Auf einen Blick
- Grundzulage Riester 175 EUR/Jahr (unverändert seit 2018)
- Grundzulage Altersvorsorgedepot ab 2027 540 EUR/Jahr — mehr als 3x so viel
- Kinderzulage Riester 185 EUR (vor 2008) / 300 EUR (ab 2008)
- Riester-Verträge aktiv Ca. 14,8 Mio. (2025), Tendenz fallend
- Problem Hohe Kosten, Beitragsgarantie bremst Rendite, Grundsicherungs-Anrechnung
- Sinnvoll noch für Gutverdiener mit 3+ Kindern, Beamte, bereits laufende günstige Verträge
Warum Riester ein schlechtes Image hat — berechtigt?
Die Riester-Rente wurde 2002 eingeführt und als privates Pendant zur gleichzeitig erfolgten Senkung des Rentenniveaus vermarktet. Die Realität 2026: Ca. 14,8 Mio. aktive Verträge, aber Millionen davon sind beitragsfrei gestellt oder performen miserabel.
Die strukturellen Probleme:
- 100-%-Beitragsgarantie: Anbieter müssen garantieren, dass mindestens alle eingezahlten Beiträge + Zulagen am Ende vorhanden sind. Das zwingt sie, einen Großteil in sichere (renditearme) Anlagen zu stecken. Bei Niedrigzinsen hieß das: Nullrendite, während der Markt 7 % p.a. machte.
- Hohe Produktkosten: Klassische Riester-Rentenversicherungen kosten 1–3 % p.a. auf das angelegte Kapital — das frisst Förderung und Rendite auf.
- Grundsicherungs-Anrechnung: Die Riester-Rente wird auf Grundsicherung im Alter (SGB XII) angerechnet — wer im Alter arm ist, hat durch Riester oft nichts gewonnen.
- Komplexität: Dauerzulagenantrag, Mindestbeitrag, Schädlichkeit (bei Kündigung Rückzahlung aller Zulagen) — viele Sparer überblicken das nicht.
Für wen Riester 2026 noch rechnerisch sinnvoll ist
Szenario 1: Gutverdiener mit 3+ Kindern — die Förder-Mathematik explodiert
Bei 3 Kindern (ab 2008 geboren), alleinstehend, Grenzsteuersatz 42 %:
- Grundzulage: 175 EUR
- 3 × Kinderzulage: 3 × 300 EUR = 900 EUR
- Summe Zulagen: 1.075 EUR
- Steuererstattung (42 % auf 2.100 EUR Höchstbeitrag): ca. 882 EUR
- Gesamtförderung: ca. 1.957 EUR bei 2.100 EUR Beitrag
- Effektiver Eigenanteil: 143 EUR/Jahr
Das entspricht einer sofortigen "Förderquote" von über 1.300 % auf den echten Eigenbeitrag. Selbst wenn das Produkt mittelmäßig ist, rechtfertigt diese Förderung einen Riester-Vertrag — aber nur mit einem günstigen ETF-Riester-Produkt.
Szenario 2: Beamte — ein vergessener Riester-Vorteil
Beamte sind nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung, aber riesterberechtigt. Das macht sie zu einer Sondergruppe: Sie haben eine Beamtenversorgung die gut ist — aber durch Riester können sie zusätzlich staatlich gefördert vorsorgen. Wohn-Riester (für Eigenheimfinanzierung) ist bei Beamten besonders attraktiv, weil der eigene Beitrag klein und die Zulage relativ hoch ist.
Szenario 3: Niedrigeinkommen, Kinder — mit Vorsicht
Wer wenig verdient und Kinder hat, bekommt einen Großteil erstattet. Der Haken: Im Alter wird die Riester-Rente auf staatliche Grundsicherung angerechnet (Freibetrag nur 212 EUR). Wer im Alter wirklich arm ist, hat durch Riester kaum etwas — die meisten der eingezahlten Mittel werden "aufgesogen". In diesem Fall: Lieber ETF-Depot (liegt beim Einbruch ins Bürgergeld-Vermögen, aber nach 10 Jahren ETF-Depot gibt es Freibeträge).
Riester vs. Altersvorsorgedepot ab 2027 — direkter Vergleich
| Kriterium | Riester-Rente (2026) | Altersvorsorgedepot (ab 2027) |
|---|---|---|
| Grundzulage | 175 EUR/Jahr | 540 EUR/Jahr |
| Kinderzulage | 300 EUR/Kind (ab 2008) | 300 EUR/Kind |
| Steuerlicher Abzug | Bis 2.100 EUR Sonderausgaben | Bis 3.000 EUR (geplant) Sonderausgaben |
| Beitragsgarantie | Pflichtweise 100 % — drückt Rendite | Optional (drei Varianten inkl. "ohne Garantie") |
| ETF-Anlage | Nur bei ETF-Riester-Produkten | Standard — MSCI World/global diversifiziert |
| Kostendeckel | Kein gesetzlicher Deckel | Max. 1 % TER gesetzlich |
| Grundsicherungs-Anrechnung | Ja (nur 212 EUR Freibetrag) | Noch offen, voraussichtlich ähnlich |
| Vererbbarkeit | Eingeschränkt (Hinterbliebenenrente) | Besser geregelt (Depot vererbbar) |
Fazit des Vergleichs: Das Altersvorsorgedepot ist in fast allen Punkten besser — insbesondere durch die 3x höhere Grundzulage. Wer bisher Riester gespart hat: Laufende Verträge nicht überstürzt kündigen — aber neue Sparbeiträge ab 2027 ins Altersvorsorgedepot lenken.
Was mache ich mit meinem alten Riester-Vertrag?
Millionen Deutsche haben laufende Riester-Verträge. Die Optionen:
Option 1: Beitragsfrei stellen (empfehlenswert für schlechte Verträge)
Keine neuen Einzahlungen mehr, aber der bestehende Vertragsstand bleibt erhalten. Alle bisherigen Zulagen bleiben. Kein weiterer Renditeverlust durch neue Kosten. Sinnvoll wenn der Vertrag hohe Kosten hat und noch kein gutes ETF-Produkt ist.
Option 2: Kündigung (nur in Ausnahmen)
Bei Kündigung werden alle erhaltenen Zulagen und Steuererstattungen zurückgefordert. Sinnvoll nur wenn das Vertragskapital das noch deutlich übersteigt (sehr alte schlechte Versicherungsverträge mit noch geringem Kapital) oder wenn man sehr jung ist und wenig eingezahlt hat.
Option 3: Weiterführen mit günstigem ETF-Riester
Wenn du einen ETF-Riester-Vertrag hast (fairr/Sutorbank, geringste Kosten), lohnt es sich ihn weiterzuführen — besonders wenn du Kinder hast. Die Grundzulage ist niedriger als beim neuen Depot, aber durch Kinderzulagen und Steuervorteile kann der Vertrag attraktiv bleiben.
Option 4: Übertragung auf Altersvorsorgedepot (ab 2027)
Eine direkte Übertragung von Riester auf das Altersvorsorgedepot ohne Rückzahlungspflicht ist politisch diskutiert. Die genauen Übergangsregeln werden 2026/2027 festgelegt. Es lohnt sich, diese Entwicklung zu beobachten.
Welche Riester-Produkte sind noch empfehlenswert?
Wenn Riester, dann nur mit günstigen Produkten:
- ETF-Riester (Sutorbank / ehem. fairr.de): Günstigster ETF-basierter Riester, TER ca. 0,4–0,6 % p.a. gesamt, kostengünstige ETF-Auswahl
- Finger weg: Klassische Rentenversicherungs-Riester (hohe Kosten, Garantiezins minimal, Rendite miserabel)
- Banksparpläne: Sehr sicher, aber auch sehr renditeschwach — in Niedrigzinszeiten praktisch wertlos