Auf einen Blick
- Rentenbeitragssatz 1970 17,0 Prozent
- Rentenbeitragssatz 2026 18,6 Prozent
- Prognose Beitragssatz 2035 22,3 Prozent
- Rentenniveau Boomer-Generation (ca. 1960) über 55 Prozent
- Rentenniveau Gen Z (Prognose ab 2060) unter 43 Prozent
Eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hat etwas ausgerechnet, was in der öffentlichen Debatte kaum vorkommt: Was bekommt ein heute 67-jähriger Rentner aus dem Rentensystem heraus — und was wird ein heute 25-Jähriger herausbekommen, wenn er in 42 Jahren in Rente geht? Die Antwort ist nicht nur ein Unterschied in Prozentpunkten. Es ist ein strukturelles Ungleichgewicht, das seit Jahrzehnten wächst.
Ein Babyboomer, geboren 1957, hat zu einem Beitragssatz von rund 18 Prozent eingezahlt — und erhält eine Rente auf Basis eines Rentenniveaus von über 50 Prozent des Durchschnittslohns. Jemand, der 1999 geboren wurde, wird bei einem Beitragssatz von möglicherweise 22 bis 24 Prozent einzahlen — und erhält prognostisch eine Rente von unter 43 Prozent. Mehr zahlen, weniger bekommen.
Warum das System so funktioniert
Das Umlageverfahren ist kein Generationenbetrug. Es war historisch eine kluge Konstruktion: In der Nachkriegszeit gab es viele Beitragszahler und relativ wenige Rentner. Das System war im Gleichgewicht — oder sogar im Überschuss. Die Renten konnten generös sein, weil viele Hände wenige Münder fütterten.
Die Demografie hat sich verändert. Die Babyboomer — jene geburtenstärksten Jahrgänge von 1955 bis 1970 — sind groß geworden, haben eingezahlt und gehen jetzt in Rente. Gleichzeitig sind sie numerisch die größte Rentnerkohorte, die Deutschland je hatte. Die Generation Z (geboren 1997-2012) ist kleiner — und es kommen noch weniger nach.
Das Verhältnis kippt: Kamen in den 1970er-Jahren noch rund 4 Beitragszahler auf einen Rentner, werden es 2035 voraussichtlich nur noch 1,7 sein. Das Umlageverfahren hat keine Reserve, keinen Kapitalstock. Was nicht eingezahlt wird, kann nicht ausgezahlt werden. Also steigen die Beiträge.
Die Schieflage in Zahlen: Ein Babyboomer (Jahrgang 1960) hat über sein Erwerbsleben rund 18 Prozent Rentenbeitrag gezahlt und erhält im Schnitt 20 bis 25 Jahre Rente. Ein Mitglied der Gen Z wird voraussichtlich 20 bis 22 Prozent zahlen und statistisch ähnlich lange Rente beziehen — aber auf deutlich niedrigerem Niveau. Die interne Rendite der Rentenversicherung sinkt mit jeder Kohorte.
Die Gegenargumente — und was daran stimmt
Die Gegenseite der Debatte bringt valide Punkte. Erstens: Die Babyboomer haben auch die Infrastruktur, Bildung und Sozialleistungen bezahlt, von denen die Gen Z profitiert. Das Rentensystem allein zu betrachten greift zu kurz.
Zweitens: Die Rentenreformen der 2000er-Jahre (Riester-Reform, Riester-Faktor, Nachhaltigkeitsfaktor) haben das System bereits angepasst. Das Rentenniveau ist von über 55 Prozent auf heute 48 Prozent gesunken — eine erhebliche Absenkung, die den Beitragssatz stabilisiert hat.
Drittens: Die Gen Z wird von längerem Erwerbsleben profitieren — sie wird statistisch gesünder und länger arbeiten als die Boomer-Generation, und damit auch länger einzahlen.
Was die Gen Z daraus machen sollte
Die sachliche Schlussfolgerung ist nicht Wut, sondern Pragmatismus. Das System wird für die Gen Z weniger leisten als für die Boomer. Das ist eine Prognose, keine Gewissheit — aber eine hinreichend wahrscheinliche, um Konsequenzen zu ziehen.
Die Konsequenz ist private Altersvorsorge: ETF-Sparplan, Altersvorsorgedepot, Eigenkapital. Wer heute 25 ist und 150 Euro monatlich in einen thesaurierenden Welt-ETF spart, hat mit 67 bei 7 Prozent p.a. über 500.000 Euro angespart — eingezahlt wurden 63.600 Euro. Das Umlageverfahren kann dieser Mathematik strukturell nicht das Wasser reichen.
Der erste Schritt: Unseren Altersvorsorgedepot-Rechner nutzen, um die eigene Rentenlücke zu berechnen. Und unseren Ratgeber lesen, um zu verstehen, wie das neue Fördermodell funktioniert.