven EP-Wert. Der durchschnittliche Grundrenten-Zuschlag liegt bei rund 70–86 Euro/Monat.
Die Einkommensanrechnung: Wer zu viel hat, bekommt nichts
Die Grundrente wird mit dem sonstigen Einkommen verrechnet. Wer Kapitalerträge, Vermietungseinkünfte oder eine hohe eigene Rente hat, bekommt weniger oder keine Grundrente. Das ist der Grund warum die Grundrente weniger Empfänger hat als ursprünglich erwartet: Viele haben Einkommen das die Grenzen überschreitet.
Konkret: Über 1.250 Euro (Alleinstehende) wird 60 % des übersteigenden Betrags auf die Grundrente angerechnet. Über 1.600 Euro: 100 % Anrechnung. Das heißt: Ab ca. 1.600 Euro Gesamteinkommen gibt es in der Regel keine Grundrente mehr.
Wie viele profitieren wirklich?
Die Bundesregierung hat bei Einführung mit rund 1,3 Millionen Empfängern gerechnet. Tatsächlich profitieren rund 1,1 Millionen Rentner — etwas weniger als erwartet, weil die Einkommensanrechnung viele ausschließt.
Die größte Gruppe: Frauen in Teilzeit und Frauen mit Kindererziehungszeiten. Der typische Grundrenten-Empfänger: Eine Frau die Jahrzehnte in Teilzeit gearbeitet und mehrere Kinder großgezogen hat.
Grenzen der Grundrente
Die Grundrente ist ein wichtiges Signal — aber kein Durchbruch gegen Altersarmut:
- 70–86 Euro Zuschlag reichen nicht um aus Armut herauszukommen wenn die Basisrente zu niedrig ist
- Wer unter 33 Jahren Beitragszeit hat: Geht komplett leer aus, auch bei niedrigstem Einkommen
- Selbstständige, Solo-Selbstständige: Keine Grundrente wenn nicht in der GRV versichert
- Grundsicherungsempfänger: Die Grundrente wird von der Grundsicherung nicht voll angerechnet (Freibetrag 212 Euro) — aber der Effekt ist begrenzt
Das Altersvorsorgedepot als Ergänzung
Wer potenziell Grundrente bekommt — also typischerweise Teilzeit-Beschäftigte mit langer Berufslaufbahn — profitiert besonders vom Altersvorsorgedepot. Die Grundzulage von 540 Euro/Jahr ist für Geringverdiener prozentual besonders wertvoll: Wer 600 Euro/Jahr einzahlt und 540 Euro Zulage bekommt, trägt selbst nur 60 Euro — der Staat finanziert 90 % der Einzahlung.
Fazit: Grundrente ist ein Schritt, kein System
Die Grundrente schützt langjährig Niedrigverdienende vor der schlimmsten Altersarmut — mit einer bescheidenen monatlichen Aufstockung. Sie ist ein sozialpolitisches Signal, kein struktureller Umbau. Wer dauerhaft gut abgesichert sein will, braucht mehr: private Altersvorsorge, das Altersvorsorgedepot ab 2027, und idealerweise eine vollere Erwerbsbiografie.