Die häufigste Frage in der Anlageberatung: "Empfehlen Sie mir einen guten Fonds." Die häufigste Antwort in der Bankberatung: Ein aktiv verwalteter Fonds mit 5% Ausgabeaufschlag und 1,5% Jahresgebühr. Die selten gestellte Folgefrage: "Schlägt dieser Fonds langfristig den Index?" Die Antwort ist statistisch: mit 80% Wahrscheinlichkeit — Nein.
Die SPIVA-Studie: Die wichtigste Datenbasis
S&P Dow Jones Indices veröffentlicht halbjährlich die SPIVA-Studie (S&P Indices Versus Active). Ergebnis für Europa über 15 Jahre (2024):
| Anlageklasse | Fonds die ihren Index NICHT schlugen (15 Jahre) |
|---|---|
| Europa-Aktien (aktiv) | 84% |
| US-Aktien (aktiv) | 92% |
| Emerging Markets (aktiv) | 79% |
| Globale Aktien (aktiv) | 88% |
Über 15 Jahre schlägt nur etwa jeder 8. bis 10. aktive Fonds seinen Vergleichsindex — nach Kosten.
Warum aktive Fonds scheitern
Drei Hauptgründe:
1. Kosten: Ein aktiver Fonds kostet 1,5-2,5% p.a. (TER + Ausgabeaufschlag amortisiert). Ein ETF kostet 0,05-0,20% p.a. Der Fondsmanager muss also den Index um 1,3-2,3% p.a. übertreffen — nur um den Anleger break-even zu stellen. Über 15-20 Jahre ist das ein enormes Handicap.
2. Informationseffizienz: In gut entwickelten Märkten (USA, Europa) ist nahezu alle öffentlich verfügbare Information bereits im Kurs eingepreist. Der Informationsvorteil des Fondsmanagers gegenüber dem Markt ist minimal — er handelt gegen Tausende andere genauso gut informierte Profi-Investoren.
3. Survivorship Bias: Die meisten Fonds die schlecht performen, werden aufgelöst oder mit anderen Fonds zusammengelegt. Statistiken zeigen nur überlebende Fonds — was die durchschnittliche Performance der aktiven Fonds zu gut dastehen lässt.
Was Kosten langfristig ausmachen
| Investition | Kosten/Jahr | Depot nach 30 Jahren (100.000 EUR, 8% Brutto) |
|---|---|---|
| ETF (TER 0,20%) | 0,20% | ca. 978.000 EUR |
| Aktiver Fonds (1,50% TER) | 1,50% | ca. 658.000 EUR |
| Aktiver Fonds + Ausgabeaufschlag (5%) | 1,50% + Aufschlag | ca. 625.000 EUR |
Unterschied ETF vs. aktiver Fonds bei 100.000 EUR Startkapital über 30 Jahre: ca. 353.000 EUR. Das ist kein Kleingeld.
Wann aktive Fonds trotzdem sinnvoll sind
Es gibt Nischen wo aktive Manager einen echten Vorteil haben können:
- Illiquide Märkte: Kleine Nebenwerte, Private Equity, bestimmte Emerging Markets — hier ist öffentliche Information weniger vollständig
- Absolute Return Strategien: Fonds die in fallenden Märkten positiv sein wollen (Hedgefonds-Ansätze)
- Hochwertige Anleihen-Manager: Im Bereich Credit Selection können gute Manager konsistenter übertreffen
Seltene Ausnahme bei Aktien-Fonds: Terry Smith mit dem Fundsmith Equity Fund hat seinen Vergleichsindex über mehr als ein Jahrzehnt konstant geschlagen — durch ein konzentriertes Portfolio aus Qualitätsunternehmen, nicht durch aktives Trading. Er ist die Ausnahme die die Regel bestätigt. Das Gegenteil zeigt der Dirk Müller Premium Fonds: trotz Promi-Status rund 140 Prozentpunkte hinter dem MSCI World über 8 Jahre — bei deutlich höheren Kosten.
Für einen privaten Altersvorsorge-Anleger mit 20-30 Jahren Horizont ist keiner dieser Ausnahmefälle zuverlässig vorhersehbar oder reproduzierbar.
Fazit: Das Geld arbeitet für den Fonds — oder für dich
Wer einen aktiven Fonds kauft, bezahlt die Research-Teams, die Büros, die Fondsmanager-Gehälter und die Bankberater-Provision — aus seiner eigenen Rendite. Ein ETF zahlt hingegen nur die passive Verwaltung des Index. Über 30 Jahre macht dieser Unterschied mehr aus als fast jede andere Entscheidung in der Altersvorsorge. Passiv investieren ist kein Kompromiss — es ist die überlegene Strategie für private Anleger.