Key-Facts: E-Commerce und Altersvorsorge
- Amazon FBA-Händler in Deutschland ca. 40.000+
- Durchschnittlicher Gewinn (Vollzeit) 30.000 – 80.000 €/Jahr
- Top-Händler 200.000+ € Gewinn
- Gewinnmarge (typisch) 10 – 25 %
- Selbständige ohne Vorsorge 26 % (Solo: über 50 %)
- Depot-Grundzulage max. 540 €/Jahr
Das Grundproblem: Umsatz ist nicht Gewinn
Ein Amazon-FBA-Händler mit 500.000 Euro Jahresumsatz klingt beeindruckend. Aber nach Wareneinkauf, Amazon-Gebühren (ca. 30 %), Versand, Retouren, PPC-Werbung und Steuern bleiben oft nur 10-20 % Gewinn. Das sind 50.000 bis 100.000 Euro. Und davon muss noch die Einkommensteuer weg. Trotzdem: Viele Online-Händler reinvestieren ALLES in Warenbestand — und vergessen die Altersvorsorge komplett.
Online-Händler sind in der Regel Gewerbetreibende, nicht Freiberufler. Das hat steuerliche Konsequenzen: Gewerbesteuer ab 24.500 Euro Gewinn, aber auch die Anrechnung auf die Einkommensteuer. Und: Als Gewerbetreibender bist du nicht pflichtversichert in der GRV — außer du bist als Einzelunternehmer mit nur einem Auftraggeber tätig.
Vorsorge-Strategie nach Geschäftsmodell
| Geschäftsmodell | Gewinn/Jahr (typisch) | Risikoprofil | Vorsorge-Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Amazon FBA (Private Label) | 40.000 – 150.000 € | Hoch (Plattform-Abhängigkeit) | GRV freiwillig + Depot + Rürup + freies ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau. Mehr erfahren →-Depot |
| Eigener Shopify-Shop | 20.000 – 100.000 € | Mittel (eigene Infrastruktur) | Depot + Rürup (bei hohem Gewinn) |
| Dropshipping | 10.000 – 50.000 € | Sehr hoch (Marge minimal) | GRV freiwillig + ETF-Sparplan |
| E-Commerce GmbH | 50.000 – 500.000+ € | Mittel | bAV + Geschäftsführer-Gehalt + privat |
Die 30-Prozent-Regel für E-Commerce
Die Faustregel für Online-Händler: 30 % des Nettogewinns sofort vom Geschäftskonto abziehen und aufteilen: 20 % Steuerrücklage, 10 % Altersvorsorge. Das klingt nach wenig, aber es ist der Unterschied zwischen Vorsorge und Null. Bei 60.000 Euro Gewinn sind das 6.000 Euro/Jahr für die Altersvorsorge — genug für ein ETFWas ist ETF?Exchange Traded Fund — ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Aktienindex (z.B. MSCI World) nachbildet. Günstig, breit gestreut, ideal für langfristigen Vermögensaufbau.
Mehr erfahren →-Depot und die Grundbeiträge.
Mehr erfahren →. Gleichzeitig kannst du über die GmbH eine betriebliche Altersvorsorge finanzieren.
Rechenbeispiel: FBA-Händler, 72.000 Euro Gewinn
35 Jahre alt, verheiratet, ein Kind. 72.000 Euro Nettogewinn als Einzelunternehmer. Bisher keine Vorsorge außer einem Tagesgeldkonto.
| Baustein | Monatlich | Jährlich | Steuereffekt |
|---|---|---|---|
| Freiwillige GRV | 100 € | 1.200 € | SonderausgabenabzugWas ist Sonderausgabenabzug?Beiträge zum Altersvorsorgedepot (bis 1.800 EUR/Jahr) können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden und reduzieren die Einkommensteuer. Mehr erfahren → |
| Altersvorsorgedepot (+ KinderzulageWas ist Kinderzulage?Zusätzliche staatliche Zulage von bis zu 300 EUR pro kindergeldberechtigtem Kind pro Jahr. Wird als 1:1-Matching des Eigenbeitrags gewährt. Mehr erfahren →) |
250 € | 3.000 € | 540 € + 300 € Zulagen |
| Rürup (ETF-basiert) | 500 € | 6.000 € | ca. 2.520 € Erstattung |
| Freies ETF-Depot | 300 € | 3.600 € | — |
| Gesamt | 1.150 € | 13.800 € | ca. 3.360 €+ Zulagen |
Nach 32 Jahren bei 6 % Rendite ergibt sich ein Gesamtkapital von ca. 1,7 Millionen Euro. Die Nachgelagerte BesteuerungWas ist Nachgelagerte Besteuerung?Steuerprinzip bei der Altersvorsorge: In der Ansparphase steuerfrei, erst bei der Auszahlung im Ruhestand wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.
Mehr erfahren → bei Rürup und GRV reduziert die Auszahlung, aber die Zulagen und Steuerersparnisse gleichen das mehr als aus.
GmbH vs. Einzelunternehmen: Was ist besser für die Vorsorge?
Ab ca. 80.000 Euro Gewinn lohnt sich die GmbH-Gründung häufig — nicht nur steuerlich (15 % KSt + ca. 15 % GewSt vs. bis 45 % ESt), sondern auch für die Altersvorsorge. Als GmbH-Geschäftsführer kannst du:
- Dir ein sozialversicherungspflichtiges Gehalt zahlen (→ GRV-Zugang, Depot-Zugang)
- Eine bAV als Betriebsausgabe finanzieren
- Gewinne in der GmbH thesaurieren und über die GmbH investieren
- Privat zusätzlich Rürup und ETF-Depot besparen
Die größte Gefahr: Alles ins Geschäft reinvestieren
Online-Händler denken in Warenwert und ROAS (Return on Ad Spend). "Jeden Euro, den ich in Ware stecke, bekomme ich 2,5-fach zurück." Das stimmt — bis es nicht mehr stimmt. Ein neuer Wettbewerber, eine Amazon-Gebührenerhöhung, ein Lieferkettenbruch — und der ROAS bricht ein. Wer dann 100 % im Geschäft hat und 0 % in der Altersvorsorge, steht mit leeren Händen da.
33 % der ehemaligen Selbständigen bekommen weniger als 700 Euro Rente pro Monat. Das betrifft gerade die, die "immer reinvestiert" haben.
Vorteile
- Hohe Gewinne ermöglichen starke Vorsorge-Beiträge
- GmbH-Option bietet zusätzliche Vorsorgewege (bAV)
- Rürup-Sonderzahlung passt zu schwankenden Gewinnen
- Geschäft kann als Exit verkauft werden (Zusatz-Rente)
Nachteile / Risiken
- Plattform-Abhängigkeit (Account-Sperrung, Gebührenerhöhung)
- Versuchung, alles zu reinvestieren
- Kein GRV-Zugang ohne freiwillige Versicherung
- Gewinne schwanken stark (Retouren, Saison, Wettbewerb)
Altersvorsorge für Selbständige
Grundlagen für Gewerbetreibende ohne Pflichtversicherung.
Altersvorsorge für IT-Berater
Ähnlich hohes Einkommen, andere Struktur.
Altersvorsorge für Makler
Ebenfalls provisionsbasiert und volatil.
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