Immer mehr Menschen wollen oder müssen nach dem regulären Rentenalter weiterarbeiten — aus finanziellen Gründen, weil die Arbeit Spaß macht, oder weil eine Firma sie dringend braucht. Die gute Nachricht: Wer nach 67 weiterarbeitet, profitiert in mehrfacher Hinsicht — höhere Rente, mehr Nettolohn, und gesellschaftliche Relevanz.
Was ist die Aktivrente?
Die "Aktivrente" ist kein offizieller Gesetzesterminus — er beschreibt das Weiterarbeiten nach Erreichen der Regelaltersgrenze (67 Jahre) während man gleichzeitig Rente bezieht oder die Rente aufschiebt. Die Koalition hat 2025 Änderungen beschlossen die das Weiterarbeiten nach 67 steuerlich und sozialversicherungsrechtlich attraktiver machen.
Unbegrenzt dazuverdienen — nach 67
Seit 2023 gilt: Wer die Regelaltersgrenze (67 Jahre) erreicht hat, kann unbegrenzt dazuverdienen ohne dass die Rente gekürzt wird. Das ist die entscheidende Regel. Vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze gab es Einkommensgrenzen — diese fallen mit 67 komplett weg.
Praktisch: Du bekommst deine volle Rente (z.B. 1.600 Euro) und arbeitest zusätzlich 20 Stunden/Woche für 1.500 Euro netto. Kein Abzug von der Rente. Beide Beträge fließen gleichzeitig.
Alternative: Rente aufschieben für mehr Rente
Wer mit 67 arbeiten kann und will, aber noch keine Rente beantragt: Für jeden Monat den der Rentenbeginn aufgeschoben wird, erhöht sich die spätere Rente um 0,5 % — das sind 6 % pro Zusatzjahr.
Beispielrechnung: Anspruch mit 67: 1.600 Euro. Weiterarbeiten bis 69 (2 Jahre = 24 Monate): Zuschlag 24 × 0,5 % = 12 %. Neue Rente: 1.600 × 1,12 = 1.792 Euro/Monat — dauerhaft, für den Rest des Lebens.
Wer 15 Jahre Rente bezieht und 192 Euro mehr pro Monat bekommt: das sind rund 34.560 Euro extra über die Rentenlaufzeit. Für die 2 Jahre Wartezeit (24 Monate × 1.600 Euro = 38.400 Euro entgangene Rente): Der Break-Even liegt bei rund 17 Jahren Rente — wer also älter als 84 wird, hat durch den Aufschub gewonnen.
Sozialversicherung beim Weiterarbeiten
Wer nach 67 weiterarbeitet, zahlt weiterhin Rentenversicherungsbeiträge — aber seit 2023 kann der Arbeitnehmer sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Das erhöht den Nettolohn sofort um den Arbeitnehmer-Anteil zur RV (9,3 % des Bruttolohns).
Was bleibt: Krankenversicherung (ca. 7,3 % + Zusatzbeitrag) und Pflegeversicherung (1,7 %) sind weiterhin fällig. Die können nicht befreit werden.
Steuern beim Weiterarbeiten im Rentenalter
Rente + Arbeitseinkommen werden zusammen versteuert. Das bedeutet: Das Arbeitseinkommen wird über dem Grundfreibetrag (11.784 Euro/Jahr) mit dem persönlichen Einkommensteuersatz belegt. Bei moderatem Zusatzeinkommen (bis 15.000 Euro/Jahr) ist die Steuerlast überschaubar — bei höherem Zusatzeinkommen steigt die Steuerlast erheblich.
Praktischer Tipp: Eine Steuerberatung vor dem Start des Weiterarbeitens rechnet die tatsächliche Netto-Situation durch. Die Kombination von Rente + Gehalt kann zu unerwarteten Steuernachzahlungen führen wenn man es nicht plant.
Wann lohnt sich Weiterarbeiten?
- Körperlich nicht belastende Tätigkeiten: Schreibtischarbeit, Beratung, Coaching — körperlich möglich bis weit über 70
- Niedrige Rente: Wer 900 Euro Rente hat und 1.500 Euro Miete zahlt, muss weiterarbeiten oder hat massive finanzielle Probleme
- Lange Lebenserwartung in der Familie: Wer erwartet 90+ zu werden, profitiert vom Rentenaufschub stärker
- Sinnhaftigkeit: Viele ältere Menschen berichten dass die Arbeit wichtig für mentale Gesundheit, soziale Kontakte und Lebensqualität ist
Fazit: Aktivrente ist eine echte Option — nicht nur Not
Weiterarbeiten nach 67 ist kein Zeichen von Scheitern — es kann finanziell und persönlich sinnvoll sein. Die neuen Regeln (unbegrenzt dazuverdienen, Befreiung von Rentenversicherung) machen es attraktiver als je zuvor. Wer die Wahl hat: Die Kombination aus Rentenaufschub + Weiterarbeiten bis 69 kann die Gesamtrente erheblich erhöhen.
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